Grevenbroich (NGZ). Cobra 11, Dresden, Schlämmer. Immer wieder ziehen Filmteams durch Grevenbroich. Was hat Grevenbroich, was andere Städte nicht haben? Die Antwort der Filmprofis: "Normalität."
Irgendwann Mitte der 50er-Jahre: Karg beleuchten Straßenlampen die zweispurige Hauptstraße, die Rollläden am kleinen Tante-Emma-Laden sind heruntergelassen, einzig aus der kleinen Eckkneipe dringt Lärm, wenn die Tür aufschwingt. Genau eine solche Filmszene kann sich Michael Bauers in einem jener kleinen Grevenbroicher Dörfer vorstellen. Das wäre eine perfekte Kulisse. "Hier ist vielerorts noch die alte Struktur erhalten geblieben: der Tante-Emma-Laden, der kleine Supermarkt, die Kneipe – Arbeitermilieu", sagt der 39-Jährige.
Michael Bauers ist "Location-Scout", sucht Drehorte für Filme, unter anderem tat er das für "Romy", die Verfilmung des Lebens von Romy Schneider. Grevenbroich und Umgebung eignen sich hervorragend für Filme, sagt er. Das beweisen bereits Produktionen wie "Dresden" mit Heiner Lauterbach, eine ganze Reihe von Staffeln der Action-Serie "Cobra 11" und nicht zuletzt Hape Kerkelings Horst Schlämmer.
Filme und Serien
Tatort "Schürfwunden" mit Dietmar Bär. Gedreht im Jahr 2005 im Braunkohle-Tagebau.
Dresden Der TV-Zweiteiler mit Heiner Lauterbach wurde 2005 in einem Bunker gefilmt.
Alarm für Cobra 11, TV-Serie, auf der Autobahn 540.
Horst Schlämmer mit Hape Kerkeling, 2009, in der Stadt.
Was will ein Filmteam in Grevenbroich? Neben der skurrilen Kulisse des Tagebaus, in dem surrealistische Streifen gedreht werden können und dem scharfen Kontrast zwischen Landschaft und Industrie auf engstem Raum suchen Filmemacher, aber auch Werbeleute vor allem eines: "Die Normalität", sagt Peter Kalte, ebenfalls Location-Scout. "Sie wollen die kultige Pommesbude, die Reihenhaussiedlung – alles, was Normalität ausstrahlt."
Was sich im ersten Moment vielleicht abwertend, weil langweilig anhört, kann sich bezahlt machen. Etwas mehr als die Hälfte der Ausgaben einer mehrtägigen Produktion gehen an die örtliche Wirtschaft, etwa an Hotels und Catering-Services. Und nicht zuletzt steigert das Auftauchen in einem Film auch die Bekanntheit eines Orts. Grevenbroich profitiert hier besonders von der Nähe zu Köln. Denn die wichtigsten Produktionsfirmen haben sich in der Domstadt niedergelassen. "Grevenbroich ist gerade noch der äußerste Zipfel, den die Filmunternehmen mit ihrem großen logistischen Aufwand erreichen wollen", sagt Michael Bauers.
Doch auf den Punkt gebrachte Normalität und skurrile Landschaft allein reichen nicht, um Filmteams anzuziehen. Location-Scouts suchen immer nur dort, wo sie wissen, dass eine Filmproduktion auch von der Verwaltung unterstützt wird. Immerhin braucht die Filmcrew Drehgenehmigung und unter Umständen Straßensperren – nichts stört mehr als vorbeirauschende Lastwagen bei einer romantischen Szene. Michael Bauers ist in dieser Hinsicht mit Grevenbroich zufrieden. "Die Stadt arbeitet immer gut mit uns zusammen", sagt er. Das gibt Hoffnung auf neue Filme.
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