Dormagen (NGZ). Dormagen In Dormagen gibt es eine lebendige Vereinslandschaft mit vielen engagierten Mitgliedern. Das ist das Ergebnis der empirischen Ehrenamtsuntersuchung, die das Büro für Bürgerschaftliches Engagement (BBE) bei der Stadt Dormagen in den vergangenen zwei Jahren gemacht hat. Doch nach der Auswertung der Ergebnisse gibt es Grund zur Sorge: Denn diese Vielfalt der Vereine ist mittelfristig in Gefahr - aus gleich zwei Gründen. „Offenbar gelingt es den Vereinen in Dormagen zu wenig, Menschen, die neu in das Stadtgebiet gezogen sind, für ein Engagement zu gewinnen“, sagt Heinz Pankalla, Leiter des BBE. Und: Die Vorstände der Vereine sind schon heute stark überaltert. Setzt sich diese Entwicklung fort, drohen viele Vereine auszusterben, weil ihnen der Nachwuchs in verantwortungsvollen Positionen fehlt. „Es ist höchste Zeit gegenzusteuern“, meint Pankalla.
Fast 88 Prozent der ehrenamtlich Engagierten leben seit 20 Jahren oder länger in Dormagen. Der Anteil derer, die erst bis zu zehn Jahre im Stadtgebiet wohnen, liegt bei lediglich 2,8 Prozent. „Das zeigt ein großes Defizit in der sozialen Integration von Neubürgern“, so Pankalla. Die Vorstandsarbeit in den Vereinen sei fest in der Hand alt eingesessener Dormagener Familien - und zwar in nahezu allen Stadtteilen. Dass sich diese Menschen offenbar sehr stark mit ihrer Heimat identifizierten, „ist ja nicht schlecht“, betont Pankalla. Im Bundesdurchschnitt gelinge es Vereinen jedoch deutlich besser, auch Menschen in die vor Ort tätigen Gemeinschaften aufzunehmen. „Darüber müssen wir uns Gedanken machen“, meint der BBE-Leiter. Geplant seien beispielsweise Info-Veranstaltungen für Neubürger in allen Stadtteilen und regelmäßige Foren, bei denen die Vereine sich und ihre Arbeit vorstellen könnten.
Fast noch mehr Sorge bereitet Pankalla die Altersstruktur in den Vereinsvorständen. Knapp 14 Prozent der Dormagener Bevölkerung ist zwischen 14 und 25 Jahre alt. Der Anteil der Ehrenamtler aus dieser Gruppe beträgt aber nur 3,5 Prozent. Der Großteil der ehrenamtlich Tätigen - 55 Prozent - ist in Dormagen zwischen 46 und 65 Jahre alt, davon 31 Prozent zwischen 56 und 65 Jahren. Die Bewertung Pankallas: „Es scheint bislang zu wenig zu gelingen, jüngere Menschen an qualifizierte Tätigkeiten heranzuführen.“ Und das werde sich über kurz oder lang für viele Vereine zum Problem entwickeln - vor allem in Kombination mit einer weiteren Dormagener Besonderheit: Viele Vorstandsmitglieder sind in gleich mehreren Vereinen aktiv. „Das führt nicht selten zur Überlastung“, so Pankalla.
Um mehr junge Menschen zu erreichen, müssten die Vereine über neue Strukturen nachdenken. Weil sich Jugendliche häufig ungern binden ließen, müssten die Vereine Projektstrukturen schaffen. Ein Beispiel: Statt sich für vier Jahre zum Kassierer wählen zu lassen, könnte sich ein junger Mensch gezielt um Sponsoren für die nächste Weihnachtsfeier kümmern.
Aber auch die Stadt selbst will nach diesen Ergebnisse umdenken - und ihre Förderrichtlinien überarbeiten. Eine erste Diskussion ist im Hauptausschuss geplant. „Auch hier geht es in die Richtung, einzelne Projekte zu unterstützen“, sagt Pankalla. Gleichzeitig soll das Ehrenamt mehr gewürdigt werden. Im Herbst ist erstmals ein Dankeschön-Fest für ehrenamtlich Tätige in Dormagen geplant. Auch die Ehrenamtskarte NRW will Dormagen im Rahmen eines Pilotprojektes, an dem kreisweit nur noch die Stadt Neuss teilnimmt, im Laufe des Jahres einführen. Sie bietet ihren Inhabern, die rund fünf Stunden in der Woche ehrenamtlich tätig sein müssen, Vergünstigungen in fast 100 Einrichtungen landesweit. „Ich rechne damit, dass in Dormagen bestimmt 2000 Menschen einen Anspruch auf diese Karten haben werden- ohne Feuerwehr und Rettungsdienste “, schätzt Pankalla.
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