Grevenbroich (NGZ). Erfolg nur mit einem guten Zeugnis? In der Regel ja, aber einige Grevenbroicher Chefs, etwa bei Wassenberg oder GFG, bilden die Ausnahme: Sie geben auch erfolglosen Schülern eine Chance, wenn sie sich in der Praxis bewähren.
Wer einen guten Job haben möchte, muss nicht unbedingt das Abitur in der Tasche haben. Das sagt Klaus Koralewski (51). Denn: "Mit einem guten Hauptschulabschluss kann man sehr viel erreichen", meint der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Der Neusser appelliert bei Schulbesuchen an die Siebt- und Achtklässler, möglichst gute Noten zu erzielen. "Denn vielen Jugendlichen ist gar nicht bewusst, welchen hohen Wert das Abschlusszeugnis besitzt", weiß Koralewski.
Doch es gibt sie noch – die Chefs in Grevenbroich, die auch weniger erfolgreichen Schülern eine Chance im Beruf geben. Beispiel: die Hairstylisten "GFG". Giuliano Gammuto war selbst alles andere als ein Musterschüler: Heute kreiert er Haartrends bei "Tigi" in London, arbeitet mit der internationalen Designerin Vivienne Westwood zusammen. Jetzt wollen die Gammuto-Brüder einen Arbeitsplatz für einen Hairstylisten auf ungewöhnliche Weise vergeben: Bewerber sollen sich über einen Wettbewerb für den Posten qualifizieren.
Praktikumsplätze
Vergabe Etwa über die Bundesagentur für Arbeit, Neuss, Marienstraße 3. Tel. 02131/9541116263.
Beispiele für Firmen "Wassenberg" vergibt nach persönlicher Vorstellung Praktikumsplätze; bei "GFG" wird jetzt ein Wettbewerb um die Stelle eines Hairstylisten ausgetragen.
Wichtiger als Noten sei die Persönlichkeit der Bewerber: "Wir verlangen Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Liebe zum Job", sagt Francesco Gammuto. Auch im GFG-Team gebe es Erfolgsstorys wie die von Jennifer (23), die vor drei Jahren als Junggesellin anfing und heute den "GFG"-Salon in Pulheim leitet.
"Für uns zählt der Mensch", betont auch Esther Schürmann, Prokuristin bei Wassenberg. Beim neuen Projekt, bei dem Schüler mit schlechten Noten ein Praktikum absolvieren können, hat sie gute Erfahrungen gesammelt: "Zwei Praktikanten werden bei uns ihre Ausbildung beginnen." Wichtiger als das Zeugnis sei "Charakterstärke, Arbeitsweise, Einsatzwille". Für gute Leistungen auf der Berufsschule könne zudem der Förderunterricht genutzt werden.
"Das Sozialverhalten der jungen Leute muss stimmen", sagt auch Klaus Koralewski. Wer 40 unentschuldigte Fehlstunden auf dem Zeugnis vorweise, habe schlechte Karten: "Auszubildende müssen pünktlich, fleißig und ehrgeizig sein – das zählt mehr als eine Drei oder Vier in Mathe." Er bricht eine Lanze für Hauptschüler: "Die jungen Leute meinen oft, dass sie chancenlos sind: Das ist Quatsch." Wer einen guten Abschluss erziele, könne auch die erforderlichen Prüfungen absolvieren – und dann stehe ihm die Welt im Handwerk offen. Laut Koralewski gebe es auch nach den Sommerferien noch Lehrstellen etwa im Kraftfahrzeug-, Elektro- und Tischlergewerbe.
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