Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich An den Wänden des ehemaligen Computer-Geschäfts in der alten Molkerei sind die ersten Regalsysteme aufgebaut worden. Keine Holzkonstruktionen aus dem Baumarkt, sondern pfiffige Eigenentwürfe aus der Caritas-Schreinerei.
Der erste Eindruck, den der Betrachter erhält: Hier entsteht eine schicke Boutique. „Und das ist unsere Absicht“, erklärt Jürgen Maukel (47), Fachbereichsleiter des Wohlfahrtsverbandes: „Kunden und Mitarbeiter sollen sich wohl fühlen, in einer ansprechenden Umgebung.“
Die Caritas kopiert an der Bergheimer Straße ein Konzept, das sie 2005 erstmals in Neuss umsetzte: ein Kaufhaus für Ware aus zweiter Hand. Das Besondere: „Wir wollen damit weg vom miefigen Kleiderstuben-Image und hin zu einer freundlichen Atmosphäre.
Hier wird ein Laden eingerichtet, der sich auf den ersten Blick von normalen Geschäften kaum unterscheidet“, betont Maukel. Beim zweiten Hinsehen kommt jedoch die soziale Komponente zum Vorschein. Denn die Caritas wirkt an der Bergheimer Straße Hand in Hand mit der Arbeitsgemeinschaft (Arge) und bietet dort Langzeiterwerbslosen die Möglichkeit, wieder Anschluss an das Berufsleben zu knüpfen.
„Wir wollen im nächsten Monat mit etwa 20 Teilzeit-Mitarbeitern auf Basis der Ein-Euro-Jobs an den Start gehen“, erläutert Projektleiter Andreas Knickenberg (33). Ein Fachmann aus dem Einzelhandel - gesucht wird noch ein Filialleiter - wird die Jobber entsprechend schulen und sie mit den Arbeitsbedingungen in einem Kaufhaus vertraut machen - „also mit dem gesamten Ablauf von der Telefonzentrale über die Kundenberatung bis hin zur Kasse“, unterstreicht Knickenberg.
Vorzugsweise sollen alleinerziehende Mütter, Migranten und junge Leute eingestellt werden. In dem vom Ladenlokal abgetrennten Seminarräumen werden regelmäßige Schulungen angeboten - etwa ein Bewerbungstrainings oder ein Seminar unter dem Motto „Wie stelle ich mich beim Chef richtig vor?“
Nach dem Zeitplan des Caritasverbandes soll das Kaufhaus am 20. Mai eröffnet werden. Bis dahin gibt es an der Bergheimer Straße noch allerhand zu tun. Die Mitarbeiter der Schreinerei bringen zurzeit den rund 400 Quadratmeter großen, angemieteten Laden wieder auf Vordermann.
Umkleidekabinen werden gezimmert, Wände gestrichen und Fußböden gereinigt. „Riesen-Investitionen sind hier aber nicht nötig. Einerseits ist die Bausubstanz noch in Ordnung, andererseits wird mit eigenen Kräften renoviert“, erläutert Jürgen Maukel.
Das Caritas-Kaufhaus wird werktags sowie samstags geöffnet sein, angeboten wird vornehmlich „Second Hand-Kleidung“, die noch bestens in Schuss ist. Zudem sind Haushaltswaren und ausgesuchte Möbel aus der Schreinerei im Angebot. Um den Kunden den Aufenthalt so bequem wie möglich zu machen, ist im Foyer des Kaufhauses ein Stehcafé geplant, in dem auch gebrauchte Bücher verkauft werden.
„Um auf uns aufmerksam zu machen, werden wir künftig Preis-Aktionen fahren - etwa Sakkos für vier, Oberhemden für einen Euro verkaufen“, berichtet Andreas Knickenberg. Als Konkurrenz zum Einzelhandel in der Innenstadt sieht sich die Caritas jedoch nicht: „Unser vorrangiges Ziel ist es, Arbeitslose wieder ins Berufsleben zu führen - und natürlich gute Qualität für preisbewusste Leute anzubieten.“
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