70-Millionen-Euro-Programm (NGZO). Bis 2045 soll die Erft renaturiert werden – ein 70-Millionen-Euro-Programm. Eines der ersten Projekte startet nun – später als geplant – an der Frimmersdorfer Höhe. Der Fluss verliert sein steinernes Korsett.
Frimmersdorf Was Fische von der Erft als Lebensraum halten, ist unbekannt. Für Dr. Ulrich Kern vom Erftverband in Bergheim aber steht fest: "Die Erft ist an der Frimmersdorfer Höhe eine Wasser-Autobahn. Da fehlen Stillwasserzonen, Kiesbänke als Laichorte, Beschattung – alles das, was für Fische und Kleinlebewesen lebenswert ist", sagt der Abteilungsleiter für die Flussgebietsbewirtschaftung. "Das Gewässer wird dort seit Jahrzehnten vom Bergbau beeinflusst, die Erft wurde mehrere Male verlegt." Die Folge: "Der Fluss ist dort gerade und gleichförmig mit Steinen in der Böschung ausgebaut, fließt in einem steinernen Korsett."
Erftverband
Der Erftverband ist ein wasserwirtschaftliches Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Bergheim. Sein Gesamtgebiet umfasst 4216 Quadratkilometer mit rund 2,7 Millionen Einwohnern. Der Verband wird getragen von 260 Mitgliedern aus Kommunen, Elektrizitätswirtschaft, Gewerbe, Industrie, Wasserversorgung, Fischerei, Landwirtschaft und Bergbau.
Das soll sich nun ändern – die Erft wird entlang der Frimmersdorfer Höhe auf zwei Kilometern Länge "entfesselt". Das ist Teil eines auf Jahrzehnte angelegten Mammut-Programms: Bis zum Jahr 2045 soll die Erft von Bergheim bis zur Mündung in Neuss ein naturnahes Bett erhalten. Vor einem Jahr hatten Vertreter des Landes, Erftverbandes und von RWE Power eine Rahmenvereinbarung für den Erftumbau unterzeichnet. NRW trägt danach 52,5 Millionen Euro der Kosten, der Verband 9,5 Millionen und der Energiekonzern acht Millionen. "RWE wird darüber hinaus Begleitmaßnahmen für rund fünf Millionen Euro finanzieren", erklärt Dr. Ulrich Kern.
Bei Hombroich startete die Renaturierung bereits 2008, entlang der Frimmersdorfer Höhe jedoch gab es Verzögerungen: Der Grundstückserwerb zog sich länger hin als geplant. 20 Hektar Fläche stehen nun östlich der Erft für die Umgestaltung zur Verfügung.
Nun kann es auch in Grevenbroich losgehen: Ab der zweiten Dezember-Woche verliert die Erft ihr steinernes Korsett. "Ein so genannter Schreitbagger – ein Bagger auf Stelzen – wird die ,Kaventsmänner' aus der Böschung in den Fluss ziehen", erläutert Dr. Kern. "Wegen des feinsandigen, erosionslabilen Materials im Fluss testen wir das Verfahren zunächst auf 300 Metern Länge." Der Erftverband erwartet, dass sich die Erft aus ihrem heutigen Bett ein Stück nach Osten "vorfrisst", den Sand wegspült.
Der östliche Uferweg wird deshalb aufgegeben: "Wir haben mit den Städten Grevenbroich und Bedburg ein Wegekonzept vereinbart", damit Fußgänger und Radfahrer weiter dort Ausflüge unternehmen können. "Wir beobachten die Entwicklung des Flusses und prüfen weitere Maßnahmen, ob wir etwa Totholz einbringen oder ob wir Buhnen anlegen, um den Strömungsdruck zu beeinflussen", so Dr. Kern weiter.
Rund 40 000 Euro kostet die Neugestaltung des Test-Abschnitts, das Land beteiligt sich daran mit 80 Prozent. Danach soll die Erft auf weiteren 1700 Metern Länge umgestaltet werden und einen besseren Lebensraum für viele Fische wie Nase und Döbel sowie für Kleinkrebse bieten.
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