Grevenbroich (NGZO). Aus noch ungeklärter Ursache prallte ein Stadtbus auf einer Brücke auf dem Ostwall gegen eine Mauer. Ein großes Betonteil drohte abzustürzen. Der Fahrer und der einzige Fahrgast wurden leicht verletzt. Die Straße blieb nach dem ungewöhnlichen Unfall zwei Stunden gesperrt.
"Ich wurde im Bett durch den Knall geweckt. Bald darauf sah ich in der Fensterscheibe Blaulichter blinken – und dann den Unfall auf der Straße." Clemens Schelhaas (71) wohnt am Ostwall 50 Meter von der Brücke über der Erft entfernt. Tausende Autos sind jeden Tag dort unterwegs, viele Fahrer dürften den Lichtschacht in der Straßenmitte kaum wahrnehmen.
Doch am Samstag geschah es: Der Fahrer eines Busses der Stadtbuslinie 893 kommt gegen 7.50 Uhr von der Fahrbahn ab. Der Bus, der von Kapellen kommend Richtung Bahnhof unterwegs ist, überfährt in Höhe der Straße "Am Stadtpark" die Verkehrsinsel, prallt gegen die Steinmauer, die vor Absturz in den Lichtschaft sichern soll. Aus dem Brückenpfeiler bricht ein zwei Quadratmeter großes Betonteil. Es hängt noch an der Armierung, droht durch den Schacht auf den Fußweg darunter zu stürzen. Etliche Steine prasseln auf den Weg. "Wenn jemand dort gerade hergegangen wäre, hätte er verletzt werden können", sagt Udo Lennartz, Leiter der Feuerwehr.
Der Stadtbus
Seit elf Jahren betreibt der Busverkehr Rheinland (BVR) mit Sitz in Düsseldorf den Stadtbus Grevenbroich mit insgesamt vier Linien. Seit 2008 tritt der BVR unter dem Angebotsnamen DB Bahn Rheinlandbus auf.
Willi Olligs (72) war zum Unfallzeitpunkt mit dem Fahrrad auf dem Ostwall unterwegs. "Ich wollte Brötchen holen und habe den Bus an mir vorbeifahren lassen", schildert der Grevenbroicher. "Dann hörte ich den Knall und dachte: ,O Gott, wo ist der gegen gefahren?'. Ich fuhr hin, um zu helfen, versuchte, eine Bustür zu öffnen. Doch die wurde schon von innen aufgemacht. Der Busfahrer blutete am Kopf", so Olligs. Dann sei bereits der erste Wagen mit Blaulicht eingetroffen.
Die Kreisleitstelle in Neuss alarmiert die Einsatzkräfte – das Stichwort: Verkehrsunfall mit Bus. Vier Rettungswagen, zwei Notärzte, der Leitende Notarzt und die Feuerwehr mit fünf Fahrzeugen, darunter dem Rüstwagen, rücken aus. "Wir hatten gerade Schichtwechsel, so dass 16 Feuerwehrleute auf der Wache waren", berichtet Lennartz, der zunächst mehr Verletzte befürchtet hatte. Aufatmen, als die ersten Kräfte die Lage erkunden. Im Bus befand sich neben dem 37-jährigen Fahrer nur eine 18 Jahre alte Frau. Beide Grevenbroicher sind zum Glück nur leicht verletzt, werden ins Krankenhaus gebracht.
Doch die Arbeit geht weiter. Die Feuerwehr hat den Bereich in der Unterführung gesichert, die Polizei den Ostwall gesperrt. Schon etwa in Höhe Montanushof werden Autos umgeleitet. Spezialtechnik muss her, ein schweres Abschleppfahrzeug wird für den Bus angefordert. Auch die Betonplatte wird geborgen. Ein Statiker wird hinzugezogen, die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben. Der Sachschaden insgesamt: rund 25 000 Euro.
"Das Erstaunliche ist, dass jeden Tag Tausende an der Verkehrsinsel vorbeifahren und ich dort noch nie einen Unfall gesehen habe", sagt Schelhaas. Die Unfallursache steht noch nicht fest. "Es gibt mehrere Möglichkeiten. Es könnte ein technischer Defekt vorliegen, der Bus wurde deshalb zur Untersuchung sichergestellt", sagt Roland Rother von der Polizeileitstelle.
"Die Kollegen haben beim Fahrer keine Verkehrsuntüchtigkeit festgestellt." Die Polizei hat keine Hinweise auf Alkohol und Drogen. Die Ermittlungen, bei denen auch der Fahrer noch angehört wird, dauern an. Betreiber des Stadtbusses Grevenbroich ist der Busverkehr Rheinland, der seit 2008 unter dem Angebotsnamen DB Bahn Rheinlandbus auftritt. Von ihm war bislang keine Stellungnahme zu erhalten.
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