Grevenbroich (NGZ). Neurath Es war ein leuchtendes Zeichen für mehr Klimaschutz und gegen den Bau neuer Braunkohlekraftwerke. Rund 3000 Demonstranten reisten am Samstag per Bahn und Shuttlebus nach Neurath, um vor der Kraftwerksbaustelle friedlich zu protestieren. Aus Nettetal, Mönchengladbach, Stommeln und Niederaußem kamen die Teilnehmern, die zuerst mit Plakaten auf ihre Forderungen aufmerksam machten: „Wir wollen Euren Klimadreck nicht“ und „Zukunft statt Braunkohle“ prangte es auf ihren Schildern.
Zur Kundgebung am weltweiten Klima-Aktionstag hatte das NRW-Vereinsbündnis Klima-Allianz aufgerufen. Am frühen Abend zündeten die Demonstranten entlang der Landstraße 1000 Kerzen in blauen Lampions an und bildeten den Schriftzug „Act Now“ (Jetzt handeln). Zeitgleich wurde per Videoprojektion auf dem Kesselhaus die Aufforderung „Stopp CO2“ sichtbar.
Auch RWE sorgte für eine Lichtshow. Parallel zum Schlussbild der Umweltschützer erschienen auf den Kraftwerks-Kühltürmen die Worte: „Klimaschutz jetzt! Neue, effizientere Kraftwerke“. „Mit so einem Seitenhieb haben wir gerechnet“, sagte Demonstrationsleiter Dirk Jansen vom Bund für Umwelt- und Naturschutz.
Friedliche Kundgebung
Laut Polizei besuchten etwa 3000 Teilnehmer die Demonstration vor der Kraftwerksbaustelle. Mehrere Hundert Beamte waren im Einsatz. Während der An- und Abreise der Teilnehmer gab es keine Zwischenfälle. Die Straßen rund um die Baustelle wurden während der Kundgebung gesperrt.
„Wir sind dennoch zufrieden, da die Resonanz sehr groß ist. Die Aktion ist der erfolgreiche Startschuss für unsere politische Arbeit.“ Das Bündnis aus 80 Organisationen und Verbänden fordert einen Baustopp für neue Kohlekraftwerke sowie die Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent.
„Grevenbroich ist bereits die CO2-Hauptstadt Europas“, sagte Jansen. „In wenigen Jahren sollen hier mehr als 35 Millionen Tonnen CO2 jährlich in die Luft geblasen werden.“ Als Gastredner wies Alfred Buß, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, auf den Klimawandel und seine sozialen Folgen hin: „Wir haben heute große Sorgen, weil wir so gut für uns gesorgt haben. Die armen Länder müssen dagegen ausbaden, was die Industrienationen verursacht haben. Das Klima ist aber ein globales öffentliches Gut.“
Auf einer Bühne vor der Kraftwerksbaustelle animierten Sänger und Musiker diverser Gruppen die Demonstranten zum Mitschunkeln und -wippen. Bei kalten Temperaturen hielten sich die Teilnehmer unter anderem mit roten Nikolausmützen, dicken Pullovern und Handschuhen warm. „Wir klatschen und pfeifen für eine bessere Klimapolitik“, erzählte Susanne Eichmann aus Düren. Der 43-Jährigen stand Sohn Niklas (6) in Neurath zur Seite. „Gemeinsam mit den Kundgebungsteilnehmern in Berlin wollen wir ein Zeichen setzen. Wer jetzt über Klimaschutz nachdenkt und handelt, tut vor allem etwas für die nächste Generation.“
Mit einem offenen Brief wandte sich der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der RWE-Betriebsräte, Günter Reppien, an die Veranstalter der Protestaktion: „Einen Ausstieg aus Kohle und Kernkraft kann die Industriegesellschaft nicht verkraften. Es ist notwendig, erneuerbare Energie stärker zu nutzen, aber alleine damit kann die Energieversorgung nicht bestritten werden.“
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