Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Bodo Brico hat zwei Leidenschaften. Flotte Flitzer der Marke Porsche und historische Leierkästen. An seinem 911er verbindet er beide Passionen.
Denn Brico hat den pfeilschnellen Sportwagen mit einer Anhängerkupplung ausrüsten lassen: „Für meinen Drehorgel-Trailer“, verrät er verschmitzt.
Ein bisschen „jeck“ - im positiven Sinne - sind sie alle, die über 1000 Mitglieder des „Clubs Deutscher Drehorgelfreunde“ (CDD), der sich im März zum Jahres-Kongress in Grevenbroich trifft.
Ein Ereignis, das die Stadt gebührend begleiten wird: Denn Wirtschaftsförderung und Werbering planen ein City-Fest mit verkaufsoffenem Sonntag, das Besucher aus einem Umkreis von 100 Kilometern anlocken soll.
Dass dies kein Wunschdenken ist, macht CDD-Vorsitzender Wilfried Hömmerich deutlich: „Unsere Jahrestreffen werden regelmäßig von Stadtfesten begleitet, sie locken stets viele tausend Besucher an.“ Klar, dass sich da viele Kommunen um ein solches Treffen reißen.
In diesem Jahr war Leipzig interessiert, doch Grevenbroich erhielt letztlich den Zuschlag. Was dem Hemmerdener Gerd Busch zu verdanken ist - der Drehorgelspieler setzte sich im Club vehement für seine Heimatstadt ein.
Vom 23. bis zum 25. März werden die Drehorgelspieler aus 16 Nationen in der Schlossstadt erwartet. Wie viele der 1000 Mitglieder kommen werden, weiß Wilfried Hömmerich indes noch nicht: „Die Einladungen werden jetzt erst verschickt, wir müssen abwarten.“
Allerdings wird damit gerechnet, dass mindestens 80 Leierkasten-Fans ihre Orgeln mitbringen und in der Fußgängerzone auch Kostproben ihres Könnens abliefern werden.
Fred Schlangen, Chef des Werberings, hat sich darauf vorbereitet. Gemeinsam mit dem städtischen Wirtschaftsförderer Ulrich Held und seinem Team stellte er ein Konzept für ein Stadtfest zusammen: „Die Drehorgelspieler können im März die gesamte City als Bühne betrachten“, meint Schlangen.
So darf auf der Kölner- und Breite Straße sowie in den beiden Malls am Wochenende des 24. und 25. März kräftig an der Leier gedreht werden. Auch die Bahnstraße wird mit einbezogen: Dort bestreiten 30 Händler aus den Niederlanden einen Tuch- und Stoffmarkt mit hochwertigen Produkten.
Gleichzeitig haben die Werbering-Geschäfte geöffnet - am Samstag bis 18 Uhr und am Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Wer möchte, kann einen Abstecher zum Haus Hartmann unternehmen.
Dort werden Stadtarchivar Wolfgang Brandt und Gerd Busch 38 historische Drehorgel-Grafiken aus der Privatsammlung des Kölner Rolf Jakobi ausstellen. Und am Sonntagmorgen wird ein Drehorgel-Gottesdienst in der Christuskirche veranstaltet: „Absolut empfehlenswert“, meint Wilfried Hömmerich.
Besondere Schmankerl des Kongresses werden alte Kirmesorgeln sein, die vor dem Alten Schloss und auf dem Marktplatz positioniert werden. Ein Drehorgelball und eine Mini-Messe mit Ersatzteilverkauf runden den Veranstaltungsreigen ab.
Dort wird es auch Leierkästen zu kaufen geben. Wer interessiert ist, sollte sich jedoch genügend Bares einpacken, denn: „Gute Drehorgeln gibt’s zwischen 4500 und 25 000 Euro“, meint Hömmerich. Womit das Gerücht vom Armeleute-Instrument widerlegt sein dürfte.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.