Dormagen (NGZ). Rollstuhl demoliert, Zahnpasta in der Steckdose, ein rotes Kajal-Kreuz auf der Tür – die Familie Bungarten, die Unter den Hecken 111 wohnt, wird seit Monaten terrorisiert. Auch die Polizei konnte nicht weiterhelfen.
Es sind nur zwei fettige Streifen geblieben auf der Wohnungstür der Bungartens. Als die Familie in Urlaub war, hat ein Unbekannter mit rotem Kajal ein Kreuz auf das helle Holz geschmiert. Es ist ein Mobbing-Fall von vielen, den die Familie ertragen musste. "Seit Jahren geht das so", sagt Cäcilia Bungarten (51), "doch seit April/Mai ist es wieder richtig schlimm geworden."
Insbesondere auf den elektrischen Rollstuhl ihres Mannes Dieter (67) haben es die Saboteure abgesehen. Der rote "Meyra"-Rollstuhl, den Dieter Bungarten in einer Ecke hinter dem Treppenaufgang parkt, ist mit einer schlammgrünen Wolldecke abgedeckt. Er ist von der Eingangstür nicht zu sehen, kein Fluchtweg wird versperrt. Als die Familie 2001 eingezogen ist in die Eigentumswohnung, hat sie eine Genehmigung für den Rollstuhlstellplatz bekommen. Und doch richtet ein Unbekannter immer wieder seine Wut gegen den Stuhl. "Sie haben die Sitze mit einem Messer aufgeschnitten und die Steuerung abgeschlagen", sagt Cäcilia Bungarten. 8000 kostet das schwere Gerät. Auch die Stromkabel, über die der Rollstuhl aufgeladen wird, sind zertrennt, die Steckdose ist mit Zahnpasta vollgeschmiert worden. Rollstuhlreparatur: 700 Euro, Kabelerneuerung: 200 Euro – "es ist zermürbend", sagt Cäcilia Bungarten. Dabei wird der Rollstuhl mit dem Strom der Bungartens aus der Waschküche aufgeladen. Die Versicherung zahlt den Schaden nicht, weil es sich nicht um einen Einbruch handele.
Mobbing
Opfer Die Schätzungen für die Zahl der Mobbingbetroffenen in Deutschland belaufen sich auf über eine Million.
Begriff Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing (anpöbeln, angreifen, bedrängen), andere Menschen ständig bzw. wiederholt und regelmäßig zu schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen.
Die Bungartens können den Terror kaum noch ertragen, doch wegziehen ist auch keine Option. Sie haben die Wohnung behindertengerecht einrichten lassen. "Wir sind außerdem auf die Stadtnähe angewiesen", sagt Cäcilie Bungarten. Ihr Mann darf nicht mehr Autofahren, sie selbst besitzt keinen Führerschein. "Hier können wir selber für uns sorgen", sagt die 51-Jährige.
Auch die Polizei habe bisher nicht helfen können. Die Verfahren wurden nach einer Weile wegen Geringfügigkeit eingestellt. Polizeisprecher Hans-Willi Arnold rät der Familie dennoch, die Polizei anzurufen: "Wir schreiben eine Anzeige, den Rest erledigt die Staatsanwaltschaft."
Nun müssen die Bungartens mit der Angst leben. Einen Verdacht, wer für den Terror verantwortlich sein könnte, hat die Familie. "Was, wenn der Rollstuhl wieder manipuliert wird, und wir es nicht merken?", fragt Cäcilia Bungarten mit aufgerissenen Augen. An die Konsequenzen will sie nicht denken.
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