Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich „Sorgfalt geht vor Eile. In der Vergangenheit sind zu viele Museen aus einer Laune heraus entstanden. Diese Zeit ist vorbei.“ Dr. Norbert Kühn, Leiter des Rheinischen Archiv- und Museumsamtes beim Landschaftsverband Rheinland, machte im Kulturausschuss sehr deutlich, dass eine tragfähige Museumskonzeption ihre Zeit braucht - und dass der Landschaftsverband dabei mitwirken will.
„Ich werde den Gremien vorschlagen, die Entwicklung der Konzeption finanziell zu unterstützen“, stellte er in Aussicht. Dieses Konzept soll dann Grundlage für Förderanträge sein.
In derselben Sitzung, in der Experten den Ausschuss über ihrer Ansicht nach viele Kopien und Beschädigungen von Exponaten der ägyptischen Sammlung unterrichteten, befassten sich die Politiker auch mit der Zukunft des Museums. In den vergangenen Monaten hatte Kulturdezernent Michael Heesch „in bilateralen“ Gesprächen das weitere Verfahren für eine Konzeption mit Dr. Kühn, der Wissenschaftlerin Professorin Gertrude Cepl-Kaufmann und Kreisarchivar Dr. Karl Emsbach als Vertreter des Landrates abgestimmt.
„Es geht darum, das Museum in Grevenbroich so zu entwickeln, dass es eine klare Position hat“, so Dr. Kühn, der angesichts von 400 nicht staatlichen Museen im Zuständigkeitsbereich seines Amtes vom „Alleinstellungsmerkmal“ spricht. Das Drei-Säulen-Modell - mit archäologischer, stadthistorischer und zeitgenössischer Abteilung - nannte er „eine gute Ausgangslage“. „Wenn man sich Grevenbroich ansieht, ist man schnell beim Thema Archäologie.“
Der Landschaftsverband wolle dazu nicht nur in Bonn ausstellen, sei auch an Ausstellungen vor Ort interessiert. Doch gut Ding will eben Weile haben: „Es reicht nicht, in einem Museum einfach ein paar alte Stücke zur Stadtgeschichte auszustellen. Wichtig ist, die Einbettung der Stadt in die Kulturlandschaft aufzuzeigen, wie sie sich entwickelt und ihr Umfeld beeinflusst hat.“ Diesen Gedanken der Vernetzung betonte auch Professorin Cepl-Kaufmann, die am Drei-Säulen-Modell mitgewirkt hat.
Nun stellte sie mehrere geplante Projekte vor, die laut Verwaltung als Bausteine in die endgültige Konzeption einfließen sollen, aber auch schon in der Übergangszeit Leben ins Museum bringen sollen. Ihre Überlegungen basieren auf drei Punkten. Zum einen soll die Zusammenarbeit des Museums mit der Wissenschaft wie der Universität Düsseldorf intensiviert werden.
Schon in einer Woche sind weitere Archivseminare für Stundenten geplant. Aber auch für die Ausstellungsräume hat sie konkrete Vorstellungen. Für 2007 sei im Verbund mit anderen Museen an eine Ausstellung bekannter frühindustrieller Familien gedacht. „In Grevenbroich hat die Familie Uhlhorn die Münzprägemaschine erfunden. Wir wollen zeigen, wie solche Familien nicht nur wirtschaftlich aktiv waren, sondern auch sozial und kulturell die Gesellschaft mitgestaltet haben“, so Professorin Cepl-Kaufmann.
Weitere Ausstellungen sind zum Thema „Bodenschätze“ - von der Braunkohle bis zur Zuckerrübe und zur „Erft als europäisches Ereignis“ geplant. Sie will aber auch die Grevenbroicher aktiv einbinden. Das Museum solle eine Plattform sein, um beispielsweise Vereine oder Schulen anzuleiten, sich und ihre Geschichte selbst darzustellen.
Auf Unterstützung kann die Stadt auch beim Kreis rechnen. „Der Rhein-Kreis-Neuss wird alles tun, um bei einer neuen Konzeption zu helfen“, betonte Dr. Karl Emsbach. „Landrat Dieter Patt ist an dieser Entwicklung sehr interessiert. Die Überlegungen für das Museum entsprechen dem Kreisgedanken und sind ganz auf Nachhaltigkeit ausgerichtet.“ Bürgermeister Axel Prümm ergänzte, dass der Landrat auch als Vorsitzender des Kulturausschusses beim Landschaftsverband seine Unterstützung zugesichert habe.
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