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Grevenbroich: Die Kartoffel-Krise

VON JENS KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 18.08.2006 - 21:40

Grevenbroich (NGZ). Wevelinghoven Und es kommt doch auf die Größe an! Zumindest bei den Kartoffeln, die in die industrielle Fertigung gehen. Das spüren jetzt insbesondere diejenigen Landwirte, die vertraglich geregelte Kontingente an die Chips- und Pommes-Industrie liefern müssen, aufgrund der Rekordhitze allerdings nur Mini-Erdäpfel aus dem Boden holen.

Info

Das Funny-Frisch-Werk

Mitarbeiter 250 Verarbeitung 40 000 Tonnen Kartoffeln pro Jahr

Herstellung 300 000 Tüten Chips und salzige Snacks pro Tag

Flaggschiff Chipsfrisch ungarisch

Andere Produkte Chipsfrisch Oriental, Flippies, Riffles, Chipsfrisch delight, Ofenchips

Betroffen sind auch viele Landwirte aus Grevenbroich und der Region, die an das Funny-Frisch-Werk in Wevelinghoven Kartoffeln in Mindestgröße abliefern müssen. So wie Heiner Müller, der den Sinsteder Hof in Rommerskirchen betreibt.

„Die Kartoffeln sind um 20 Prozent kleiner als normal“, stöhnt der Landwirt. Derzeit, glaubt Müller, entsprächen gerade einmal 50 Prozent seiner Kartoffeln den Mindestanforderungen. Diese Anforderungen sind in eine Norm gegossen.

Durch ein viereckiges, 35 mal 35 Millimeter große Maßloch dürfen die Kartoffeln nicht fallen, erklärt der Landwirt. Sonst sind sie zu klein für die Chipsproduktion. Kartöffelchen-Snacks wird es nämlich nicht geben. Pommeskartoffeln müssen sogar mindestens ein Maß von vier mal vier Zentimetern erfüllen.

„Im Moment erreichen gerade mal unsere großen Knollen dieses Mindestmaß“, seufzt Müller, der an Funny-Frisch ebenso liefert wie an die Pommes-Produzenten McCain und Aviko. Nur 30 Tonnen - Müller: „Normal sind 50 oder 60 Tonnen“ - seien im Moment als Ernte-Ertrag zu erwarten.

Da das Wachstum der Kartoffeln im knochenharten Boden komplett angehalten wurde, würde jetzt ein Schub durch besseres Wetter auch nur bedingt weiterhelfen. „Die Knollen bilden neue Knollen“, erklärt Müller, der befürchtet in diesem Jahr seine Kosten nicht decken zu können. Immerhin weist er auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Kartoffelverwertern hin.

Die verpflichten ihn nämlich nicht, Kartoffeln zu horrenden Preisen auf der Warenterminbörse zuzukaufen.

Ähnliche Erfahrungen hat der Kaarster Landwirt Franz-Josef Küppers gemacht, der ebenfalls zum erlauchten Kreis der Erzeugergemeinschaft gehört, die exklusiv das Funny-Frisch-Werk in Wevelinghoven versorgt. Rund 20 Bauern seien es, die das Unternehmen belieferten, erklärt der Kaarster, dessen „Vater schon mit Funny-Frisch zusammengearbeitet“ hat.

Küppers fürchtet darüber hinaus, dass seine Kartoffeln den geforderten Stärkegehalt nicht erfüllen könnten. „Backfähig sind Kartoffeln erst bei einem Stärkegehalt von 15 Prozent“, sagt er. Und auch der Chips-Hersteller Funny-Frisch spürt die Kartoffel-Knappheit. „Die Versorgung ist schon dramatisch“, sagt Harald Stoffels, Sprecher der Funny-Frisch-Mutter Intersnack.

Aufgrund der Hitze seien die Erträge um 25 bis 30 Prozent geringer als normal. Der Chips-Hersteller werde den ohnehin gebeutelten Landwirten indes bei der Sortierung der Erdäpfel helfen, erklärte Stoffels, der einen Anstieg der Chips-Preise nicht kategorisch ausschließen wollte: „Das beeinflusst natürlich unsere Kosten“, sagte der Sprecher: „Da muss man mal gucken“.

Doch man könne dem Verbraucher natürlich nicht über Nacht die Preise erhöhen. Außerdem: Im kommenden Jahr könne die Ernte schon wieder besser ausfallen.

Auch muss sich niemand darum sorgen, dass künftig der gemütliche DVD-Abend ins Wasser fällt. Nachschub gibt es im Notfall beim Großhändler. Stoffels: „Die Menge der Chips bleibt die gleiche, wir haben genug für die Produktion.“

Quelle: NGZ


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