Dormagen (NGZ). Der Schock sitzt tief. Eltern und Kinder wissen nicht mehr wohin. Die Nachricht aus dem Rathaus machte gestern schnell die Runde: Der Waldkindergarten im Tannenbusch wird geschlossen.
Zur Begründung Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann: "Wir können die Standfestigkeit der Bäume nicht mehr garantieren." Experten hatten der Stadt geraten, den Kindergarten zu schließen, der seit 14 Jahren mit großen Erfolgen das alternative Kinderbetreuungsangebot pflegt. Er soll möglicherweise an anderer Stelle wieder entstehen.
Wiebke (1990), Lothar (1999), Kyril (2007) und Emma (2008) haben ihre Spuren hinterlassen. Bei diesen Stürmen kamen über 200 Menschen ums Leben. 25 Millionen Bäume knickte Kyrill allein in NRW um. Viele alte Fichten und Eichen waren darunter, die sonst jedem Sturm trotzten. Erst vor wenigen Tagen stürzten in einem Kindergarten in Delrath, nur wenige Meter von der Kindestagesstätte entfernt, mehrere große Bäume auf den Spielplatz.
Grund genug für die Stadtverwaltung, sich um die Kinder des Waldkindergartens Tannenbusch Sorgen zu machen. Schließlich stehen in direkter Nachbarschaft mehr als 200 Bäume, die zum Teil bis zu 50 Meter hoch sind. "Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert, wenn auch nur ein Baum auf das Gebäude des Waldkindergartens mit seinen über 42 Kindern fällt", begründet Hoffmann seine Entscheidung, den Waldkindergarten nicht mehr an dem bisherigen Ort erhalten zu können. "Ich kann den plötzlichen Schock der Kinder, Eltern und Betreiber über die Schließung sehr gut nachvollziehen. Das Konzept Waldkindergarten ist ein tolles Modell, welches Kinder auf den Umgang mit unserer Natur vorbereitet. Doch die Sicherheit der Kinder hat für mich hier einfach Vorrang."
Aktuell aufgekommen ist die Frage nach der Sicherheit der Kinder durch einen Bauantrag der Betreiber des Waldkindergartens, der sein Angebot um eine U3-Betreuung erweitern wollte. Sicher ist sich der Verwaltungschef, dass es Stimmen geben wird, die der Meinung sind, dass es 14 Jahre lang gut ging oder dass bei anderen Einrichtungen auch Bäume eine Gefährdung für die umliegenden Schulen und Kindergärten darstellen würden: "Denen kann ich nur sagen, dass in Duisburg auch keiner an ein so schreckliches Ende dachte, gerade weil bislang alles gut ging. Hier angesichts dieser Gefährdung nichts zu unternehmen, ist schlichtweg fahrlässig." Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW hat erhebliche Bedenken gegen das geplante Bauvorhaben des Waldkindergartens geäußert: "...da es inmitten einer Waldfläche an einer Waldstraße liegen würde und von hohen Bäumen umgeben ist, deren Kronen teilweise über das neu zu errichtende Gebäude überhängen würden." Es müssten 200 Bäume gefällt werden.
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