Dormagen (NGZ). Der Feuerschein der Hochfackeln im Chempark ist hunderte Meter weit zu sehen. Auch heute könnten die Flammen bis zu 40 Meter in die Höhe schießen. Ineos-Experten erklären, wie die kontrollierte Gasverbrennung abläuft.
Es ist ein apokalyptisches Schauspiel, wenn Ineos überschüssiges Spaltgas über seine Hochfackeln abbrennt. Hunderte von Metern ist der Feuerschein im Chempark zu sehen. Anwohner sind deshalb oft beunruhigt. Ineos dagegen erklärt, dass der Vorgang ungefährlich ist. Wie die Verbrennung funktioniert, erklären die Ineos-Experten Christian Gabel und Christoph Breitkopf .
Wann kommen Hochfackeln zu Einsatz? Bei der Produktion von Petrochemikalien entstehen als Nebenprodukte u.a. auch Abgase. Aus überschüssigen Mengen wird im Ineos-Kraftwerk Dampf und Strom erzeugt. Weitere Mengen werden in zwei Tanks (Gasometer) gesammelt. Fallen in Sondersituationen (z.B. An- oder Abfahren von Anlagen oder Störungen) vermehrt Gase an, können sie zunächst über vier niedrige Bodenfackeln und dann über die sechs Hochfackeln auf dem Ineos-Gelände verbrannt werden.
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Wie werden die Gase in der Hochfackel verbrannt? Wie bei einem gasbetriebenen Durchlauferhitzer im Bad brennt eine so genannte Pilotflamme dauerhaft am Rand der Fackel. Strömt Gas durch das Stahlrohr der Hochfackel, wird es gezielt angezündet. Damit das Gas vollständig verbrennt, wird es mit Luft vermischt. Als Hilfsmittel wird dazu Dampf eingesetzt.
Kann das Gas nicht anderweitig genutzt werden? Innerhalb kurzer Zeit entstehen so große Gasmengen, die nicht gespeichert werden können. "Für uns ist das in der Tat ein teurer Verlust", sagt Dr. Christian Gabel, Leiter Standortentwicklung bei Ineos in Köln. Die Hochfackel ist deshalb die letzte Instanz.
Wie entstehen Spaltgase überhaupt? So genanntes Naphta (Rohbenzin) wird in Spaltöfen (Kracker) bei Temperaturen von über 800 Grad in seine Bruchstücke zerlegt. Das dabei entstehende Gemisch nennt man Spaltgas. "Der Vorgang ist ähnlich, als würde man ein Plastiklineal verbiegen, bis es zerbricht", erklärt Gabel. In Sekundenbruchteilen wird die Temperatur danach abgesenkt.
Wann wirkt das Feuer besonders bedrohlich? Das hängt von der Witterung ab. "Bei niedriger Wolkendecke sieht man das Feuer enorm weit", erklärt Ineos-Experte Christian Gabel. Der Schein reflektiert und leuchtet von unten die Wolken an.
Warum ist die Verbrennung laut? "Hätten Menschen ein feines Gehör, würden sie auch das Verbrennen einer Kerze hören", erklärt Gabel. Der Schall, der in großer Höhe entsteht, wird zudem nach unten abgestrahlt. Außerdem sind die Düsen, die den Dampf beimischen klangintensiv.
Wie funktioniert das System im Extremfall? Im Jahr 2000 gab es einen Störfall bei RWE. Alle Ineos-Anlagen mussten wegen Strommangels abstellen und innerhalb kurzer Zeit ihre Gasmengen loswerden. An dem Tag brannten alle sechs Hochfackeln. "Ausgelastet war die Kapazität der Fackeln aber nicht", so Dr. Christoph Breitkopf, Operations Manager Olefins bei Ineos in Köln.
Warum kann das Gas nicht in die Luft abgeleitet werden? Vermengen sich brennbare Kohlenwasserstoffe mit Luft, ergibt sich ein explosives Gemisch. Das wäre gefährlicher als das kontrollierte Abfackeln.
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