Grevenbroich (NGZ). Arne Sell (19), ehemaliger Schüler des Pascal-Gymnasiums, arbeitet für ein Jahr an einer äthiopischen Schule. Dort wirkt er mit einer Grevenbroicherin zusammen: Ursel Stahlmann (72), die sich für junge Menschen einsetzt.
Im vergangenen Jahr machte er sein Abitur am Pascal-Gymnasium, heute ist er selbst so etwas wie ein Lehrer: Arne Sell. In der Hauptstadt Addis Abeba – 8000 Kilometer von Grevenbroich entfernt – unterrichtet er äthiopische Schüler im Tennisspiel. Der 19-Jährige leistet in einem der ärmsten Länder der Welt sein praktisch-soziales Jahr ab, er arbeitet im Auftrag der deutschen Botschaftsschule.
Sells Eindruck vom Schulleben in Äthiopien: Alles ist anders als in Deutschland. "Dinge, die in unseren Schulen schon fast zur Standardausrüstung gehören, gibt es dort nicht – Computer, Beamer oder Whiteboard sind undenkbar", erzählt er. Noch schlimmer: "Den Lehrern fehlt die Ausbildung. Sie stehen mit dem Buch vor den 60-köpfigen Klassen und predigen das Auswendiglernen von nie verstandenen Formeln."
Sozial engagiert
Im vergangenen Jahr hat Arne Sell sein Abitur am Pascal-Gymnasium gemacht, danach zog es ihn nach Äthiopien. Mit dem afrikanischen Land hat sich der 19-Jährige schon während der Schulzeit beschäftigt. In der Nachhaltigkeits-AG hat er Projekte begleitet, die der Arbeit von Ursel Stahlmann in Addis Abeba zugute kommen. Sell, der Tennis und Handball spielt, ist begeistert von Afrika: "Es fasziniert mich, zu sehen, wie zufrieden und fröhlich viele Menschen dort trotz der schlechten Lebensbedingungen sind."
Dieses Problem bekämpft eine Grevenbroicherin, mit der der 19-Jährige in Addis Abeba zusammenarbeitet: Ursel Stahlmann. Die 72 Jahre alte ehemalige Lehrerin am Pascal-Gymnasium hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, gegen die Missstände an äthiopischen Schulen anzugehen. Aus gutem Grund: "Die Lehrer erhalten in der Ausbildung zwar Fachwissen, werden aber nicht pädagogisch geschult. Die Schüler lernen nichts Praktisches, werden nicht motiviert und schlafen fast ein", berichtet sie.
Das muss anders werden: Ursel Stahlmann, die in Äthiopien ehrenamtlich für das Sozialprojekt "German Church School" arbeitet, möchte vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe leisten: "Wir wollen die Schulen fördern, damit die Kinder nachhaltig etwas für die Zukunft lernen und mit ihrem Wissen das Handwerk und die Industrie im Land voranbringen." Die 72-Jährige ist pausenlos im Einsatz, sammelt Geld für Unterrichtsmaterialien und die Fortbildung von Lehrern.
"Große Hilfe kommt dabei aus Grevenbroich", weiß Arne Sell. Etwa von der Nachhaltigkeits-AG des Pascal-Gymnasiums, die Geld zusammentrug, von dem nun zehn Schulen in Äthiopien profitierten – sie wurden mit naturwissenschaftlichen Unterrichtsmaterialien ausgestattet. "Benefiz-Fußballspiele oder Konzerte in Grevenbroich zeigen somit ihre Auswirkungen in Äthiopien", sagt der 19-Jährige.
Nebenbei konnte Ursel Stahlmann ein weiteres Projekt initiieren. Im College der "Mekane Yesus"-Kirche werden junge Leute in Familienplanung und Gesundheitsförderung unterrichtet. Sie werden später in ländlichen Gebieten eingesetzt und sollen dort ihr Wissen weitergeben. Getragen wird dieses Projekt auch von einer Grevenbroicher Vereinigung, nämlich vom Rotary-Club.
Arne Sell wird noch bis Sommer in Äthiopien bleiben, dann kehrt er zurück in heimische Gefilde, er möchte Bauingenieurwesen studieren. Für Ursel Stahlmann ist Addis Abeba nach mehr als zehn Jahren zu einer zweiten Heimat geworden. Nach Grevenbroich kehrt sie nur zurück, um für ihr Schul-Projekt zu werben. Und natürlich, um Spenden für die gute Sache in Äthiopien zu bitten.
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