Dormagen (NGZ). Auch nachts haben die Schwestern im Kreiskrankenhaus viel zu tun. Neben ihren medizinischen Aufgaben versuchen sie, das Menschliche nicht zu kurz kommen zu lassen.
Das Krankenhaus
Das Kreiskrankenhaus Dormagen feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Nach fünfjähriger Bauzeit wurde es am 17. November 1980 eröffnet. Es verfügt über fünf Fachabteilungen mit insgesamt 346 Betten. Hinzu kommt eine Abteilung für diagnostische Radiologie und Nuklearmedizin sowie eine Apotheke. Träger des Krankenhauses ist der Rhein-Kreis Neuss.
Am Abend kehrt Ruhe ein auf Station 3c des Kreiskrankenhauses in Hackenbroich. Die "Innere" mit ihren 32 Betten betreut Patienten der verschiedensten medizinischen Fachrichtungen und ist meistens voll ausgelastet. Gegen 21 Uhr hat sich die hektische Betriebsamkeit des Tages gelegt. Alle Untersuchungen sind tagsüber gemacht worden, die Besucher haben sich verabschiedet und die letzte abendliche Visite ist vorüber. Zurück bleibt nur die Nachtschwester, die sich bis zum frühen Morgen um die Patienten kümmert.
Martina Weber liebt diese nächtliche Ruhe während ihrer Arbeitszeit. Die 51-Jährige ist die dienstälteste Nachtschwester im Kreiskrankenhaus Hackenbroich. Sie arbeitet seit 13 Jahren ausschließlich im Nachtdienst und kann sich einen Wechsel in die Tagschicht kaum noch vorstellen. Ihre Kollegin Andrea Becker hingegen mag gerade die Abwechslung von Früh-, Tag- und Nachtschicht. Sie ist seit 20 Jahren in Hackenbroich tätig und weiß die familiäre Atmosphäre auf Station 3c zu schätzen. Eine 32-Betten-Station zu betreuen, das bedeutet auch nachts eine Menge Arbeit. Mit den Kollegen der Tagschicht bespricht die jeweilige Nachtschwester zunächst, was am Tag passiert ist und was noch zu tun ist. Nach dieser Übergabe beginnt der erste Rundgang. Hier noch einmal Blutdruck messen, Medikamente verteilen, dort den Blutzucker kontrollieren – so verläuft der übliche Start in die Nachtschicht. "Diesen Rundgang machen wir alle zwei Stunden", so Martina Weber. "Aber es gibt natürlich auch Patienten, die intensiver betreut werden müssen. Nach denen schauen wir häufiger", erklärt sie.
Gerade Krebspatienten litten oftmals unter Schmerzen oder Angstzuständen, wenn sie allein sind und nachts keine Ablenkung haben. Wenn es die Zeit zulässt, setzt sich die Schwester dann eine Weile ans Bett des Patienten. "Manchmal rufen wir auch die Angehörigen", erzählt Andrea Becker. Die Jahre der Berufserfahrung haben beide Schwestern gelehrt, mit solchen Situationen umzugehen und neben den medizinischen Aufgaben auch das Menschliche nicht zu kurz kommen zu lassen. "Weil wir die Patienten meist länger bei uns haben, kennen wir die ganze Krankheitsgeschichte. Teilweise begleiten wir sie bis zum Ende."
Leid auf Distanz halten
Das macht es auch den Angehörigen leichter, die sich nicht immer an neue Gesichter gewöhnen müssen, wissen die beiden. Dennoch dürfe man nicht zu viel Leid an sich herankommen lassen. "Das heißt nicht, dass man völlig abgestumpft ist, aber man muss eine gewisse Distanz wahren. Wenn ich morgens meine Übergabe gemacht habe und nach Hause gehe, dann bleiben diese Dinge auch hier", sagt Martina Weber. Für sie ist der Job Berufung: "Seit ich acht Jahre alt war, stand für mich fest, dass ich Krankenschwester werden würde", erzählt sie. Ein Kinderbuch über eine Schwesternschülerin sollte ihr die Langeweile vertreiben, als sie selbst krank war. Von da an faszinierte sie der Beruf. Einiges hat sich im Laufe der Jahre verändert: die Ausbildung der Kollegen, die Dienstvorschriften. Der medizinische Fortschritt hat viele Erleichterungen gebracht. Dafür hat der bürokratische Teil der Arbeit zugenommen. "Diese Zeit fehlt uns manchmal für die Patienten", bedauert Andrea Becker. Tauschen möchte aber auch sie nicht: "Hier ist kein Tag wie der andere."
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