Sonneborn nach dem Absetzen von "Zimmer frei": "Es fehlt der Respekt vor dem GEZ-Zahler"

VON ULLI TÜCKMANTEL -
zuletzt aktualisiert: 07.10.2009 - 10:15

(RPO) Nach der Erklärung des WDR gegenüber unserer Redaktion, die für Sonntag geplante "Zimmer frei"-Sendung mit dem früheren Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn abgesetzt zu haben, weil sie den Erwartungen der Redaktion nicht entsprochen habe, staunt der Chef der Satire-Partei "Die Partei". Es sei wohl eher so gewesen, dass Moderatorin Christine Westermann mit ihm nicht klar gekommen sei, so Sonneborn im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die "Zimmer frei"-Folge, in der Martin Sonneborn zu Gast war, wird nicht ausgestrahlt. Foto: AP

Trifft die Darstellung des WDR zu, dass eine Absprache mit Ihnen gab, dass Sie in der Sendung nicht durchgängig in Ihrer Rolle/Funktion als Vorsitzender der "Partei" auftreten?

Martin Sonneborn: Es gab die Bitte, ebenso wie die Ansage, ich könne auf der Bühne machen, was mir gefällt. Ich bin übrigens tatsächlich Parteivorsitzender, das ist keine Rolle, aber wir haben natürlich auch über Satire und Titanic gesprochen. Lustigerweise hat mir die Redaktion ein Wahlbüro oben ins Zimmer gebaut und sich dann gewundert, daß ich in der Umgebung über Politik rede.  

Können Sie das WDR-Urteil teilen oder nachvollziehen, die Sendung habe einfach nicht funktioniert?

Martin Sonneborn: Das Saalpublikum war zu großen Teilen anderer Meinung. Die Leute waren plötzlich hellwach, als sie spürten, daß hier mit Frau Westermann und mir zwei doch sehr unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen... Die künstlich angeheizte Studioatmosphäre verschwand, es wurde plötzlich richtig gelacht. Daß der WDR seinen Zuschauern die Sendung nicht zeigen will, sagt auch etwas über die unsägliche Bevormundung des Publikums durch Sender aus.

Die Bilder von der After-Show-Party sahen eigentlich ganz locker und fröhlich aus. War da schon klar, dass nicht gesendet wird?

Martin Sonneborn: Es gab eigentlich von Anfang an Spannungen. Frau Westermann trat vor der Sendung im Flur auf mich zu und sagte: "Herr Sonneborn, ich habe Angst vor Ihnen." Ich entgegnete: "Frau Westermann, das beruht auf Gegenseitigkeit." Als sie die erste Frage stellte - "Muß man intelligent sein, um Ironie zu verstehen?" – hatte ich gerade den Mund voll und habe ihn natürlich erstmal leergekaut. Was ich nicht wußte: Die Dame hatte dem Publikum vorher gestanden, daß sie Schweigen im Fernsehen nur schwer ertrage.

Danach hat sie darauf hingewiesen, daß wir durch unsere Bestechungs-Faxe die WM 2004 nach Deutschland geholt hätten, und ich habe ihr erklärt, daß ein ähnlicher Fauxpas bei Carmen Thomas mal zu einem Karriere-Knick geführt hätte. Dann machte sich auch noch Götz Alsmann darüber lustig und danach war das Tischtuch zerschnitten. 

War die Nicht-Ausstrahlung eine einsame WDR-Entscheidung oder ist das mit Ihnen besprochen worden?

Martin Sonneborn: Es gab keine Information von Seiten des WDR. Nachdem ich sowohl eine "Zimmer frei"-Sendung mit mir als auch eine mit Dorkas Kiefer für Sonntagabend angekündigt sah, konnte ich mich nicht entscheiden und habe mal nachgefragt, welche denn wirklich gesendet wird. Ich erhielt dann eine lakonische Mail, daß die Sendung "unter den Erwartungen geblieben" sei und nicht gezeigt werde. Und gerade erfahre ich, daß der WDR "aus Respekt vor Herrn Sonneborn" nicht ausstrahlen will. Hahaha, wie lustig: Der WDR schützt TITANIC-Herausgeber vor sich selbst. Gute Güte, wenn das Schule macht!

Fordern Sie – oder Ihre Partei – die Ausstrahlung?

Martin Sonneborn: Nein, dazu bin ich ein zu großer Fan von Christine Westermann.  

Woran ist die Nummer mit der Feuerwehr-Kapelle gescheitert? Das Lied kannten Sie doch, oder?

Martin Sonneborn: Die Nationalhymne? Ja, aber nur die dritte Strophe.

Als Mitbewohner sollen Sie bei der Publikums-Abstimmung nicht sonderlich gut angekommen sein. Woran hat es gelegen?

Martin Sonneborn: Sehen Sie, 50 Prozent des Publikums hat mir nachher in der Entscheidung die rote NEIN-Karte gezeigt - das sind 50 Prozent Zustimmung, mehr kann man als Politiker nicht verlangen! Außerdem hätte ich mit Frau Westermann zusammenziehen müssen, und die Leute haben wohl begriffen, daß das nicht funktionieren würde.

Werden Sie Schritte unternehmen?

Martin Sonneborn: Ich werde mit der PARTEI für die Abschaffung der GEZ-Gebühren streiten. Wenn es sich der WDR leisten kann, eine 250.000-Euro-Sendung einfach in den Schrank zu stellen, haben sie die offenbar nicht in der Form nötig. Und sobald wir an der Macht sind, wird die Sendung natürlich ausgestrahlt. Mit Frau Westermann in Zeitlupe.

Quelle: RP

 
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Wetterwachs | 14.10.09 14:06 (1/30)
Staatsferne
Solange Politiker darüber entscheiden, wieviel Geld in die Taschen öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten fließt, kann von Staatsferne keine Rede sein. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob das...
Kommentar lesenswert? (8)   Weiterlesen und bewerten

dieseiner | 09.10.09 15:53 (2/30)
250.000 je Sendung?
500 Sendungen sind es bisher. Macht 125.000.000 Euro. Für einen talentfreien Möchtegern-Gernegroß und das Altenteil einer ausrangierten Radio-Moderatorin. Erstaunlich, dass der Staat eine...
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rponline | 08.10.09 12:03 (3/30)
@Miguel68
Hallo, vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Fauxpas umgehend korrigiert. Journalismus auf Meta-Ebene verwirrt nur. Bleiben Sie so kritisch und so konstruktiv! Viele Grüße - Ihr Team...
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