Grevenbroich (NGZ). Wevelinghoven Namib, die älteste Wüste der Welt. Sand, soweit das Auge reicht - und Temperaturen jenseits von 50 Grad. Mittendrin: Dagmar Dederichs (31) und Oliver Prelle (39). Die beiden Motorradfahrer aus Wevelinghoven sind in einer gefährlichen Situation. Denn ausgerechnet im heißesten Landstrich Westafrikas hat sich Dederichs einen Nagel in den Reifen gefahren.
„Wohl den einzigen, der in der Wüste lag“, scherzt sie heute. Damals aber war ihr kaum zum Lachen zumute: Kein Flickzeug an Bord, der Rucksack mit den Wasservorräten leer und kilometerweit von der Zivilisation entfernt. „Da kommt man ins Grübeln“, meint die Sozialwissenschaftlerin. Glück für die beiden: Nach langem Warten kommt ein Jeep vorbei - die Rettung.
Nicht immer lebensgefährlich, aber stets extrem sind die Urlaube der beiden Motorradfreunde aus Wevelinghoven, die mit Pauschal-Tourismus nichts am Helm haben. Mit ihren Cross-Kisten - sie fährt eine Honda NX 250, er eine Yamaha XT 600 - erkunden sie die Welt, abseits von asphaltierten Straßen. Mal geht es durch heiße afrikanische Wüsten, mal durch eisige Gefilde - wie bei der jüngsten Tour, die quer durch Island führte. Seit anderthalb Jahren bereiten sich Dagmar Dederichs und Oliver Prelle nun auf ihren bisher größten Trip vor: 20 000 Kilometer durch Südamerika, im nächsten Monat geht’s los.
Reisebericht
Dagmar Dederichs und Oliver Prelle werden für die NGZ-Leser ab November in unregelmäßigen Abständen über ihre Extrem-Tour berichten. Gleichzeitig werden auch Fotos von der Reise auf ihrer Homepage zu sehen sein.
Die Reiseroute klingt spektakulär: „In Buenos Aires werden wir unsere Motorräder abholen, die demnächst in Hamburg verschifft werden. Dann geht es quer durch Argentinien bis nach Feuerland“, berichtet Oliver Prelle. Beide hoffen, bis zum 24. Dezember die südlichste Stadt der Welt, Ushuaia, erreicht zu haben, um dort Weihnachten und das Neujahrsfest zu verbringen.
Danach geht es zurück über die legendäre Route 40 auf bis zu 5000 Meter hohe Passstraßen über die chilenischen Anden und durch die Atacama-Wüste nach Buenos Aires. „Wenn wir Zeit haben, werden wir vielleicht noch einen Abstecher nach Bolivien oder Paraguay unternehmen“, meint die abenteuerlustige Dagmar Dederichs. Beide werden sich für diesen Trip eine Auszeit nehmen - der bei Ford in Köln beschäftigte Oliver Prelle hat gleich auf einen Schlag seinen Urlaub von zwei Jahren genommen. Schließlich haben die Wevelinghovener vier Monate für ihre Reise eingeplant.
Gut vorbereitet sind sie. Spanisch-Kurse wurden absolviert, die Landkarte auswendig gelernt, die Motorräder für die Extrem-Tour aufgerüstet - vor allem mit größeren Tanks und Scheinwerfer-Gittern für den auf den Schotterpisten zu erwartenden Steinschlag. Eines darf nicht fehlen: „Ein Rucksack mit Medikamenten und klinischem Material“, sagt Dagmar Dederichs.
Und sie weiß, wovon sie spricht. Denn als sich die 31-Jährige bei einer ihrer Extrem-Touren eine schmerzhafte Sehnenscheidentzündung zuzog und das Material zum Stabilisieren des Handgelenks fehlte, musste improvisiert werden. „Oliver schiente das Ganze mit einer durchgeschnittenen Pringles-Chipsdose. Er ist halt Techniker“, meint die Bikerin. Und geholfen hat’s auch.
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