Grevenbroich (NGZ). Elsen Der Traum jeder Frau: Ein Kleidungsstück greifen, hineinschlüpfen und perfekt angezogen sein. Das muss kein Traum bleiben - wenn es die Trägerin nicht stört, dass das Bekleidungsstück großformatig-quadratisch ist und frappierende Ähnlichkeit mit einer Luxus-Einkaufstüte hat.
Was sich hinter den begehbaren „Trage-Tüten“, einem aus Porzellan gestalteten „Samurai“-Umhang, einem filigranen Drahtkleid und „Hand-Arbeiten“, die korrekterweise „Hände-Arbeiten“ heißen müssten, verbirgt, das können die Besucher der neuen Ausstellung „KunstMode“ am Freitag erfahren. Um 20 Uhr wird die Gemeinschaftspräsentation von acht Künstlerinnen in der Produzentengalerie „Judith Dielämmer“ eröffnet.
Mit ihren „Trage-Tüten“, die auf die klangvollen Namen „Preda“ und „Hügo“ hören, wollten Claudia Ehrentraud und Maria Gilges einen ironischen Blick auf ein modisches Randphänomen werfen: „Nicht die Kleidung ist wichtig, sondern die glänzende Tragetasche mit dem Designernamen. Damit kann man zeigen: Das kann ich mir leisten.“
Für ihre aktuelle Gemeinschaftsarbeithaben die Grevenbroicherin und die Neusserin Schafswolle mit den Händen gefilzt - das kuschelige Ergebnis ist ein Gegenpol zu den steifen, glänzenden Taschen, in denen Konsumjäger ihre Beute transportieren. Ideengeberin für die Ausstellung „KunstMode“ war Janne Gronen, die verschiedene Stücke unter dem Thema „.gerettet zu werden“ präsentiert.
Auf den ersten Blick scheinen ihr goldenes Kleid, Rock und Umhang aus dem Ratgeber „So kleidet sich eine Prinzessin“ zu stammen - der knisternde, mit Rosen bedruckte Traum eines jeden Mädchens. Doch hinter Gronens Kollektion aus Rettungsfolie und Pflaster steckt nicht nur die schöne Seite einer Rettung, auch die gefährliche: „Wer gerettet wird, handelt nicht. Doch das Leben fordert zum Handeln auf.“
Für Männer hat sie ein schwarzes T-Shirt mit Rettungsfolien-Einsatz gefertigt. Echte Retter brauchen nicht viel. Das sieht Inge Harms, seit kurzem Galerie-Mitglied, ganz anders: Ihr „HeldenBrustSchmuck“ will genau das - Männern magische Unterstützung geben.
Orientiert an geschichtlichen Vorbildern, hat sie geknotete Seile und Alltagsmaterialien zu ungewöhnlichen, aber - so die Künstlerin - tragbaren Stücken gefertigt. Anna Neumann setzt bei ihren „Hand-Arbeiten“ auf Hände-Paare, die sich um Hüte ranken und ein Hingucker auf einem Kleid sind: „Hände können streicheln und foltern, liebkosen und morden.“ Eine Handtasche von Neumann ist tatsächlich eine Hand-Tasche.
Eröffnung Die Arbeiten aller acht Künstlerinnen werden am Freitag, 20 Uhr, in der Galerie Dielämmer, Königgstraße 21, Grevenbroich-Elsen, präsentiert.
www.judithdielaemmer.de
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