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Dormagen: Verbrennen oder Düngen

VON CHRIS STOFFELS - zuletzt aktualisiert: 23.08.2007 - 21:30

Dormagen (NGZ). Dormagen PFT (Perfluorierte Tenside) stehen in Verdacht, Krebs zu erregen. Immer wieder kommt es zu PFT-Verschmutzungen, wie vor einiger Zeit an Ruhr und Möhne. Im Verdacht: Klärschlamm, mit dem die Landwirte ihre Äcker düngen. So auch in Dormagen. Gefährdungen auch hier? „Es gelten strenge Vorschriften für das Düngen mit Klärschlamm, die wir sehr sorgfältig kontrollieren“, sagt Thomas Wedowski, Leiter der Dormagener Kläranlage. Und Urban Wahlen vom Umweltamt des Rhein-Kreises Neuss: „Das sind lokale Probleme.Hier ist bislang nichts passiert.“

Nicht unumstritten: Auch in Dormagen düngen Landwirte Felder mit Klärschlamm aus der Dormagener Kläranlage . Allerdings werden sowohl der Klärschlamm als auch die Böden regelmäßig umfangreich untersucht und kontrolliert.  Foto: NGZ
Nicht unumstritten: Auch in Dormagen düngen Landwirte Felder mit Klärschlamm aus der Dormagener Kläranlage . Allerdings werden sowohl der Klärschlamm als auch die Böden regelmäßig umfangreich untersucht und kontrolliert. Foto: NGZ

In der Rheinfelder Kläranlage der Technischen Betriebe Dormagen (TBD) fallen jährlich 48 000 Kubikmeter Klärschlamm an. Wohin damit? Wedowski: „40 000 Kubikmeter transportieren wir auf unsere Kosten zur Deponie nach Neuss-Grefrath.“ Dort wird der Schlamm an den Kreis übergeben, der für die Entsorgung zuständig ist. Laut Wahlen wird der Klärschlamm weiter nach Krefeld gebracht, wo er verbrannt wird.

Rund 8000 Kubikmeter Rückstände der Kläranlage werden allerdings auf die heimischen Äcker aufgebracht. Und das ist nicht unumstritten. So wird auf Europäischer Ebene immer wieder überlegt, das Klärschlamm-Düngen zu unterbinden. Auch in Deutschland werden zurzeit wieder Verbotslösungen diskutiert. Allerdings ohne Aussicht auf Erfolg, die notwendige Bundesrats-Mehrheit für diese Pläne zu bekommen. In dieser Situation helfen nur strenge Kontrollen.

Hubert Braun kennt sich aus mit dem Klärschlamm. Er holt den Schlamm von der Kläranlage in Rheinfeld und bringt ihn zu den Landwirten. Für die lohnt sich der Einsatz der Klär-Rückstände: Sie bekommen von den TBD noch Geld dafür, wenn sie den Schlamm aufbringen - die so genannte Einarbeitungsgebühr von rund 35 Euro pro Hektar. Doch das ist nicht der einzige Pluspunkt für die Landwirte: „Der Klärschlamm hat einen hohen Phosphor- und Stickstoffgehalt“, so Braun. Phosphor ist einer der wichtiges Stoffe für Biologische Zellsysteme, stärkt die Pflanzen und fördert das Wachstum und ist zusammen mit Stickstoff wichtiger Dünger.

Doch das Düngen ist streng reglementiert. Wahlen: „Die Düngemengen und Zeiten sind limitiert. Der Boden wird regelmäßig kontrolliert.“ So dürfen die Landwirte laut Wahlen rund fünf Tonnen Trockenmasse innerhalb von drei Jahren pro Hektar aufbringen. Und das auch nur, nachdem sowohl der Boden wie auch der Klärschlamm vorher gründlich analysiert wurde. Der Dormagener Klärschlamm wird zwei statt wie gefordert ein Mal jährlich von einem Fach-Institut kontrolliert. Der bedüngte Boden muss alle drei Jahre untersucht werden. Dabei wird dann auch festgestellt, ob es zu einer Überdüngen gekommen ist. Die entsprechenden Felder müssen sowohl dem Kreis wie der Landwirtschaftskammer angezeigt werden. „Bei der kleinsten Abweichung wird das Düngen mit Klärschlamm sofort gestoppt“, so Wahlen. Doch dieser Fall ist in Dormagen noch nicht eingetreten. Hubert Braun: „Der Antrag, um Klärschlamm aufzubringen umfasst insgesamt fast 30 Seiten.“

Und PFT in Dormagen? Thomas Wedowski und Urban Wahlen können die Bürger beruhigen. Bei den jüngsten Messungen lag der Wert mit 25 Mikrogramm pro Kilo Trockenmasse sehr deutlich unter dem Maximalwert von 100.

So ganz zufrieden mit den Klärschlamm als Dünger scheinen viele Landwirte dennoch nicht mehr zu sein. Landesweit ist ein starker Rückgang der Schlamm-Düngung zu verzeichnen. Für den Kreis und die Technischen Betriebe könnten sich damit bald Probleme auftun.

Quelle: NGZ


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