Dormagen (NGZ). Straberg Olaf Schnee hat ein glückliches Jahr hinter sich. Eigentlich müsste dem Straberger Landwirt das Glück immer hold sein, denn der Schweinemäster ist jeden Tag von etlichen echten Glücksbringern umgeben.
Und doch war dieses Jahr ein besonderes, weil das Schwein seinem Ruf als Symbol für wirtschaftlichen Wohlstand alle Ehre machte: Selten war der Kilopreis so gut wie in diesem Jahr - und davon profitierte auch Schnee.
Der einfache Grund für die glückliche Entwicklung waren viele glückliche Männer, die im Juni Stunden und Tage vor dem Fernseher verbrachten - und dabei nicht verhungern wollten. Im Frühsommer 2006 wurde in Deutschland so viel gegrillt wie selten.
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land gehörte für die Fans vor dem Bildschirm nicht nur ein zünftiges Bier, sondern auch Deftiges wie eine Grillwurst, ein Kotelett oder Bauchspeck einfach dazu. Und glücklicherweise werden alle diese Grill-Köstlichkeiten aus Schweinefleisch gewonnen. Die Nachfrage stieg, der Preis zog an - und Schnee machte ein gutes Geschäft.
Der Straberger führt den Hof in der fünften Generation - und hat sich neben dem Ackerbau auf die Schweinemast spezialisiert. Im Jahr 1977 zog der Betrieb von seinem Standort direkt gegenüber der Kirche ins Feld direkt am Eingang von Straberg um. Olaf Schnee kauft die Ferkel vom Züchter, wenn sie acht bis neun Wochen alt sind - und so richtig rosig wie Glücksbringer aussehen. Immerhin bringt ein kleines Schwein in diesem Alter bereits 30 bis 35 Kilo auf die Waage.
In den nächsten Monaten sollen sie auf dem Hof von Schnee weiter zunehmen, damit der Kotelett-Nachschub für den Grill gesichert ist. Nachdem sie etwa vier Wochen in einem Vormaststall verbracht haben, kommen sie in den Maststall. „Dort liegen sie auf Stroh, damit sie sich richtig wohl fühlen“, erklärt Olaf Schnee.
Das Futter werde so ausgewählt, dass die Schweine zwar dicker, aber nicht fetter werden. „Mageres Fleisch ist gefragt“, so der Straberger, der die Tiere morgens und abends selbst füttert. Sie kennen den Bauern und begrüßen ihn mit freundlichem Grunzen. Außerhalb dieser Fütterungszeiten darf niemand den Stall betreten. „Wir wollen jeden zusätzlichen Stress für die Tiere vermeiden“, sagt Schnee.
Darauf lege er auch Wert, wenn seine gemästeten Glücksbringer ihren letzten Weg antreten. „Wir arbeiten nur mit Metzgern aus der nahen Umgebung zusammen, damit die Tiere keine weiten Strecken transportiert werden müssen“, erklärt Schnee. Massenschlachtungen lehnt er ab.
Selbst trägt der Landwirt übrigens auch dazu bei, dass das eigene Geschäft gut läuft. Als bekennender Schnitzel-Fan isst er am liebsten das Fleisch der eigenen Tiere. „Da kann ich schließlich ganz sicher sein, dass ich weiß, was ich auf dem Teller habe“, sagt er. Und Glück soll es schließlich auch bringen - besonders wenn am Silvesterabend ein Stück Schwein auf den Tisch kommt.
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