Grevenbroich (NGZ). Tierschützer aus dem Rhein-Kreis schlagen Alarm: Immer mehr freilaufende Katzen werden in den Tierheimen abgegeben. Die Stadt soll daher eine Kastrationspflicht einführen. Der Rat befasst sich heute mit dem Thema.
Uta Wegener weiß keinen Ausweg mehr: "Wir haben unsere Quantitäts-, Qualitäts- und Finanzgrenze erreicht", klagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins in einem Brief an die Stadt. Aus gutem Grund, denn die drei Asyle im Rhein-Kreis quellen mittlerweile über. Mehr als 1450 herrenlose Katzen wurden dort 2009 abgegeben. In Oekoven waren es alleine 730, so viele wie noch nie. "Und dieses Jahr werden es noch mehr sein", vermutet Leiterin Margot Schneider.
Die Ursache liegt für die Tierfreunde auf der Hand: Viel zu wenig Katzen mit Freigang werden weder kastriert noch registriert. "Sie vermehren sich unkontrolliert, sind in schlechtem gesundheitlichen Zustand und fristen ihr Leben teilweise unter erbärmlichen Zuständen", erklärt Uta Wegener. Da jegliche Kennzeichnung fehle, seien die Tiere zudem keinem Besitzer zuzuordnen. "Ein großes Problem", meint die Tierschützerin.
Stadt-Statistik
Freiläufer Seit 2002 wurden 1155 freilaufende Katzen aus Grevenbroich ins Tierheim Oekoven gebracht. Spitzenreiter war das Jahr 2008 mit 179 Tieren.
Erlegte Tiere Von April 2009 bis März 2010 wurden 27 Katzen von Jägern in Grevenbroich erlegt.
Tote Katzen Die Zahl der tot aufgefundenen Katzen bewegt sich jährlich im einstelligen Bereich.
Vor diesem Hintergrund hat sich Wegener jetzt mit einem Hilferuf an Bürgermeisterin Ursula Kwasny gewandt. Die Verwaltungschefin soll sich heute im Stadtrat für eine neue Verordnung einsetzen. Inhalt: In Grevenbroich soll es Pflicht werden, dass Freigänger-Katzen ab dem fünften Lebensmonat kastriert, mit einem Chip gekennzeichnet und registriert werden.
In Paderborn gibt es das schon: Dort wurde bereits vor zwei Jahren die Kastration für Katzen eingeführt. Tierhaltern, die ihr nicht nachkommen, droht eine Geldstrafe von bis zu 500 Euro. Die Nachbarkommune Neuss überprüft zurzeit, ob der Bedarf für eine Kastrationspflicht in der Stadt besteht. Und: Die Tierschützer erhalten Rückendeckung vom Veterinäramt des Rhein-Kreises, für das Amtstierarzt Dr. Gerhard Fischer betont: "Das ist der richtige Weg."
Auch für Grevenbroich? Wahrscheinlich nicht, denn die Stadt wird dem Rat heute vorschlagen, sich gegen ein solches Gebot auszusprechen. Denn: "Ein zum Handeln zwingender Anstieg der Zahl wild lebender Katzen kann hier ebenso wenig belegt werden wie deren Leiden durch Nahrungsknappheit oder das Ausbreiten von Krankheiten", argumentiert die Bürgermeisterin in der Unterlage für die Kommunalpolitiker. Im Schnitt würden jährlich 144 streunende Katzen aus Grevenbroich ins Tierheim gebracht – statistisch gesehen liege die Fundkatzenquote zwischen 1,67 und 2,73 je 1000 Einwohner. "Daraus lässt sich eine wie auch immer geartete Gefährdung wohl kaum ableiten", so Kwasny.
Der Städte- und Gemeindebund sieht das ähnlich. Nach einer Prüfung kommt er zu dem Ergebnis, dass wildlebende oder freigehende Katzen keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung seien.
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