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Grevenbroich: Gestank: Herkunft unbekannt

VON MARGARETHE PLUTA - zuletzt aktualisiert: 22.07.2008 - 21:30

Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Weht der Wind von Westen, schließt Tanja Aretz in ihrem Haus in Barrenstein alle Fenster, setzt ihre dreijährige Tochter ins Auto und fährt zu ihrer Schwiegermutter nach Neuss. Der Grund: Bei westlichen Wind ziehen unangenehme Gerüche aus dem Industriegebiet Ost in die kleine Ortschaft. Gerüche, die laut Tanja Aretz „über alle Maße chemisch stinken“.

Die Firma Erftcarbon baut eine neue Anlage zur thermischen Nachverbrennung von Abgasen zur Verbesserung der Emissions- und Immissionssituation. 
H. Jazyk Foto: H. Jazyk
Die Firma Erftcarbon baut eine neue Anlage zur thermischen Nachverbrennung von Abgasen zur Verbesserung der Emissions- und Immissionssituation. H. Jazyk Foto: H. Jazyk

Und weil die junge Mutter Angst um die Gesundheit ihre Tochter hat, flüchtet sie regelmäßig nach Neuss. Nicht jedoch, ohne vorher den Gestank zu melden. „Ich telefoniere alle möglichen Behörden ab, angefangen beim Ordnungsamt, Untere Immissionsschutzbehörde, Feuerwehr - aber niemand kann mir sagen, was in der Luft liegt, woher es kommt und ob es gesundheitsschädlich ist“, meint die 35-Jährige.

In diesem Punkt ist der Südstädter Claus Schäfer weiter. Auch er klagt regelmäßig über Geruchsbelästigung - und zwar bei Ostwind. Dann wird nämlich der Gestank, den Schäfer als eine Mischung aus Schwefel und Öl beschreibt, aus dem Industriegebiet Ost zu ihm geweht. „Seit 25 Jahren ist das so, seit dieser Zeit kämpfe ich dagegen an“, sagt der 43-Jährige.

Info

Beschwerdetelefon

Beschwerden über Geruchsbelästigung nimmt tagsüber das Dezernat zur Überwachung der Immissionen bei der Bezirksregierung unter Telefon 02 11 / 84 43 44 entgegen. Außerhalb der Sprechstunde ist die Nachrichten- und Beschwerdezentrale unter 02 01 / 71 44 88 zuständig.

Und das nicht ohne Erfolg: Im vergangenen Jahr hat das staatliche Umweltamt auf die zahlreichen Beschwerden des Südstädters reagiert und die Vermutungen von Claus Schäfer, dass es sich bei zumindest einem der Verursacher um die Firma Erftcarbon handeln könne, nicht ausdrücklich verneint. „Die Art der von Ihnen beschrieben Gerüche deutet in der Tat auf das Unternehmen Erftcarbon hin“, heißt es in einem Schreiben, das Claus Schäfer von der Bezirksregierung Düsseldorf erhielt.

Eine Äußerung, die der Geschäftsführer des Unternehmens, das Graphitelektroden produziert, abschwächt. „Der Geruch konnte bisher keinem Unternehmen im Industriegebiet eindeutig zugeordnet werden“, betont Dieter Schiefer. „Nur weil wir Schornsteine haben, glauben einige Bürger, wir wären die Schuldigen“, meint der Geschäftsführer und verweist auf die Auflagen, die das Unternehmen zum Umweltschutz erfüllen müsste und auf ein Langzeitmessung der Luftqualität in Grevenbroich zwischen 2003 und 2004. „Damals ist nichts festgestellt worden“, weiß der Geschäftsführer. Diese Aussage bestätigt auch die Bezirksregierung Düsseldorf, die mehrere Geruchsverursacher im Industriegebiet Ost vermutet.

„Es ist mit Sicherheit falsch, nur einen dafür verantwortlich zu machen“, sagt Peter Mandt, Dezernent für Immissions-Überwachung bei der Bezirksregierung. Als andere in Frage kommende Beteiligten werden nach Bürgerbeschwerden die Unternehmen Aleris Recycling und VAW Hydro Aluminium genannt. Obwohl Peter Mandt durchaus von mehreren Verursacher ausgeht, hofft er, dass der Geruch nachlässt, wenn die Firma Erftcarbon den Bau einer vier Millionen Euro teueren Anlage zur thermischen Nachverbrennung von Abgasen fertiggestellt hat.

Gebaut werde die neue Anlage, weil es ein neues EU-Gesetz von allen kohlenstoffproduzierenden Betrieben verlangt - zur Verbesserung der Emissions- und Immissionssituation gebe. Erftcarbon hat bereits den ersten Abschnitt abgeschlossen, der Probebetrieb läuft. „Wir sind eines der ersten Unternehmen, die eine solche Anlage bauen“, weiß Schiefer, „und wir müssen erstmal prüfen, wie das Ganze klappt.“ Die zweite Bauphase soll sich nach dem Probebetrieb anschließen. Wenn alles nach Plan läuft, ist das Unternehmen mit der Errichtung der Anlage Mitte 2009 fertig. Dann hofft Claus Schäfer aufatmen zu können. „Ich gehe davon aus, dass der Gestank danach verschwindet“, sagt er.

Tanja Aretz will jedoch nicht noch fast ein Jahr warten müssen. „Ich würde mir wünschen, dass noch einmal Messgeräte in Barrenstein installiert werde. Das würde mir Sicherheit geben“, sagt die besorgte Mutter. Denn: „Ich glaube trotzdem nicht, dass der Gestank gesund ist.“ Falls nichts passiert, will sie weiterhin bei Westwind mit ihrer Tochter aus Barrenstein flüchten.

Am Mittwoch in der NGZ

Zur Sache Unglaublich

Quelle: NGZ


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Claus Schäfer (Mitte) und Peter Jopek (r.) informierten gestern Wilhelm Kochskämper (l.) und Peter Mandt von der Bezirksregierung über Geruchsbelästigungen aus dem Industriegebiet Ost.

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