Dormagen (NGZ). Straberg Als Fraktion offiziell bei der Verwaltung Akteneinsicht in einen Vorgang zu fordern, könne durchaus als „unfreundlicher Akt“ empfunden werden, gibt Wiljo Wimmer zu. Aber: „Wir wussten einfach keinen anderen Weg mehr, als jetzt Druck auszuüben“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende.
Sämtliche Anfragen der vergangenen Jahre seien abgetan oder ganz ignoriert, Beschlüsse einfach nicht umgesetzt worden. Der Inhalt der Akte: der Holzbrunnen aus der Karolingerzeit, der vor zehn Jahren bei Straberg entdeckt worden war - und eigentlich bereits seit Jahren ausgestellt sein sollte, um ihn der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Im Jahr 1996 sorgte der Fund bei Archäologen und Geschichtsfreunden im Rheinland für großes Aufsehen: In dem Kiesanbaugebiet nördlich der Kreisstraße 12 in der Nähe des Klein-Balgheimer Hofs waren Arbeiter auf das äußerst seltene Stück gestoßen: Ein ausgehöhlter Baumstamm aus der Karolingerzeit, der offenbar noch bis ins elfte Jahrhundert von den Bewohnern des Hofes als Brunnen genutzt worden war.
Es wurde beschlossen, den Brunnen zunächst zu konservieren, dann aufarbeiten zu lassen, um ihn anschließend auszustellen: Zunächst wurden die Holzbalken längere Zeit in eine Zuckerlösung gelegt, anschließend mussten sie trocknen. Danach sollten sie eigentlich nur für kurze Zeit im Keller der Fröbelschule zwischengelagert werden, bis ein repräsentativer Ort gefunden ist, an dem die kleine archäologische Sensation entsprechende zu Geltung kommt.
Doch der Brunnen liegt jetzt bereits seit Jahren in dem Keller - bis heute.. „Zwischenzeitlich galt er sogar als verschollen, weil niemand mehr so genau wusste, ob er überhaupt noch da ist“, sagt Wimmer. Immer wieder fragte die Straberger CDU-Ratsfrau Margret Steiner nach - und bekam nur ausweichende Antworten.
„Das ist eine ärgerliche Geschichte“, sagt auch Bürgermeister Heinz Hilgers, der nach dem Antrag der CDU selbst einen Blick in die Akte geworfen hat. „Hier ist mit Beschlüssen der Kommunalpolitiker nicht mit dem notwendigen Respekt umgegangen worden“, so das Urteil des Bürgermeisters.
Der Bezirksausschuss Nievenheim habe bereits in der vergangenen Legislaturperiode beschlossen, dass der Brunnen im Bullenstall des Klosters Knechtsteden ausgestellt werde. Im November 2003 fragten die Spiritaner an, welche klimatischen Bedingungen erforderlich sind - warteten bis Februar dieses Jahres auf eine Stellungnahme.
„Das ist nicht in Ordnung, so etwas darf natürlich nicht fast zweieinhalb Jahre dauern“, sagt Hilgers. Zumal das Ergebnis unbefriedigend war: Denn die Spiritaner erklärten, unter den genannten Bedingungen könnten sie den Brunnen nicht ausstellen.
Erforderlich sind nach Ansicht des Dormagener Denkmalschutzbeauftragten Jürgen Reith eine konstante Luftfeuchtigkeit von 55 Prozent und eine konstante Temperatur von 20 Grad. „Das Leitungsteam des Missionshauses kann leider keinen geeigneten Platz benennen“, schreibt Pater Hermann Josef Reetz.
Jetzt soll im Rathaus ein Alternativvorschlag erarbeitet werden - und zwar „zeitnah“, betont der Bürgermeister. Die Glasgalerie, die zwischenzeitlich als Ausstellungsort gehandelt worden war, komme nicht in Frage, weil sie die beiden Bedingungen ebenfalls nicht erfülle. „Zurzeit kommt an den Brunnen nichts dran, im Keller der Schule entsteht kein Schaden“, verspricht Hilgers. Eine Lösung müsse jetzt jedoch schnell her.
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