Dormagen (NGZ). Nievenheim Gespenstisch zucken die Blaulichter in den Nachthimmel. Es ist 22.03, Bahnhof Nievenheim. Etwas Schreckliches ist passiert. Ein Mann ist in Höhe der Unterführung am Ende des Bahnsteigs Richtung Köln von einem Güterzug erfasst worden. Der 35-Jährige ist sofort tot. Ein grauenhafter Anblick. Auch für den Lokführer - er kann nicht weiter fahren, muss ausgetauscht worden.
Der Tod des jungen Kölners wirft Fragen auf - kritische Fragen. Hinweise auf einen Freitod gibt es nicht, auch nicht auf Fremdverschulden, dass der Mann etwa gestoßen wurde. Aber es erhebt sich ein tragischen Verdacht. Möglicherweise wollte der Kölner eine Abkürzung auf das gegenüberliegende Gleis nehmen. Anwohner am Bahnhof berichten vor Ort, dass immer wieder Reisende schnell über die Gleise auf den gegenüberliegenden Bahnsteig Richtung Neuss gehen und von dort aus über die Sicherheits-Treppe an der Unterführung direkt nach Delrath kommen. Der ordnungsgemäße Weg führt zunächst außen herum Richtung Nievenheim und dann durch die Unterführung. Dieser Weg ist manchen zu lästig - trotz der tödlichen Gefahr.
Auch die Polizei schließt nicht aus, dass der 35-Jährige das Gleis wechseln wollte. In der Dunkelheit hat er dann möglicherweise den herannahenden Güterzug nicht gesehen, nicht gehört. Der Sprecher der Kreispolizeibehörde Neuss, Hans-Willi Arnold, gegenüber der NGZ: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Ähnlich auch Stefan Beckmann, Sprecher der für die Bahn zuständigen Bundespolizei im Bereich Düsseldorf: „Wir schließen nichts aus.“
Auch wenn der Schleichweg laut Augenzeugen offenbar täglich mehrfach benutzt wird - zu eine Häufung von Unfällen ist es nicht gekommen. „Der Bahnhof Nievenheim ist uns nicht als Unfall-Schwerpunkt bekannt“, berichtet Beckmann. Laut Arnold hat die Dormagener Polizei allein in den vergangenen sechs Jahren 69 (!) Ordnungwidrigkeitsverfahren wegen des unerlaubten Überschreitens der Gleise eingeleitet, allein 19 bereits in diesem Jahr. Arnold: „Wir haben die Bundespolizei mehrfach auf das Problem hingewiesen.“ Doch von dort ist nichts weiter geschehen.
„Der Schleichweg bietet sich geradezu an“, behauptet ein Augenzeuge. An der etwa anderthalb Meter breiten Treppe gibt es keine Sicherung, nur ein Hinweisschild, dass sie der Durchgang verboten ist. Doch warum reagierte niemand bei der Bahn?
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