Dormagen (NGZ). Der Dormagener Stadtrat wird sich nicht an den Protesten gegen die Kohlenmonoxid-Pipeline von Dormagen nach Krefeld Uerdingen beteiligen. Koalition: „Dormagen ist nicht betroffen .“
Dormagen So spektakulär in den vergangenen Wochen und Monaten über die geplante Kohlenmonoxid-Pipeline von Dormagen nach Krefeld-Uerdingen diskutiert und agitiert wurde, so unspektakulär verlief am Freitag Abend die Debatte im Dormagener Stadtrat: „Wir befassten uns nicht mit dem Thema“, so der Tenor.
Dormagen ist damit eine der wenigen Kommunen entlang der knapp 70 Kilometer langen Pipeline-Strecke auf rechtsrheinischem Gebiet, die nicht protestieren. CDU-Fraktionsvorsitzender Wiljo Wimmer schob nach offensichtlicher Koalitionsabsprache mit der SPD jeglicher Diskussion einen Riegel vor: „Ich kann nicht erkennen, inwieweit Dormagen betroffen sein sollte.“
Die Pipeline liege nicht auf Dormagener, sondern auf Kölner Gebiet, die Stadt und ihre Bürger seien nicht direkt betroffen. Wimmer: „Wir befassen uns im Stadtrat auch nicht mit den Windrädern an der Nordsee.“ Sein Fazit: „Diese Problematik hat im Dormagener Stadtrat nichts zu suchen, die Stadt ist weder materiell noch formell damit befasst.“ Der Antrag auf Nichtbefassen wurde bei vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen aus den Oppositionsparteien und -gruppierungen mit breiter Mehrheit angenommen.
Enttäuschung bei Grünen-Fraktionschef Ingo Kolmorgen. Seine Fraktion und auch er persönlich hatten diesen Antrag zur politischen Kernfrage gemacht. Dabei machte er seine Zielrichtung deutlich: „Wir müssen die Sorgen und Ängste der Bürger ernst nehmen und uns an ihre Seite stellen.“ Ingo Kolmorgen gehe es darum „endlich einen vernünftigen Dialog mit Bayer zu führen“. Die Gegnerschaft zu der Pipeline bestehe nicht aus hysterischen Umwelt-Aktivisten oder eingefleischten Bayer-Gegnern: „Darunter sind Bürgermeister und Landräte der CDU.“
Zielrichtung des Resolutions-Antrages sei es, „das Zeitfenster für den Bau der Pipeline zu erweitern“. Es solle Zeit gewonnen werden, um die Gegenargumente und Sicherheitsbedenken der Bürger und Kommunen zu prüfen, die Erläuterungen des Unternehmens zu hören und gegebenenfalls den Rat von Sachverständigen einzuholen.
Der Umweltausschuss des Landtages hatte am Tag zuvor beschlossen, am 17. Oktober Experten anzuhören und deren Meinung zu prüfen. Ingo Kolmorgen sagte aber auch: „Es geht uns nicht darum, das Projekt grundsätzlich zu verhindern. Wir wollen lediglich Klarheit über mögliche Risiken.“ Er halte den Baubeginn für „eine falsche Entscheidung“.
Im Chemiepark Dormagen ist die Pipeline bereits vor knapp einem Jahr auf Bayer-Grundstücken bis an den Rhein und unter dem Fluss verlegt worden. Die Rhein-Unterquerung war damals mit einem Dükerfest auf der rechten Rheinseite gefeiert worden. Die Proteste waren dann von Monheim ausgegangen; mittlerweile wird von „Todeszonen“ gesprochen und Eklats inszeniert, wie in Monheim wo namhafte Gegner die Unterschrift des stellvertretenden Ministerpräsidenten ins Goldene Buch der Stadt verweigerten.
Für Bayer Material Science ist die Kohlenmonoxid-Leitung vor allem für die Kunststoff-Herstellung wichtig. Der Rohstoff wird im Chemiepark Dormagen bei Linde und Praxair gewonnen und soll per Pipeline in den Chemiepark Uerdingen transportiert werden. Dort wird Kohlenmonoxid vor allem für die Herstellung von Makrolon benötigt. Auch diesem Stoff werden zum Beispiel CompactDiscs (CD) hergestellt.
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