Grevenbroich (NGZ). Als erste weiterführende Schule im Stadtgebiet will das Pascal-Gymnasium im kommenden Schuljahr von der 45-Minuten- auf die 60-Minuten-Schulstunde umstellen.
Schulleiter Manfred Schauf sieht sowohl organisatorische als auch pädagogische Vorteile .
Grevenbroich Im Pascal-Gymnasium wurde in den vergangenen Monaten viel gerechnet, wurden neue Stundenplan-Modelle ausgearbeitet. Auf dem Tisch von Manfred Schauf liegt ein Fachaufsatz mit dem Titel „60 ist mehr als 45 + 15“.
Nein, die Gesetze der Mathematik werden am Pascal nicht aus den Angeln gehoben, doch im August soll sich Gravierendes ändern: Die Schule will die 60-Minuten-Schulstunde einführen. Vorbilder dafür gibt es bereits etwa in Hilden und Siegen.
Sechzig statt 45 Minuten bedeutet keineswegs, dass Schüler ein Drittel mehr die Schulbank drücken müssen. „Aber wir kürzen die Unterrichtszeit auch nicht“, betont Schauf, die Unterrichtszeit während der acht Jahre bleibe gleich.
Mehrere Gründe führt der Schulleiter für die „Takt-Umstellung“ an: „Das neue Schulgesetz mit nur acht Gymnasialjahren bis zum Abitur führt dazu, dass Schüler in der Woche mehr Unterricht haben - bereits in der fünften Klasse manchmal bis zur siebten Stunde.
Kinder haben am Tag bis zu sieben Fächer, bekommen für all diese Hausaufgaben auf und müssen viel mehr Bücher in die Schule schleppen als früher.“ Dies habe zu Diskussionen auch unter den Eltern geführt.
Die Umstellung macht den Stundenplan übersichtlicher, auf dem künftig beispielsweise nur 24 statt 32 Wochenstunden mit täglich höchstens fünf Fächern stehen. Leichtere Schultaschen sind nur ein Vorteil: „In der Schule kehrt mehr Ruhe ein, da die Kinder seltener Schulräume wechseln müssen.
Auch die Anwesenheits- und Hausaufgabenkontrolle nimmt weniger Zeit in Anspruch“, erklärt Schauf. Können sich Kinder eine Stunde lang so konzentrieren wie in 45 Minuten? „Der Unterricht soll ja nicht so aussehen, dass der Lehrer die ganze Stunde redet. Schüler sollen Lösungen selbst erarbeiten.“ Da werde etwa in Gruppen gearbeitet und am Ende das Ergebnis präsentiert.
„Dafür reicht eine Dreiviertelstunde oft nicht aus - läutet es, bevor die Schüler fertig sind“, schildert Schauf. In 60 Minuten bleibe mehr Raum für Übungsaufgaben und zur individuellen Förderung. „Wir gehen davon aus, dass dann weniger Hausaufgaben erforderlich sind.“
Doch er sieht auch Nachteile. „Das neue Modell ist nicht der Stein der Weisen. Es hat Vorteile, wenn Kinder anfangs vier, fünf Mal in der Woche Englisch lernen statt drei Mal eine Stunde.“
Im Kollegium hätten sich fast alle Lehrer für das neue Modell ausgesprochen, auch in der Schulpflegschaft sei das Echo auf die Umstellung positiv, ebenso jetzt bei einem Elternabend. Auch die Schulaufsicht habe grünes Licht gegeben. In der Schülerschaft seien die Meinungen unterschiedlich, gebe es Vorbehalte.
„Ich halte die 60-Minuten-Schulstunde für eine ganz gute Sache, oft reichen 45 Minuten nicht für ein Thema aus, da verlieren wir Zeit fürs Ein- und Auspacken“, meint Andreas Greven (18) aus der zwölften Stufe.
Doch er fragt sich, „ob man sich in Doppelstunden 120 Minuten konzentrieren kann“. Thorsten Kreutzer sieht negative Folgen: „Ich komme künftig mit dem Bus oft später nach Hause in Neukirchen, dabei ist die Verbindung schon heute schlecht.“
Der 18-Jährige spricht einen Knackpunkt an, der auch beim Elternabend Thema war: So müssen mit den heutigen Busfahrtzeiten Rommerskirchener laut Schauf oft länger auf den Bus warten: „Wir sprechen mit dem Schulträger, ob eine Verbesserung möglich ist. Für Neukirchen hat die Stadt eine verbesserte Anbindung zugesagt.“
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