Dormagen (NGZ). Immer mehr Dormagener geraten in die Schuldenfalle. Die Gründe sind vielfältig und reichen von Arbeitslosigkeit über Krankheit bis zu Trennung oder dem Tod des Partners. Inzwischen geraten auch Berufstätige häufiger in Not.
Ausblick
Der Schuldner-Atlas prognostizierte bereits im vergangenen Jahr eine neue Überschuldungswelle für 2010 und 2011. In der Untersuchung gehen die Experten von schlechteren konjunkturellen Rahmenbedingungen aus. Die Entspannung sei nur temporär.
Günther Koppertz (52) hat viel Leid gesehen in den 24 Jahren, in denen er als Schuldnerberater für den Caritasverband und für die Stadt tätig ist. Er ist ein Mann mit einer milden Ausstrahlung, und es ist nur schwer vorstellbar, dass er mit einer energischen Handbewegung wie TV-Schuldnerberater Peter Zwegat den Rotstift ansetzt, nachdem er die offenen Rechnungen seiner Klienten am Flipchart zusammengetragen hat.
Seine Arbeit allerdings hat stetig zugenommen. 2008 landeten 18 Fälle auf Koppertz' Schreibtisch, 2009 waren es 20, in diesem Jahr sind es bereits 38 Fälle. "Im Gegensatz zu früher gibt es heute auch Berufstätige, die nicht mehr klarkommen", sagt der 52-Jährige, der im Namen der Stadt insbesondere Familien hilft.
Die Gründe, warum Menschen zu Koppertz kommen, sind vielfältig: "Trennung, Scheidung, Krankheit, der Tod des Partners, Arbeitslosigkeit" – Koppertz ist der Chronist des Elends. Das sich zunehmend zu einem Trend entwickelt.
Rainer Bovelet, der für das Inkassobüro Creditreform und die Volksbank Düsseldorf Neuss den Schuldner-Atlas herausgibt, sagt: "Ich gehe davon aus, dass die Schuldnerquote weiter ansteigen wird." Auswirkungen, die durch den wackeligen Euro entstehen könnten, spielen noch keine Rolle. Mittelfristig, sagt Bovelet, könnte das aber problematisch werden.
Bei Currenta gibt es für verschuldete Arbeitnehmer seit Jahren eine Anlaufstelle. "Gesunde Arbeitswelt" heißt das Konzept, das derzeit 100 Mitarbeiter an den Currenta-Standorten in Anspruch nehmen. "Dabei handelt es sich häufig um gescheiterte Immobilienfinanzierungen", sagt Unternehmenssprecher Michael Nassenstein – "und die Nachfrage steigt".
Dass Verschuldung nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine menschliche Seite hat, weiß Norbert Hözel vom Internationalen Bund in Dormagen. "Was wir hier machen, ist zunächst eine seelsorgerische Tätigkeit", sagt er. Zu Hözel und seiner Kollegin kommen Kiosk- und Restaurantbesitzer, Handwerksbetriebe oder gescheiterte Ich-AGs. "Eine Gründerberatung gibt es für diese Menschen, wenn sie aber scheitern, dann ist keiner mehr da", sagt Hözel. Selbst Ärzte oder Steuerberater, manchmal siebenstellig verschuldet, kommen zum Internationalen Bund. Hözel verfolgt Schuldnerkarrieren, die oftmals mit der auf Pump gekauften Einrichtung starten. Die Namen der Institute, die Verbraucherkredite anbieten, seien immer wieder die gleichen.
Als letzter Ausweg ist für manch einen Schuldner die Verbraucherinsolvenz, die auf einen Zeitraum von sechs Jahren angelegt ist. "Ein langwieriges Verfahren, bei dem sich manchmal 1500 Euro Gerichtskosten ansammeln", so Hözel. Der Neustart fängt dann gleich mit einem Problem an: mit Schulden.
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