Grevenbroich (NGZ). Neurath Eine halbe Stunde dauert der mühselige Aufstieg. Einen Fuß vor den anderen setzt Jörg Mertens auf die Gitterstäbe, wenn gegen 5.30 Uhr seine Schicht beginnt - auf dem höchsten Arbeitsplatz in Grevenbroich. „Die Aussicht ist sagenhaft“, schwärmt der Kranfahrer in seiner engen Kabine.
Treppentürme stehen sicher auf einem Betonsockel
Ganze drei Tage und Nächste arbeiten die Betonspezialisten am Fundament eines einzelnen Treppenturms. Rund 11 000 Kubikmeter Beton und 2200 Eisenträger kommen dabei zum Einsatz. Die Fläche des Sockels ist 2000 Quadratmeter groß. In den kommenden drei Wochen wachsen die beiden Treppentürme noch bis auf 180 Meter an. Die Hakenhöhe des Krans mit der Nummer 71 beträgt dann stolze 199 Meter. Die Fundamente für die gigantischen Treppentürme des Zwillingsblocks werden voraussichtlich Ende August gegossen. Später erinnert nichts mehr an die Beton-Häuser des BoA-Blocks. Sie werden mit Aluminium verkleidet.
166 Meter hoch über dem sandigen Boden der BoA-Baustelle neben dem Kraftwerk Neurath - fast in Augenhöhe mit dem Haken von Kran 71 - lenkt Mertens den Ausleger sanft per Joystick in Richtung Köln. „Wenn’s klappt, kann ich sogar in den Dom reinschauen, und sehen welche Messe der Domprobst heute liest“, erklärt der gebürtige Neusser mit einem Augenzwinkern. „Ich habe leider nur selten Zeit diesen Blick zu genießen, aber es gibt solche Glücksmomente“, sagt Mertens.
Wenn sich der Frühnebel um die Kabine des höchsten Krans der BoA-Baustelle verzieht, werden die Dimensionen der Anlage auch für den 42-Jährigen sichtbar. Nur wenige Meter unterhalb seines Sitzes arbeiten rund 40 Betonspezialisten der Firm Strabag auf einer Brücke, die derzeit beide Treppentürme verbindet.„Nördlich des einen Turms wird das Kesselhaus hochgezogen, südlich des anderen Treppenhauses wird das Maschinenhaus gebaut“, erklärt Bauleiter Peter Marx.
Täglich fährt er per Korb in luftige Höhen. An seiner Seite in 127 Meter Höhe steht Idris Altikardes. „Auf der Brücke sind die Toilettenhäuschen für die Arbeiter untergebracht. Dort verlaufen auch die Wasserleitungen und die Rohre, um den Beton zu verteilen“, sagt der Polier. Vierzig Meter pro Sekunde schießt der Korb in Richtung Turmspitze. Per Funk verständigt sich Kranfahrer Jörg Mertens mit den Bauarbeitern.
„Bevor die Schicht losgeht, schaue ich mit am Boden genau hin, wer von den Männern welche Jacke trägt, damit ich sie später oben identifizieren kann“, verrät der 42-Jährige seine Tricks. „Oft muss ich blind die Verschalung in die richtige Position manövrieren - und dann bin ich auf ihre Hilfe angewiesen.“
In seinem Rucksack transportiert Jörg Mertens alles, was ein Kranfahrer in 166 Meter so braucht. „Und wenn das Essen mal ausgeht, legen die Jungs mir ein Brötchen auf den unteren Ausleger - und ich zieh es einfach hoch. Sogar Eis haben sie mir auf diese Weise schon geschickt, als es so heiß war“, erzählt der gebürtige Neusser.
Auch seinen Handstaubsauger oder einen kleinen Digital-Fernseher möchte der 42-Jährige hoch über den Neurather Kraftwerkswolken nicht missen. „Angst habe ich keine, auch wenn die Kabine bei Wind wackelt. Sind es mehr als 55 Stundenkilometer, muss ich eh raus“, so Jörg Mertens, der vor sieben Jahren bereits einen ähnlichen Kran beim Bau des BoA-Blocks in Niederaußem steuerte. „Die Arbeit ist ein Traum. Als ich davon hörte, hab’ ich nur gefragt, wie hoch der Kran ist - und hab’ dann zugesagt.“
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