Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Es ist die Aufarbeitung eines schrecklichen Geschehens: Anfang Dezember war in einem Keller in Wevelinghoven auf der Zehntstraße die 15-jährige Valerie erstochen worden. Ihr damaliger Freund Christoph T. muss sich seit Dienstag vor dem Mönchengladbacher Landgericht verantworten. Zu Prozessbeginn hat er ein Geständnis abgelegt. Nach anfänglichem Zögern räumte er ein, das Mädchen ermordet zu haben.
Am Dienstag Morgen, 8.50 Uhr: Durch den Nieselregen gehen die Eltern von Valerie, ihr Bruder und Anwalt Axel Voos zum Hintereingang des Mönchengladbacher Landgerichts. Sie wollen verhindern, dass sie sich vor dem Gerichtsgebäude an einem Dutzend Fernsehkameras und Fotografen vorbeidrängen müssen. Derweil stehen dutzende Menschen dicht gedrängt vor dem Haupteingang.
Obwohl die Öffentlichkeit beim Prozess gegen den erst 15 Jahre alten Jugendlichen ausgeschlossen ist, sind sie zum Auftakt des Verfahrens in Mönchengladbach angereist. Die Eltern werden schließlich von einem Wachtmeister in den Verhandlungssaal gebracht, dann schließt sich hinter ihnen die Tür.
„Für sie ist es ein ganz schwerer Tag“, sagt ihr Anwalt Axel Voos, „sie sind nach wie vor traumatisiert und in ärztlicher Behandlung. Das Wiedersehen mit dem Mörder ihrer Tochter wird ein Schock werden.“ Nach Beginn der Verhandlung versuchen Valeries Eltern nach Angaben ihres Anwalts Blickkontakt zu Christoph T. aufzunehmen. „Er hat immer weggeschaut“, so Voos, „es ist zu keinerlei Kontakt gekommen.“ Nach der Verlesung der Anklage fragt der Richter den Hauptschüler, ob er sich zu den Vorwürfen äußern will. Nach anfänglichem Zögern erklärt er schließlich, dass alles, was er bei der Polizei gesagt habe, richtig sei.
„Da hab ich alles auf den Tisch gelegt“, sagt Christoph T. und bestätigt damit die Vorwürfe aus der Anklage. Demnach war es so, dass er Valerie zunächst die Augen verbunden und sie dann heimtückisch er-stochen hat. Von der zuletzt verbreiteten Aussage, das Mädchen habe sich selbst das Messer in den Bauch gerammt, ist keine Rede mehr. „Gerade diese ständig wechselnden Aussagen haben den Eltern schwer zu schaffen gemacht“, sagt Anwalt Axel Voos, „die Version, wonach sich Valerie selbst verletzt haben soll, war quasi das Tüpfelchen auf dem ,i’.“ Das Motiv war offenbar Eifersucht. Das Mädchen hatte sich von dem 15-Jjährigen trennen wollen.
Verteidiger Lutz Bartsch ist derweil froh, dass sich sein Mandant zu einem Geständnis durchgerungen hat. „Das ist der einzig richtige Weg“, so Bartsch, „alle anderen Varianten, die er von sich gegeben hat, sind eine Folge von Gesprächen im Gefängnis. Hier haben andere Mitgefangene vermutlich versucht, ihm Tipps zu geben.“ Der Anwalt will im Prozess verdeutlichen, dass Computer-Ballerspiele die Tat zumindest begünstigt haben.
„Er hat täglich bis zu 13 Stunden vor dem Rechner gesessen und diese Spiele gespielt“, so Bartsch, „mich graust es, wenn ich daran denke, wie viele Jugendliche sich mit so etwas in ihrer Freizeit befassen.“ An einem der kommenden Verhandlungstage sollen Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage sich einen Eindruck von diesen Spielen verschaffen. Ob sie tatsächlich einen Einfluss auf das Handeln von Christoph T. hatten, soll ein psychiatrischer Sachverständiger im Prozess sagen. Er wird zur Frage der „Schuldfähigkeit“ Stellung beziehen. Sollte der Jugendliche als „eingeschränkt schuldfähig“ eingestuft werden, könnte das Urteil gegen ihn erheblich milder ausfallen.
Am morgigen Donnerstag soll das Verfahren nun mit den ersten Zeugen fortgesetzt werden. Dann ist unter anderem die Vernehmung von Ärzten und Rettungssanitätern geplant, die Valerie mit schwersten Verletzungen aufgefunden hatten, ihr aber nicht mehr helfen konnten. Mitte August soll der Prozess zu Ende gehen.
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