Grevenbroich (NGZ). Rektoren und besonders Konrektoren an Grundschulen fehlen, Stellen bleiben immer länger frei. Mehr Arbeit, wenig attraktive Bezahlung und die Doppelbelastung Familie und Beruf sind für Lehrerinnen nur wenig attraktiv.
Freie Stellen
Für Grundschulen im Rhein-Kreis Neuss werden aktuell acht Rektoren gesucht; besonders in Neuss und Dormagen. In Grevenbroich ist eine Stelle vakant; eine wurde neu vergeben.
Für zehn Konrektorenstellen werden im Rhein-Kreis Bewerber gesucht.
Auch für Lehrer gibt es erste Schultage. Gudrun Sell (53) erlebt ihre erste Woche als neue Schulleiterin an der Jakobus-Schule in Neukirchen; Der Lehrerin, die zuvor an der Janusz-Korzcak-Schule in Otzenrath unterrichtete, fehlt nur noch die offizielle Ernennung. "Ich habe mich bewusst auf diese Stelle beworben", erzählt Sell. Sie ist eine Ausnahme: An Grundschulen werden Rektoren gesucht – und erst recht Konrektoren.
Suche dauert bis zu einem Jahr
"Stellen für Schulleiter zu besetzen ist ein kreisweites Problem", sagt Alois Mayer, Schulrat für den Rhein-Kreis Neuss. Immer häufiger werden freie Posten nicht direkt bei der ersten Ausschreibungsphase besetzt, weil die Bewerber fehlen. "Jede Ausschreibung dauert sechs Wochen", erläutert Mayer. Oft zieht sich die Besetzung "von einem halben bis zu einem Jahr hin".
Warum keiner Rektor werden will – darauf hat Alois Mayer mehrere Antworten: "Der zeitliche Aufwand ist hoch, die zusätzliche Bezahlung wenig attraktiv." Hinzu komme der Frauenfaktor: "Die meisten Pädagogen an Grundschulen sind Frauen, die durch Beruf und Familie eine Doppelbelastung tragen." Sie hätten meist kein Interesse an mehr Arbeitsstunden, meint der Schulrat.
Konrektor-Stellen seien noch schwieriger zu besetzen, so Mayer: "Die Verantwortung als Vertreter der Schulleitung ist groß. Die Entlastung vom Unterricht liegt bei drei bis vier Stunden, dazu gibt es 150 Euro mehr." Weil der Job so unbeliebt sei, versuche das Schulamt bereits, bei Fortbildungen auf potenzielle Kandidatinnen zu achten und diese für die Rektoren-Rolle zu interessieren: "Dazu führen wir gezielt Personalgespräche", so der Schulrat.
An den Grevenbroicher Grundschulen hat sich die Situation mittlerweile entspannt, zeigt sich Thomas Staff vom Fachbereich Schulen zufrieden: "Nachdem jetzt an der Jakobus-Schule die neue Schulleiterin ernannt werden kann, fehlt nur noch an der einzügigen Grundschule am Welchenberg eine neue Rektorin." Zuletzt hatte Veronika Majehrke-Feldmann, Rektorin an der Katholischen Grundschule Stadtmitte, diese Aufgabe kommissarisch übernommen.
Dass für Neuenhausen schnell ein Schulleiter gefunden wird, hält Alois Mayer für unwahrscheinlich: "Hier werden wir wohl lange suchen." Einen Grund nennt Thomas Staff: "In Neuenhausen gab es in diesem Schuljahr eine neue erste Klasse." Für jeden neuen Rektor vielleicht eine unsichere Zukunftsperspektive: Vonseiten der Landesregierung würden Verbundschulen gefördert – auch aus Kostengründen: Zwei kleine Grundschulen werden zu einem Schulverbund mit zwei unterschiedlichen Adressen kombiniert – Platz bleibt aber nur für einen Schulleiter.
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