Grevenbroich (NGZ). Orken (cs) „Ich habe das Gefühl, dass die hier die alten Mieter heraus haben wollen“, sagt Hans-Dieter Schmidt aufgebracht. Er bekam am Mittwoch Post vom Bauverein Grevenbroich zur „Ankündigung einer Modernisierungsmaßnahme“.
Die Häuserzeile Hans-Sachs-Straße Nummer 22 bis 26 soll ab Juni bis gegen Jahresende Zentralheizung, Wärmedämmung, neue Fenster bekommen, bestehende Balkone werden in die Wohnungen einbezogen, neue Balkone vorgebaut.
Seit 22 Jahren wohnt Schmidt mit seiner Familie dort, der 63-Jährige ist mit der 69-Quadratmeter-Wohnung zufrieden, doch er sagt: „Ich fühle mich überrumpelt. Früher war uns gesagt worden, dass wir während der Modernisierung hier wohnen bleiben können. In einer Mieterversammlung erfuhren wir jetzt, dass wir für die Zeit des Umbaus in andere Wohnungen ziehen sollen.“
Am Mittwoch kam die nächste Nachricht, die das Genossenschaftsmitglied trifft - über die Miethöhe nach der Modernisierung. Bislang zahlte die Familie 279,10 Euro an Grundnnutzungsgebühr, nach dem Umbau sollen es - für dann - 78,7 Quadratmeter 499,68 Euro sein, rund 220 Euro mehr. „Auch wenn wir durch die Sanierung Heizkosten sparen, würden wir mit Neben- und Heizkosten fast 700 Euro bezahlen. Das geht nicht, die Kosten würden über die Hälfte meiner Rente ausmachen“, so Schmidt.
Er fragte beim Bauverein nach anderen, preiswerten Wohnungen. „Uns wurden 54 Quadrameter für 480 Euro angeboten. Doch wir brauchen den bisherigen Raum, da eine Tochter bei uns wohnt und die zweite nach dem Studium wieder zu uns kommt“, schildert er seine Situation.
„Wir bemühen uns, für Genossenschaftsmitglieder, die die neuen Mieten nicht zahlen können, eine andere Wohnung zu finden, die ihren Möglichkeiten entspricht“, sagt Bauvereinsvorstand Bernd Schotten auf Anfrage der NGZ.
Ein Großteil der 1600 Wohnungen des Bauvereins stammt aus den 50er bis 70er Jahren, rund 80 Prozent sollen über die Jahre modernisiert werden - für insgesamt rund 35 Millionen Euro. 2007 wurden 47 Wohnungen erneuert, etwa Im Kamp in Allrath und am Elsbach.
„Grundsätzlich sagen wir, dass die Bewohner während des Umbaus dort wohnen bleiben können. Für die drei Häuser an der Hans-Sachs-Straße 22 bis 26 ist das aber nicht empfehlenswert, wäre menschenunwürdig.“ Die Arbeiten dort überstiegen den Aufwand anderenorts. Der Bauverein stellte unter anderem fest, „dass Wände und Decken nicht fest miteinander verbunden sind“, so Schotten. „Der Bauverein wird den Umzug und die Kosten übernehmen.“
Schotten betont zudem, dass der Bauverein nach der Modernisierung an der Hans-Sachs-Straße die Miete um 4,47 Euro je Quadratmetern anheben könnte, „doch das tun wir nicht. Wir begrenzen die Erhöhung auf 2,31 Euro je Quadratmeter. Damit liegen die Mieten weiter unter der ortsüblichen Vergleichsmiete.“
Und der Vorstand signalisiert Hilfsbereitschaft: „Wir haben bereits für andere Mitglieder, die die höhere Miete nicht zahlen wollten, andere Wohnungen gefunden. Uns ist an zufriedenen Mitgliedern gelegen.“
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