Grevenbroich (NGZ). Für 100 000 Euro schafft die Stadt etliche barrierefreie Überwege in der Stadt. Kritik daran übt ausgerechnet Behindertenbeauftragte Charlotte Häke: Sie sieht Unfallgefahr, hatte für eine einfachere Lösung plädiert.
Ein Mammutprogramm: An etlichen Kreuzungen und Kreiseln in der Innenstadt schafft die Stadt barrierefreie Überwege. Ohne Hürden sollen Behinderte von der Lindenstraße bis zum Bahnhof kommen. 100 000 Euro aus dem Konjunkturprogramm II machen es möglich, sie reichen für über 30 Überwege in der Stadt.
Trotz der Investition kommt bei der Behindertenbeauftragten Charlotte Häke (53) keine Freude auf: "Ich hätte mir gewünscht, dass ich früher an der Planung beteiligt worden wäre. Ich hätte eine andere Lösung favorisiert. Doch als ich eingebunden worden bin, hatte sich die Stadt bereits für ein Überweg-Modell entschieden", sagt Häke. Ein Kritikpunkt: Die Stadt hatte sich an einem Leitfaden des Landesbetriebs Straßenbau orientiert, der getrennte Bereiche für Blinde und für Gehbehinderte vorsieht. "Sehbehinderte benötigen eine klare Trennung von Fahrbahn und Bürgersteig. Doch schon eine drei Zentimeter hohe Kante bildet für Rollstuhlfahrer oft ein großes Hindernis", hatte Bauingenieurin Jeanette Vrijaldenhoven-Schmitz bei der Vorstellung des Überwegs am Seniorenzentrum Lindenhof erläutert. Sehbehinderte werden dort und an den anderen Stellen über ein "Auffindefeld" mit Noppen auf dem Bürgersteig an eine sechs Zentimeter hohe Bordsteinkante geführt. Gleich daneben rollen Rollstuhl- und Rollatorfahrer über eine Rampe ohne Kante.
Barrierefreie Überwege
Innenstadt Die meisten Überwege werden in der City umgebaut – von der Lindenstraße bis zum Bahnhof, aber auch auf den Straßen zu den Seniorenzentren.
Stadtteile Mehrere weitere Überwege werden in Wevelinghoven und Frimmersdorf barrierefrei gestaltet.
Charlotte Häke sieht bei dieser Lösung Unfallgefahr. "Ich habe darauf hingewiesen, dass Behinderte, aber auch Radfahrer, Menschen mit Kinderwagen oder Frauen mit hohen Absätzen Gefahr laufen, hängenzubleiben und zu stürzen", erläutert sie. "Mich haben schon Menschen angerufen und von Stürzen auf den Überwegen berichtet. Manche machen mich dafür verantwortlich, dabei liegt die Entscheidung bei der Stadt", so Häke. "Ich habe interveniert, aber meine Ratschläge sind im Rathaus verpufft." Häke hätte eine "einfachere Lösung" ohne getrennte Bereiche bevorzugt, "wie sie andere Städte wie Duisburg gewählt haben".
Keinen Zweifel lässt die Laacherin am Engagement der Stadt, und sie sagt auch: "Ich wurde als Behindertenbeauftragte informiert, wie es rechtlich vorgesehen ist. Doch ich habe seit zwei Jahren an mehreren Fortbildungen zum Thema Barrierefreiheit teilgenommen" – dieses Wissen hätte sie gern eingebracht. Bei der Wahl der Standorte für die barrierefreien Überwege sei sie aber beteiligt worden. Nun hofft Häke, dass "nicht noch nachträglich Änderungen an den Überwegen vorgenommen werden müssen. Straßen NRW hat sein Konzept bereits wegen Kinderkrankheiten überarbeitet."
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