Zeit für die zumeist weiblichen Fans, die im Dormagener Schützenhaus um ein Autogramm baten, hatte Peter Brings kaum. Der fast minutiös gestaltete Programmplan für diesen letzten Abend im April, der für den 36-Jährigen und seine vier Bandkollegen erst nach zwei weiteren Auftritten enden sollte, ließ gerade ein kurzes Interview zu.
"Der Gig hier hat Spaß gemacht. Die Leute waren super drauf", befand Peter Brings, während er sich eilig sein Nivea-Deo "For Men" unter die Achseln sprühte und ein frisches Shirt überzog. Gerade einmal eine Stunde hatten die Kölsch-Rocker auf der Bühne im Schützenhaus gestanden. Doch diese Zeit reichte völlig, um die gute Stube der Dormagener Bürgerschützen in ein Tollhaus zu verwandeln. Brings kommen im mittlerweile zehnten Jahr ihres Bestehens stärker an denn je zuvor. Die Band landete mit ihrer aktuellen Single "Superjeilezick" einen Ohrwurm, dessen Refrain die Dormagener an diesem Abend immer wieder traumhaft sicher mitsangen.
"Nä, wat wor dat dann fröher en superjeile Zick, mit Träne in dr Auge loor ich manchmol zurück. Bin ich hück op dr Roll nur noch half su doll, doch hück Naach weiß ich nit wo dat enden soll", klang es aus gut 400 Kehlen, wenn Brings und später immer wieder Discjockey "Wolle" den Hit zu Gehör brachten. "Mit Superjeilezick feiern wir ein Riesen-Comeback. Viele Leute haben uns durch diese Nummer wiederentdeckt", meinte Peter Brings. Verpackt in einer Polka erinnert er mit einer Portion Wehmut an vergangene Zeiten, die aber auch heute, oftmals unverhofft, immer noch passieren. Im Vordergrund steht der Spaß am Feiern in seiner schönsten Form: mit Musik, Tanz (Danze), hübschen Frauen (Schüss), Bier (Biercher) und sonstigen Attributen, die eben zu einer "superjeilen Zick" gehören.
Auch wenn viele ihrer neuen Songs eine eher ruhige Seite anschlagen, sind Brings in erster Linie eine Band geblieben, deren Markenzeichen neben der kölschen Mundart rockende Gitarren und saubere Handarbeit sind. Die Leidenschaft von Peter Brings (Gesang, Gitarre), seinem Bruder Stephan (Bass, Gesang), Harry Alfter (Gitarre, Gesang), Kai Engel (Tasten, Gesang) und Christian Blüm (Schlagzeug) für ihre Musik kommt ehrlich rüber und beim Publikum sehr gut an. Das ging immer dann begeistert mit, wenn die Band Songs von ihrem neben "Superjeilezick" bekanntesten Album "Zwei Zoote Minsche" spielte.
Stücke wie "Katharina" und "Nur mer zwei" sangen viele Fans Strophe für Strophe mit. Als Zugabe folgte jener Song, mit dem Brings 1991 den Durchbruch schafften: "Kölle", ein musikalischer Liebesbeweis an die Heimatstadt der Musiker erinnerte die Dormagener an die schon ein Jahrzehnt zurückliegenden Partyzeiten im "Gertrudenhof". Der Hit wurde damals in der inzwischen abgerissenen Dormagener Kult-Kneipe "rauf und runter" gespielt. Als sich die Gruppe nach 60 Minuten von ihren Fans verabschiedete, war die "superjeile Zick" im Schützenhaus noch lange nicht vorbei.
Das Delhovener Quartett "De Altreucher" und später Discjockey Wolfgang "Wolle" Strassl hielten das tanzwütige Publikum bis in die frühen Morgenstunden auf Trab. Alle Hände voll zu tun hatten die Jungs des Schützenzuges "Rhievender Rheintreu", die den Tanz in den Mai organisiert hatten. Zugführer Matthias Hau jun. hätte zwar gerne einige Gäste mehr im Schützenhaus gesehen, doch unzufrieden war er nicht. "Der Aufwand hat sich gelohnt. Die Leute sind zufrieden, die Stimmung ist großartig", meinte er. Im kommenden Jahr soll es an gleicher Stelle eine Fortsetzung geben. omo
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.