Grevenbroich: Der Rocker vom Stadtarchiv
Grevenbroich (NGZ) Man ist niemals zu alt für Rock 'n' Roll. Das sagt sich Wolfgang Brandt. Der 60-jährige Leiter des Grevenbroicher Stadtarchivs dreht nach Feierabend tüchtig auf. Er ist Leader der Kult-Band "Stixx".
Seine erste Gitarre? Ein Fehlkauf! Mit 15 Jahren – noch picklig im Gesicht, aber schon Stones-Fan – orderte er über den "Twenshop-Katalog" die heiß ersehnte Klampfe. Doch losrocken wie sein Idol Keith Richards konnte er darauf nicht. "Die war absoluter Schrott", erinnert sich Wolfgang Brandt. Zwei, drei Fingerübungen auf den billigen Nylonsaiten – und das Ding landete in der Ecke. Der Gymnasiast widmete sich anderen Hobbys: Fußball beim TuS und Tischtennis in der DJK. Schnell war er aus, der Traum vom wilden Rockerleben.
Nicht wirklich: Wer heute Live-Konzerte in der Stadt besucht, der kennt Wolfgang Brandt. Er zählt zu den Mitgründern von "Last Order" und hob vor zehn Jahren die Formation "Stixx" aus der Taufe. Zwei Bandnamen, die an der Erft für Coversong-Qualität stehen. Dass Brandt überhaupt noch einmal zur Gitarre griff, hat er seinem Freund Hans-Peter Jung zu verdanken. "Der spielte Anfang der 70er Jahre die Songs von Neil Diamond nach – und das hat mich irgendwie beeindruckt", gibt er zu. Mit 21 versuchte er es noch einmal: "Statt eines Wintermantels habe ich mir eine Eko-Westerngitarre gekauft, das war kein Fehler." In seiner Freizeit klimperte er auf dem Sechssaiter herum, doch bühnenreif war das noch nicht.
Stixx
Gründungsjahr 2000.
Mitglieder Hans-Georg "Knuppi" Knuppertz (Drums), Arnold Küsters (Harp), Reiner Lange (Gitarre), Ernest Conrads (Keyboard), Wolfgang Brandt (Gitarre), Wilfried "Wimo" Moll (Bass), David Schmidt (Gitarre).
Nächster Auftritt Samstag, 20. März, Alte Feuerwache.
Wolfgang Brandt spielte lieber intensiv Fußball und gab an der Tischtennisplatte sein Bestes, er schaffte es bis in die Landesliga. Nebenbei war er friedensbewegt, demonstrierte gegen den Nato-Doppelbeschluss und saß für die Grünen im Stadtrat. Sein Berufsziel Gymnasiallehrer verwirklichte er nicht, dafür wurde er Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Seit 1988 leitet er das Grevenbroicher Archiv.
So richtig zur Musik zurück fand Brandt in der Kölner Sporthalle: "Die ,Dire Straits' gaben ein Riesenkonzert – ich war hin und weg", erklärt der heute 60-Jährige. Der Verwaltungsmann nahm eifrig Gitarrenstunden, übte auf Teufel komm' raus und scharte mit Energie Gleichgesinnte um sich. Der Rest ist ein Stück Grevenbroicher Rockgeschichte.
Seit zehn Jahren tourt Wolfgang Brandt mit seinen "Stixx" durch die Lande, brüllt sich die Seele aus dem Hals, haut in die Saiten seiner E-Gitarre und trifft hin und wieder auf Promis aus Jugendtagen. "Wir standen schon mit der Blues-Legende Eric Burdon auf der Bühne – und mit Wolfgang Niedecken von BAP habe ich in der ,Flönz' ein Kölsch getrunken", erzählt er nicht ganz ohne Stolz.
Ob er mit 60 zu alt für solche Dinge ist? "Ne", meint der Mann aus dem Stadtarchiv: "Ich glaube, dass mich die Musik jung gehalten hat – zumindest im Kopf", fügt er grinsend hinzu. Und das alte Idol Keith Richard macht ja auch noch Musik – mit 67 Jahren, und gar nicht mal so schlecht.
















