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Grevenbroich: Im Wald wird Heizöl gespart

VON WILJO PIEL - zuletzt aktualisiert: 20.12.2007 - 21:30

Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Michael Schlösser sieht aus wie ein Profi. Seine Ausrüstung beeindruckt selbst gestandene Waldarbeiter: Jacke und Hose sind aus einem Spezialstoff gefertigt, dem selbst die messerscharfe Kette einer Motorsäge nichts anhaben kann. Sicherheits-Boots, Handschuhe und Helm erscheinen wie aus einem Lehrbuch für Holzfäller. Alles perfekt, alles vorschriftsgemäß.

Perfekt ausgerüstet: Michael Schlösser (vorne) ist leidenschaftlicher Holzsammler: Im Grevenbroicher Forst schlägt er den Brennstoff für seinen Kachelofen. Eine Arbeit, die ihm einiges an Geld spart.  Foto: Hans Jazyk
Perfekt ausgerüstet: Michael Schlösser (vorne) ist leidenschaftlicher Holzsammler: Im Grevenbroicher Forst schlägt er den Brennstoff für seinen Kachelofen. Eine Arbeit, die ihm einiges an Geld spart. Foto: Hans Jazyk

Im „richtigen“ Leben hat Schlösser mit dem Wald nichts am Hut, er ist Handwerker. In seiner Freizeit aber streift er hin und wieder durch den Bend, setzt seine Motorsäge an und sammelt Holz für den heimischen Kachelofen. Völlig legal, so wie es gut 50 andere Grevenbroicher auch tun.

„Bei den gestiegenen Preisen für Öl und Gas erlebt selbst geschlagenes Holz derzeit einen regelrechten Boom“, stellt Stadtförster Frank Wadenpohl fest: „Die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr.“

Klar, denn im Stadtforst kann richtig gespart werden. Wer sich derzeit tausend Liter Heizöl in seine Tanks pumpen lässt, muss mit Kosten von etwa 700 Euro rechnen. Sieben Raummeter Holz, das entspricht etwa der gleichen Menge, gibt’s im Wald für 400 Euro.

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Raummeter

Der Raummeter ist die gebräuchlichste Maßeinheit beim Handel mit Brennholz. Er entspricht einem Würfel von einem Meter Seitenlänge, also einem Rauminhalt von einem Kubikmeter geschichteter Holzmasse.

„Ersparnis: 300 Euro - das überlegt sich mancher“, meint Wadenpohl. Die hohe Nachfrage macht sich denn auch mittlerweile in der Kasse des Forstbauhofs bemerkbar: „Wir haben durchaus eine neue Einnahmequelle erschlossen.“ Den Bürgermeister dürfte es freuen.

Ziellos durch den Wald irren und hier und da mal einen Baum für den Ofen wegsägen - das ist nicht drin. Wer sich seinen Brennstoff in der freien Natur holen möchte, braucht das Holzsammler-Zertifikat der Stadt und - falls der Fuchsschwanz nicht ausreichen sollte - einen Motorsägen-Führerschein, für den am Forstbauhof regelmäßig Kurse angeboten werden.

Pappeln sind „out“, standortgerechte Bäume „in“: Frank Wadenpohl forstet den Grevenbroicher Stadtwald neu auf. Foto: Hans Jazyk

„Danach sind dann schon fast Profis am Werk“, meint Wadenpohl. Und auf die kann er sich verlassen. Denn Semi-Fachleute wie diese wissen, dass sinnloses Roden nicht angesagt ist: „Die Bäume sind vom Forstamt markiert worden, da sehen wir, was geschlagen werden darf“, erklärt Michael Schlösser. Ein dick auf den Stamm aufgesprühter Punkt bedeutet: Dieser Baum bleibt stehen. Ein Strich heißt das Gegenteil: Der kann weg. Eine klare Ansage.

Zum Hintergrund der Aktion: Die Pappel ist ein Auslaufmodell an der Erft. Schon seit Jahren werden ihre Bestände rund um Grevenbroich kontinuierlich geschlagen. Weg von der Monostruktur und hin zu standortgerechten Bäumen heißt die Devise.

Es werden ausschließlich Edellaubhölzer nachgepflanzt - etwa Esche, Stieleiche, Bergahorn und Vogelkirsche. Das Besondere: „Bei unserem guten Boden, der einen hohen Lössanteil hat, legen diese Bäume ein fast explosionsartiges Wachstum an den Tag“, berichtet der Stadtförster.

Beim Pflanzen sind die jungen Bäume etwa zwei Meter hoch, innerhalb von drei Jahren verdoppeln sie ihre Größe. Der Wald wird damit einerseits dichter, andererseits wird das Wachstum der Baumkronen beeinträchtigt. „Es müssen also aufwendige Pflegemaßnahmen ergriffen werden“, erklärt Frank Wadenpohl.

Das heißt: Einzelne Bestände der Edelhölzer müssen wieder herausgenommen werden - das bedeutet in den Monaten zwischen September und März eine Menge an zusätzlicher Arbeit für die Mitarbeiter des Forstbauhofs. „Aus diesem Grund sind wir froh, dass private Holzsammler uns hierbei so tatkräftig unter die Arme greifen und uns entlasten“, so der Förster.

Als Arbeit würde Michael Schlösser seine Streifzüge durch den Grevenbroicher Forst allerdings nicht bezeichnen: „Es ist ein schöner Ausgleich zur Arbeit. Sich an der frischen Luft zu betätigen, kann nicht schaden“, meint er. Bis dass er sein Holz im Kachelofen verfeuern kann, braucht es allerdings seine Zeit: „Das Material ist zu feucht, es muss erst trocken gelagert werden.“

Die Stämme, die er in diesem Jahr aus dem Wald geholt hat, kommen erst frühestens Ende 2009 in den Ofen. „Man braucht also Platz zu Hause. Mindestens für neun Raummeter - und das ist eine ganze Menge.“

Stadtförster Frank Wadenpohl geht davon aus, dass bei steigenden Heizkosten künftig noch mehr Holzsammler durch den Forst ziehen werden. Nicht nur, um Geld zu sparen. „Auch der Spaßfaktor spielt hier eine ganz große Rolle“, meint der Laacher.

Denn einige Hobby-Holzfäller machen sich eine echte Gaudi aus der Aktion. Etwa die „Holzmichls“, eine sechsköpfige Gruppe, die sich nach dem Schlagen regelmäßig im Wald trifft, um den Tag bei einem kräftigen Eintopf und Getränken ausklingen zu lassen. Kanadische Gefühle an der Erft.

Quelle: NGZ


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