Inge Hüsgen ist Mitherausgeberin des "Skeptikers" (NGZ). Von Lina Wöhl
Was wird die Zukunft bringen? Eine Frage, die zur Jahreswende passt und die viele Leichtgläubige zu Wahrsagern und Astrologen eilen lässt. Nicht wenige halten das, was da angeblich in den Sternen oder Karten zu lesen ist, für bare Münze. Nicht so die "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften", die mit der nötigen Skepsis an selbst ernannte Propheten herangeht. Inge Hüsgen aus Orken gehört zum Leitungsteam des Vereins, der die wahren X-Akten aufschlägt. Wahrsager haben zum Jahreswechsel Hochkonjunktur. Inge Hüsgen und ihre Vereinsmitglieder der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" begegnen solchen Menschen mit Skepsis. In ihrer Verbandszeitschrift, dem "Skeptiker", nehmen sie auch selbsternannte Propheten unter die Lupe. NGZ-Foto: H. Jazyk
UFOs, Außerirdische, Wahrsagen oder Reinkarnation - vielen Menschen sind solch unbewiesene und scheinbar haltlose Phänomene lediglich ein schlichtes "Humbug" wert. Anders die "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP). Sie geht dem offenkundig Unerklärlichen auf den Grund, hinterfragt rätselhafte Ereignisse kritisch und ohne Vorbehalte - und das auf Grundlage der modernen Wissenschaften. Die 32-jährige Studentin Inge Hüsgen aus Orken ist Mitherausgeberin des "Skeptiker", der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift der GWUP.
Neben der Popularisierung wissenschaftlicher Methoden wollen die Herausgeber auch das kritische Denken ihrer Leser fördern. "Ein bisschen ist das schon wie bei Akte X", schmunzelt Inge Hüsgen. "Wir befassen uns mit UFO-Sichtungen, geheimnisvollen Tieren und die Mediziner unter uns auch mit umstrittenen Heilverfahren." Schließlich setzt sich das "Skeptiker"-Team vor allem aus Wissenschaftlern zusammen, die sich unvoreingenommen und interdisziplinär dem Rätselhaften nähern. Oft melden Menschen angebliche UFO-Sichtungen. "Daten wie Ort, Zeit und Himmelsrichtungen sind oft unklar, dass man die angebliche Sichtung einfach so stehen lassen muss", erklärt die Orkenerin. "Aber wenn es genauere Angaben gibt, können Astronomen sie überprüfen."
Und meist gibt es für das auf den ersten Blick unnatürliche Himmelsschauspiel einfache Erklärungen: "Ein heller Stern, der helle Planet Venus, Wetterballons, Sternschnuppen.....", zählt Hüsgen auf. Auch den Außerirdischen nähern sich die skeptischen Wissenschaftler vorbehaltslos: "Wir haben keinen Beleg dafür, dass sie jemals auf der Erde waren", betont die 32-Jährige. "Wir können aber auch nicht sagen: Bloß weil noch keiner aufgetaucht ist, gibt es keine Außerirdischen. Vielleicht landet ja morgen ein Raumschiff." Das macht für Inge Hüsgen das Spannende an ihrer Arbeit aus: "Die Wissenschaft ist ein System, das sich dauernd selbst reguliert." Fest mit den Parawissenschaften verbunden sind die Prophezeiungen. "Wenn wir was über die Zukunft wissen wollen, müssen wir uns entweder auf das logische Denken verlassen oder überrascht werden", macht Hüsgen sachlich klar.
Selbst ernannte Wahrsager sehen das anders: "Ihre Trefferquoten sind allerdings am höchsten, je nebulöser sie sich äußern", betont die Studentin. Und das erschütternste Ereignis des zu Ende gehenden Jahres sagte niemand voraus - bis auf einen: "In der Stadt Gottes wird es einen großen Donner geben, zwei Zwillingsbrüder werden von dem Chaos auseinander gerissen. Während die Festung hält, wird der große Führer dem Angriff erliegen. Der dritte große Krieg wird beginnen, wenn die Stadt brennt", soll der 1566 verstorbene Seher Nostradamus noch 1654 (!) prophezeit haben.
Tatsächlich verfasste der amerikanische Student Neil Marshall den Vers kurze Zeit nach dem Attentat vom 11. September im Internet - und Scharen aufgewühlter und Halt suchender Menschen glaubten an die angebliche Voraussage. - Und wie steht es mit den Wahrsagungen für das neue Jahr. "Ich habe den Eindruck, dass viele der Hellseher deutlich vorsichtiger geworden sind, um möglichst nicht in die Schusslinie zu gelangen", erklärt Inge Hüsgen. So gibt es bislang kaum Prophezeiungen für 2002 - und das ist vielleicht gar nicht mal so schlecht. Die französische "Seherin" Elisabeth Tessier zeigte sich in der "Schweizer Illustrierten" sehr optimistisch für ein harmonisches 2001 - und lag damit bekanntlich ziemlich daneben.
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