Grevenbroich (NGZ). Gleich in fünf Stadtteilen hat der Verein "Fairer Tisch Niedererft" jetzt Lebensmittelausgaben für Bedürftige eröffnet. Auch die Existenzhilfe und andere Organisationen helfen Menschen in Not. Der Bedarf steigt.
Körbe mit Lebensmitteln werden gepackt, Regale eingeräumt. Sauerkraut und Würstchen, auch Schokolade und Plätzchen stehen bereit. Lebensmittel, die für die einen selbstverständlich sind, können sich andere kaum leisten. Der Verein "Fairer Tisch NiederErft" hat mit 30 Ehrenamtlern in Hemmerden, Hülchrath, Kapellen, Neukirchen und Wevelinghoven im Pfarrverband Niedererft Ausgaben für Bedürftige eingerichtet, die mittwochs von 10 bis 12 Uhr öffnen.
Zum Hintergrund: In Grevenbroich gibt es unterschiedliche Anlaufstellen für Menschen, die Unterstützung brauchen. Zur Existenzhilfe Grevenbroich am Bahnhof kommen pro Ausgabetag rund 350 Bedürftige. Doch die Not von Sozialhilfe- oder Hartz IV-Empfängern ist keine neue gesellschaftliche Entwicklung: "Wir haben erfahren, dass immer mehr Menschen in Not sind, besonders am Ende des Monats", sagt Hannelore Bongartz. Seit 2000 kümmert sie sich mit weiteren kfd-Frauen um die Lebensmittelausgabe in der Südstadt.
Fairer Tisch Niedererft
Ausgabezeit: mittwochs von 10 bis 12 Uhr
Ausgabestellen:
Kapellen alte Bücherei, Friedrichstraße
Hemmerden Pfarrheim
Hülchrath Sebastianushaus
Neukirchen Pfarrheim
Wevelinghoven Pfarrheim
Aus dem gesamten Pfarrverband "Vollrather Höhe" mit Barrenstein, Neurath, Neuenhausen, Frimmersdorf und der Südstadt kommen Menschen jeden Mittwochmittag ins Centro St. Josef: "In Spitzenzeiten sind es bis zu 30", so Bongartz. Auch in Elsen – für den Pfarrverband "Elsbach/Erft" – werden Lebensmittel verteilt. Während die Ausgabe in der Südstadt mit der Existenzhilfe kooperiert, arbeitet die Elsener Tafel eigenständig als Verein.
Nun kommt die Hilfe des überkonfessionsübergreifenden Vereins "Fairer Tisch Niedererft" mit fünf Ausgabestellen hinzu. "Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zur Existenzhilfe", sagt Michael Köchner vom Vorstand. "Wir möchten Menschen erreichen, die keine andere Hilfe erhalten, etwa weil für sie die Busfahrt nach Grevenbroich zu teuer ist." Die Idee zum Angebot entstand im Pfarrverband Niedererft. "Die Zahl der Bedürftigen nimmt zu", weiß Vereinsvorsitzende Marlies Holtus.
"Vermehrt sagen uns Menschen, dass sie kein Geld für Lebensmittel haben. Bislang haben wir für sie über die Caritas Esswaren gekauft." Geschäfte, Bauern und andere spenden dem Verein nicht verderbliche Lebensmittel. Von der Ausgabe im früheren Büchereiraum an der Friedrichstraße (Kapellen) werden alle Ausgaben versorgt, die Räume stellen die Pfarren. Am Mittwoch kam ein Dutzend Menschen. Köchner: "Die Zahl wird steigen. Viele müssen erst eine Hemmschwelle überwinden."
Ihre Bedürftigkeit müssen die Kunden zurzeit nicht nachweisen. Je Einkauf zahlen sie einen Euro. Köchner: "Andere Ausgaben haben fesgestellt, dass die Empfänger auch gern etwas dafür geben."
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