Seit Anfang des Jahres dürfen die Schüler im Erasmus-Gymnasium während des Chemie-Unterrichts keine Versuche mehr machen. Der Gemeindeunfallversicherungsverband hat den Experimenten einen Riegel vorgeschoben.
Der Grund: Erhebliche Sicherheitsmängel. Die Räume sind zu klein, Notausgänge und ein Nottelefon fehlen, die Abzüge funktionieren nicht richtig. Die Mitglieder des Schulausschusses sprachen sich deshalb einstimmig dafür aus, für knapp 500.000 Mark einen neuen Chemie-Trakt am Gymnasium einzurichten. "Es ist bereits fünf nach zwölf, deshalb müssen wir handeln", sagte die Vorsitzende des Schulausschusses, Irmintrud Berger. "Diese Entscheidung war bitter notwendig", kommentiert auch Schulleiter Eberhard Schierschke. "Zurzeit erteilen wir im Fach Chemie reinen Demonstrationsunterricht. Wenn sich das nicht zum Beginn des nächsten Schuljahres ändert, müssen wir den Offenbarungseid leisten und sagen: Am Erasmus-Gymnasium kann kein Chemie-Unterricht mehr stattfinden. Und das kann sich die Stadt als Schulträger nicht leisten."
Der Entschluss für die Einrichtung eines neuen Chemietraktes hat eine längere Vorgeschichte. Bereits Ende 1998 fand ein Ortstermin im Erasmus-Gymnasiums statt, bei dem die Schulleitung der Verwaltung die problematische Situation in den Chemie-Räumen erklärte. Für den Umzug der Räume von der dritten Etage in das erste Geschoss des Erweiterungsgebäudes scheiterte jedoch an den Finanzen: Eine erste Kostenschätzung lag bei 607.000 Mark, die die Stadt nicht aufbringen konnte. Im September des vergangenen Jahres schlug dann die Elternschaft Alarm. Anschließend besichtigte der Gemeindeunfallversicherungsverband die Räume und machte Nägel mit Köpfen: Ein weiteres Experimentieren mit Gefahrstoffen im Vorbereitungsraum, im Übungsraum und im Hörsaal wurden verboten.
"Wir können schließlich nicht verantworten, dass Unfälle passieren, bei denen Schüler verletzt oder vergiftet werden", so Schierschke. In einem zweiten Gutachten hat ein unabhängiges Ingenieurbüro jetzt ermittelt, dass ein Umzug der Räume auch für knapp 500.000 Mark machbar wäre. Dieses Geld will der Schulausschuss jetzt zur Verfügung stellen - aus dem eine-Million-Mark-Topf, der durch Grundstücksverkäufe gefüllt werden soll. Der Haken an der Sache: Ursprünglich sollten nur 450.000 Mark dieser Summe für die Gymnasien zur Verfügung stehen, 550.000 Mark sollten die Hauptschulen erhalten.
"Ich sehe, dass die Verlagerung der Chemieräume notwendig ist", sagte Hans Bohnen, Leiter der Katholischen Hauptschule. "Aber als Vertreter der Hauptschulen bin ich traurig, dass Geld abgezwackt wird, das eigentlich in die Sanierung unserer Schulgebäude gesteckt werden sollte. Wir können jede Mark gebrauchen, deshalb wäre es gut, wenn innerhalb der Verwaltung in anderen Töpfen gerührt wird, um weitere Finanzmittel locker zu machen." Schuldezernent Klaus-Dieter Rostock wollte Bohnen jedoch keine großen Hoffnungen machen. "Es gibt im Rathaus keine anderen Geldtöpfe", betonte er. "Wir sind froh, wenn wir dieses Geld irgendwie zusammenbekommen können." PeS
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