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"Kanzelreden" in der Christuskirche: Wenn das Frausein zum Verhängnis wird

zuletzt aktualisiert: 07.03.2004 - 21:23

"Kanzelreden" in der Christuskirche (NGZ). Von Simon Hopf

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig. Nicht nur in Kriegsgebieten, sondern auch "im Friedensland Deutschland". - Dr. Monika Hauser, die Sonntag im Rahmen der Reihe "Kanzelreden" in der Christuskirche zu Gast war, versteht es, pointiert und eindringlich ein Problem zu thematisieren, das oft genug einem Tabu unterliegt. Mit Blick auf die in den Krisenherde agierenden internationalen Organisationen findet Hauser zudem klare Worte: "Ein bisschen humanitäre Hilfe reicht nicht!" Sexualisierte Gewalt gegen Frauen: Dr. Monika Hauser, Gründerin von "medica mondiale", berichtete Sonntag Abend auf Einladung von Pfarrer Frank Picht in der Reihe "Kanzelreden" in der Christuskirche. NGZ-Foto: H. Jazyk

Es gehe darum, Frauenrealitäten mitzudenken, in Resolutionen mit einzubeziehen um auf diese Weise "konstruierte Rollenbilder" in patriarchalisch strukturierten Gesellschaften zu durchbrechen. Dr. Monika Hauser, die jetzt auf Einladung von Pfarrer Frank Picht nach Dormagen gekommen war, rief Anfang der 90er Jahre vor dem Hintergrund des Jugoslawienkrieges "medica mondiale" ins Leben, eine Vereinigung, die sich der Probleme traumatisierter und misshandelter Frauen annimmt.

Neben die medizinische Betreuung treten auch beratende und (berufs-) qualifizierende Angebote. "Medica mondiale" agiert auf dem Balkan, in Ruanda, dem Irak und Afghanistan. In ihrem Vortrag ging die 44-jährige Gynäkologin auf so unterschiedliche Aspekte von Gewalt gegen Frauen ein wie Vergewaltigung, Zwangsprostitution - das "Sklavinnentum der Moderne" - oder Zwangsheirat, wie sie beispielsweise in Afghanistan verbreitet ist.

Oder im Kosovo, wo von Frauen nach dem Tod ihres Mannes erwartet werde, dessen Bruder zu heiraten. In Afghanistan landeten jene Frauen - manchmal sind es noch junge Mädchen von gerade einmal neun Jahren -, die sich der Zwangsehe entziehen, im Gefängnis. Insbesondere ihnen gelte das Engagement von "medica mondiale" vor Ort. Juristischer Beistand, Aufklärung des Gefängnispersonals und Beobachtung der Situation, wenn die (geächteten) Frauen in ihre Familien zurückkehren, sind Schwerpunkte der Tätigkeit, die mit dazu beitragen soll, die "ewige Willkür von Polizei und Justiz" zu durchbrechen.

Hauser vermisst internationalen Druck (gerade auch von deutscher Seite) um verbesserte Frauenrechte in Afghanistan. Sie wolle "endlich einmal erleben, dass die Geldvergabe an Kabul davon abhängig gemacht werde, wie die spezifischen Interessen der Frau geschützt werden, machte sie vor den zahlreichen Zuhörern in der Christuskirche deutlich. Eingehend widmete sich Hauser dem Thema "Vergewaltigung", ein strategisch eingesetztes Werkzeug, mit dem die Frauen stellvertretend für ihre gesamte Volksgruppe gedemütigt und zerstört werden.

So vermischen sich Rassismus und Sexismus in den Lagern Tschetscheniens, wo russische Soldaten mit Billigung der Vorgesetzten praktisch einen Freibrief hätten, um zu vergewaltigen. "Zu Hause sind sie Helden", so ihr Kommentar. Es sei zudem "das Pech für tschetschenische Frauen, dass sich die politische Welt nicht für ihr Schicksal interessiert". Wie unsensibel aber oft mit missbrauchten Frauen umgegangen werde habe sie in einem albanischen Flüchtlingslager erlebt.

Wie könne es angehen, dass ausgerechnet ein männlicher Dolmetscher diesen Frauen, die ohnehin kaum über das Erlittene sprechen können, an die Hand gegeben werde? Wie könne es sein, dass in den Lagern Frauen Gemeinschaftsduschen benutzen müssen - mit der ständigen Angst im Nacken, Opfer sexueller Begierde zu werden? "Wo trauert die vergewaltigte Frau um das, was sie verloren hat?", fragte Dr. Monika Hauser. Gerade auch in der Bundesrepublik sei das Problem stigmatisiert. Dabei berichtete sie von den leidvollen Erfahrungen von Frauen während und als Folge des Zweiten Weltkriegs und von der Mauer des Schweigens, mit der dies über Jahrzehnte ignoriert wurde.

Den anwesenden männlichen Zuhörern gab Hauser abschließend mit auf den Weg, sich einmal in die Perspektive einer Frau zu versetzen und nachzuempfinden, wo Frauen auch unterschwellig Gewalt ausgesetzt sind. Und sei es nur, dass sie intuitiv die Straßenseite wechseln, wenn ihnen im Dunkeln ein Mann entgegen kommt.....

Quelle: NGZ


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