Grevenbroich: Giftspinne im Einmachglas

VON JULIA NAKÖTTER -
zuletzt aktualisiert: 07.08.2006 - 21:30

Grevenbroich (NGZ) Grevenbroich Er ist winzig, gerade mal Daumennagel groß, besitzt einen gelblich-braunen Kopf und acht Beine. Besonders gefährlich sind seine Klauen, denn der Dornfinger - die einzige auch für Menschen gefährliche Giftspinne Mitteleuropas - durchdringen leicht die Haut.

Hinter dickem Glas leben die Dornfinger derzeit im Schneckenhaus. Ein Exemplar der bissigen Giftspinne bestimmt jetzt ein Experte aus Münster. Foto: L. Berns

Die Beißwerkzeuge hinterlassen hässliche, dunkle unterlaufene, schmerzende Wunden. „Gottlob, das ist mir noch nicht passiert“, sagt Wilhelm Bauer. Auf der Wasseroberfläche seines Schwimmbeckens in Hoisten sind die Tiere seit Tagen in den Morgenstunden anzutreffen. „Gestern waren es acht, vor wenigen Tagen sogar zwölf Stück“, berichtet Bauer.

Mit einem Käscher fing er die Winzlinge ein, kontaktierte das Veterinäramt und suchte anschließend den Umweltexperten Norbert Wolf im Schneckenhaus auf. Der staunte nicht schlecht, als er die winzigen Tiere in einem Einmachglas krabbeln sah, „denn ursprünglich ist der Dornfinger im hohen, trockenen Mittelmeer-Gras zu finden und nicht neben einem Schwimmbecken.

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Leben im Kokon

Die Tiere spinnen aus Grashalmen eine unten offenen Gespinstglocke, in die die Weibchen auch die Eier ablegen. Dieser Kokon wird vom Dornfinger bewacht und verteidigt. Am Tag kann das Tier nur durch Zerreißen der Schutzhaube aus dem Nest getrieben werden. Der Gespinstsack wird einen halben Meter über dem Boden zwischen Gräsern angebracht.

Das ist untypisch“, erklärt Wolf. Die Spinnenart steht auf der Roten Liste und ist als solche nur durch ihr Nest, ein gesponnener Eikokon, zu erkennen - im letzten Jahrzehnt wanderte der Dornfinger stetig nach Norden. „Das warme Klima hat dies in den vergangenen Wochen noch gefördert“, vermutet der Umweltexperte. Bislang wurde die Giftspinne nördlich des Mains und nahe des Kaiserstuhl gesehen.

„In Österreich ist jetzt eine regelrechte Hysterie rund um den Dornfinger ausgebrochen“, weiß Wolf. Allein in der Notaufnahme des Linzer Krankenhauses meldeten sich 190 Personen mit vermeintlichen Spinnenbissen - nur acht von ihnen klagten über die typischen Symptome wie Schwindel, Brechreiz und Kreislaufbeschwerden.

Wie der Winzling nun in die Nähe des Schwimmbeckens von Wilhelm Bauer gelangte, ist noch unklar. „Und wo die Tiere leben. Ich habe schon alle Bäume und Büsche im Garten untersucht und keine Spinnen gefunden, vermutlich weil sie nachtaktiv sind“, sagt der Hoistener. Ob es sich tatsächlich um eine giftige Unterart des Dornfingers handelt, möchte Norbert Wolf nun von einem Experten klären lassen.

„Ich schicke die Spinnen nach Münster. Dort versucht Dr. Martin Kreuels, ein Experte auf diesem Gebiet, sie zu bestimmen.“ Schön anzusehen ist die bissige Giftspinne nicht, wie Wilhelm Bauer weiß: „Ich habe sie genau beobachtet. Der Hinterleib ähnelt dem vollgesogenen Leib einer Zecke und die Fänge haben eine sichelartige Spitze, die sich unter die Haut bohrt.“

In der Regel sind Hunde und Katzen die Leidtragenden, wenn sie im hohen Gras toben. Der Biss ist einem Wespenstich ähnlich. Menschen können unterschiedlich darauf reagieren. „Das kann bis zur Zerstörung des Gewebes, Amputationen von Fingern und einem Angriff des Giftes auf die Knochen gehen“, sagt Bauer, der sich in den vergangenen Tagen informiert hat.

Umweltexperte Norbert Wolf hofft nun, dem Hoistener bald wertvolle Tipps im Umgang mit den Winzlingen geben zu können. „Wir müssen auf den Fall der Fälle vorbereitet sein, denn Hoisten ist nicht weit von Grevenbroich entfernt. Wichtig ist, dass wir Betroffene beruhigen und über Verhaltensregeln aufklären können“, sagt der Umweltexperte. Einen Hinweis hat Norbert Wolf bereits: „Spaziergänger sollten lange Hosen und festes Schuhwerk tragen, wenn sie im hohen Gras unterwegs sind.“

Quelle: NGZ

 
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