Grevenbroich (NGZ). Gevenbroich (wilp/cs/worei) Auf Europas größter Baustelle war schon am Donnerstag Mittag Feierabend. Aus Sicherheitsgründen ließ RWE Power das gesamte BoA-Gelände in Neurath räumen, 400 Mitarbeiter konnten nach Hause gehen. Denn wegen des Orkantiefs „Kyrill“ bestand Verletzungsgefahr durch herumfliegende Teile.
Vorher wurden die Arretierungen der Kräne gelöst: „Damit sie nicht umknicken, sondern lediglich wie eine Fahne im Wind wehen“, erklärte Unternehmenssprecher Manfred Lang.
Gespenstige Szenen in der Innenstadt. Werbeschilder flogen durch die Fußgängerzone, Blumenkübel kippten um, Dachpfannen fielen auf den Gehweg. „Kyrill“ wütete auch im Einkaufsparadies. Nur wenige Besucher trauten sich in die City, auf den sonst nur schwer zu bekommenden Parkplätzen an der Erft herrschte freie Auswahl.
„Ich schätze, dass heute Nachmittag nur die Hälfte der sonst üblichen Zahl von Kunden kam“, meinte Angelika Vosen, Filialleiterin bei Kodi. Das konnte auch Yvonne Zieghner vom Juweliergeschäft Leven bestätigen: „Es war nur wenig los. Ein Paar kam aber extra wegen des Sturms, weil die Stadt dann leer sei.“ Nicht wenige Geschäfte zogen die Konsequenzen und schlossen ihre Türen bereits früher. In manchen Läden war schon vor 18 Uhr alles dunkel.
Wer nicht unbedingt raus musste, blieb zu Hause. Das galt nicht für die Feuerwehr, sie war im Dauereinsatz - und das in großer Besetzung. „Gut 110 Leute sind derzeit unterwegs“, erklärte Stadtbrandmeister Peter Schlangen am Abend. Sein erstes Resümee: „Etwa 60 Einsätze - aber nichts Spektakuläres. Das übliche halt: lose Dachziegel, entwurzelte Bäume und herumfliegende Verkleidungen. Jetzt müssen wir abwarten, was die Nacht bringen wird. Zum Glück wurde bisher noch niemand verletzt.“
Während die Grevenbroicher Einsatzkräfte einen Baum kappten, der auf den Parkplatz des „Landgasthauses Fürth“ und das daneben stehende Haus zu stürzen drohte, waren ihre Jüchener Kollegen auf der Autobahn 540 im Einsatz. Dort wurde ein polnischer Lastwagen mitsamt Anhänger von einer Orkanböe erfasst und kippte um. „Das Gespann lag quer auf der Fahrbahn“, erklärte der Jüchener Feuerwehrchef Hubert Bierewirtz.
Der Laster hatte weiche Ledersofas geladen. Und damit kam viel Arbeit auf die Feuerwehrleute zu: „Wir mussten zunächst die Plane vom Anhänger abtrennen, sonst hätte der Sturm ihn gleich wieder umgeweht“, schilderte Bierewirtz. Nachdem die Ladung abgeräumt war, wurden die Fahrzeuge mit der Seilwinde des Rüstwagens wieder aufgerichtet.
„Wir konnten kaum auf der Autobahn stehen, da dort freies Gelände ist. Der Sturm hat uns fast umgeweht“, meint Hubert Bierewirtz. Die Sofas mussten umgeladen, Bindemittel von der Fahrbahn gekehrt werden. „Der Tank des Lastwagens war ausgelaufen, ins Erdreich ist aber nichts gesickert“, resümierte der Feuerwehrchef. Die Autobahn 540 in Fahrtrichtung Grevenbroich blieb wegen der Aufräumarbeiten bis in die Abendstunden gesperrt.
Schon am frühen Donnerstag Morgen herrschte im Schulamt Hochbetrieb: Wegen des Unwetters war nach der vierten Stunde Schulschluss angesagt. „Alle haben ihre Arbeit zur Seite gelegt und sich zuerst um die Kinder gekümmert, die auf den Schülerspezialverkehr oder auf die öffentliche Linie angewiesen sind“, erklärte Dezernent Michael Heesch. Es gelang, die Busse kamen früher. „Dennoch war ab 11.30 Uhr auf der Straße der Teufel los, weil viele Eltern ihre Kinder mit Privatwagen abgeholt haben“, beobachtete Hildegard Bösel, Sekretärin der Diedrich-Uhlhorn-Realschule in Wevelinghoven.
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