Grevenbroich (NGZ). Neuenhausen Im November hat es der Rat beschlossen: Der Spielplatz an der Holunderstraße in Neuenhausen wird verkauft. Rund 200 000 Euro erhofft sich die finanziell angeschlagene Stadt von dieser Transaktion - einen Teil dieses Geldes möchte sie in andere Spielplätze stecken.
Dagegen wehrt sich seit Monaten vergeblich die Neuenhausener Bürgerinitiative. Sie versucht nun, den Beschluss wieder zu kippen - und zwar über den Beschwerdeausschuss. Damit kommt dieses Gremium nach 14-jähriger „Sitzungspause“ wieder einmal zusammen. Zuletzt tagte es im Mai 1994 zum Bau der umstrittenen Müllverbrennungsanlage in Neurath.
Die Initiative erhofft sich am Donnerstag durchaus eine Chance, denn: „Nach der Gemeindeordnung ist die Stadt dazu verpflichtet, die Bürger über ihre Verkaufsabsichten zu informieren. Das ist aber definitiv nicht geschehen“, erklärt Sprecher Jürgen Hildebrandt und meint: „Wir haben tatsächlich erst im Oktober durch einen Bericht in der NGZ davon erfahren.“ Die Neuenhausener wollen die Ausschuss-Mitglieder davon überzeugen, dass der etwa 970 Quadratmeter große Spielplatz erhalten bleiben muss: „Weil er nämlich von Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen besucht wurde“, unterstreicht Harald Behr, Gründer der Bürgerinitiative.
Würde der Spielplatz wie geplant verkauft und mit zwei Einfamilienhäusern bebaut, blieben im Dorf zwei Anlagen übrig: „Die am Sanddornweg ist geeignet für Kinder bis sechs, die an der Damaschkestraße für Kinder bis zehn Jahre. Wo sollen dann die Elf- bis 14-Jährigen künftig spielen?“, fragt Behr. Das Alternativ-Angebot der Stadt, die den Bolzplatz an der Bruchstraße mit Spielgeräten ausstatten möchte, lehnt die Initiative ab: „Eltern können dort ihre KInder nicht ruhigen Gewissens hin schicken - wo der Platz doch in der Nähe des Bends und der stark befahrenen Landstraße liegt.“ Jürgen Hildebrandt stellt in diesem Zusammenhang die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Aktion: „An der einen Stelle wird ein Spielplatz geschlossen, um 250 Meter Luftlinie entfernt einen neuen zu bauen. Von der Sache her ist das widersinnig.“
Rund 550 Unterschriften hat die Initiative im Dorf für den Erhalt des Spielplatzes gesammelt. Und sie weiß längst nicht nur mehr die Bewohner der Holunderstraße an ihrer Seite: „Der Spielplatz-Verkauf ist zu einer Angelegenheit für den ganzen Ort geworden. Auch die Vertreter der Vereine stehen hinter uns - etwa die des Siedlerbundes, der Sebastianus-Bruderschaft und die des Dorfentwicklungsvereins ,Neuenhausen heute und morgen’“, berichtet Harald Behr.
Vor dem Hintergrund dieser Konstellation will die Initiative jedoch nicht nur fordern, sie bietet auch eine Lösungsmöglichkeit an: „In Zusammenarbeit mit den Vereinen möchten wir gerne eine Patenschaft über den Spielplatz übernehmen und ihn zu einem generationsübergreifenden Treffpunkt gestalten - für Kinder, Jugendliche, Eltern und Senioren“, schildert Behr. Gerne hätten die Spielplatz-Streiter dieses Projekt dem Bürgermeister vorgestellt, doch: „Wir versuchen schon seit Monaten, einen Termin zu bekommen, werden aber immer wieder abgewimmelt.“
Ob der Ratsbeschluss über den Beschwerdeausschuss, der unter Leitung von Holger Leusch (CDU) tagt, jedoch noch zu kippen ist, dürfte fraglich sein. In der Vorlage für die Sitzung am Donnerstag (17 Uhr, Bernardussaal) ist vor allem ein Satz entscheidend - und zwar der letzte, der da heißt: „Aus den oben aufgeführten Gründen ist die Beschwerde unbegründet.“
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