Grevenbroich (NGZ). Gindorf Die Zahl ist alarmierend: Seit Dezember wurde in Gindorf bereits 40 Mal der zulässige Tagesmittelwert für Feinstaub überschritten.
Als maßgeblicher Verursacher wird vom Landesumweltamt der in der Nähe liegende Kohlebunker des Tagebaus Garzweiler genannt. Damit wird es Zeit für einen Aktionsplan.
Bei der Bezirksregierung Düsseldorf wurde jetzt eine Projektgruppe gegründet, die sich mit Sofortmaßnahmen beschäftigen wird.
Ihr Ziel: Bis Mitte Oktober sollen konkrete Projekte erarbeitet werden, um den Feinstaub einzudämmen.
Dass dieser Aktionsplan so schnell wie möglich kommen muss, machte Dienstagabend Dr. Alexander Schink, Staatssekretär im NRW-Umweltministerium, deutlich.
„Mit der Feinstaubbelastung hängt europaweit eine nicht unerhebliche Mortalitätsrate zusammen. Dieses Problem dürfen wir keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen.“
Bei einem Vor-Ort-Termin an der Messstation an der St.-Leonhard-Straße unterstrich er, dass bei 40 Grenzwert-Überschreitungen gehandelt werden müsse.
Schließlich nehme Gindorf auf der „Hitliste“ des Landesumweltamtes mittlerweile den sechsten Platz von über 50 Messorten in Nordrhein-Westfalen ein.
„Wir müssen jetzt gemeinsam mit RWE Power überlegen, wie diese hohe Zahl von Überschreitungstagen kurzfristig minimiert werden kann.
Die Ursachen für Lungenkrankheiten müssen beseitigt werden“, so Alexander Schink.
Nach Meinung des Staatssekretärs sollte die Station auch über den Aktionsplan hinaus in Gindorf verbleiben: „Ich halte weitere Messungen für notwendig“, erklärte er auf Anfrage der NGZ.
Der Aktionsplan kann zunächst nur Minderungsmaßnahmen im Bereich des Tagebaus enthalten. Weitere mögliche, noch herauszufindende Quellen werden daher erst in einen Luftreinhalteplan Eingang finden.
Derzeit konzentrieren sich die Ermittlungen des Landesumweltamtes auf die Landwirtschaft, erklärte der Staatssekretär. Auch aus dieser Richtung könne eine erhebliche Hintergrundbelastung kommen.
Die Ackerflächen im Umfeld würden intensiv genutzt, vor allem während der Erntezeit entstehe auf den Feldern viel Staub.
Im Haus Hartmann hatte Dr. Alexander Schink nach dem Vor-Ort-Termin die Gelegenheit, die Feinstaub-Problematik mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik zu diskutieren.
Mit am Tisch: der Landtagsabgeordnete Karl Kress (CDU). Er zeigte sich „froh darüber, dass der Staatssekretär den Staub zur Chefsache erklärt hat“, es gelte nun, gemeinsam das Problem an seiner Quelle zu beseitigen.
Kress richtete in diesem Zusammenhang den Blick auf den Tagebau Hambach.
Dort habe ein Aktionsplan zu 100 Einzelprojekten von RWE Power geführt, mit denen die Belastung minimiert worden sei. „Der Dialog zwischen Politik und Unternehmen findet statt“, unterstrich Kress.
Dass der Staatssekretär seiner Einladung umgehend gefolgt war, ist für Bürgermeister Axel Prümm ein Zeichen dafür, „dass unsere Probleme ernst genommen werden“.
Grevenbroich nenne sich zwar Bundeshauptstadt der Energie und stehe auch hinter diesem Titel: „Das hält uns aber nicht davon ab, solche Probleme aufzugreifen und sie konstruktiv zu lösen.“
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