Dormagen (NGZ). Bürgermeister Hoffmann wollte es schon lange: das Silbersee-Gelände von RWE anstelle des umstrittenen Areals "Kohnacker" als Gewerbegebiet erschließen. Nach Jahren ist nun auch der Energieversorger gesprächsbereit.
Die Annäherungen waren zaghaft, Höflichkeiten wurden ausgetauscht, noch trennen die Verhandlungspartner Unstimmigkeiten. Dennoch geben die Gespräche zwischen dem Energieversorger RWE und Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann Anlass zur Hoffnung – denn zuvor hatte jahrelang Funkstille geherrscht.
Auf Einladung des Landrats waren beide Parteien zusammengekommen, um über das 30 Hektar große RWE-Areal am Silbersee zu sprechen. Der Bürgermeister würde es liebend gerne gegen das geplante (und umstrittene) Gewerbegebiet "Kohnacker" eintauschen, um dort Firmen anzusiedeln. Und RWE? "Wir überlegen mit der Stadt, Teile des Areals als Gewerbegebiet freizugeben", sagt Manfred Lang, Sprecher des Energiekonzerns, gegenüber der NGZ – "wenn die Option bleibt, den Kraftwerksstandort zu erhalten".
Gewerbeflächen
Gewerbegebiete Dormagen verfügt die fünf Gewerbegebiete Top-West, Delrath, Roseller Straße, St. Peter und Hackenbroich
Bedarf Im Jahr 2009 lag die Nachfrage bei insgesamt 166 Hektar Gewerbeflächen. Davon waren 17 Anfragen nach Flächen zwischen einem und fünf Hektar Größe und 13 Nachfragen über fünf Hektar.
Doch an dieser Stelle hakt es. RWE hat ein dickes Rechteck an der Stelle auf die Karte eingezeichnet, wo in ferner Zukunft einmal ein Kraftwerk entstehen könnte. Bürgermeister Hoffmann will sich nicht mit den Randgebieten des Areals zufrieden geben. "Wir schauen uns derzeit die Flächen an", so der Bürgermeister, der das Gebiet als Kraftwerksstandort nicht akzeptieren will. Da sei sich die Politik parteiübergreifend einig.
Blockieren wird RWE wohl dennoch nicht. Denn auch der Energieriese hat Interesse an einer Einigung. Das Silbersee-Gelände könnte seinen Status als Gewerbefläche verlieren, würde der "Kohnacker" realisiert. Peter Jacobs, Initiator der "Bürger Initiative Lebenswertes Delrath" (B.I.L.D.), kämpft seit Monaten gegen die Erschließung des "Kohnacker". Er glaubt, dass das Silbersee-Gelände ökologisch an Wert gewinnt, je länger es brach liegt. "Da muss man sich nur mal die Pflanzenwelt anschauen, es wachsen schon Heideröschen dort", so Jacobs. Es könnte später ein zäher Prozess werden, in einem Naturparadies ein Kraftwerk zu errichten. Für Jacobs sind die Flächen am Silbersee ohnehin "der ideale Standort schlechthin": B9, Industriebahn, Containerbahnhof und ein guter Zugang zur A57 – wenn der geplante Autobahnanschluss Delrath käme – wären gewährleistet. Derzeit gebe es Baurecht auf dem Gelände für elf Hektar, das bei einer Erschließung indes von Altlasten befreit werden müsste: gemeint ist die Arsenblase, die die damalige Zinkhütte hinterlassen hat.
Die Bezirksregierung hat das Areal bereits geprüft, wollte sich am Freitag gegenüber der NGZ aber nicht äußern. Dass RWE überhaupt gesprächsbereit ist, wertet Hoffmann jedenfalls als positives Signal. Denn er weiß auch. Wendet sich RWE mit der Planung für ein neues Kraftwerk an die Landesregierung, würde Dormagen nicht zu Beginn um seine Meinung gefragt.
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