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Grevenbroich: Luftreinhalteplan muss her

VON WILJO PIEL - zuletzt aktualisiert: 07.11.2007 - 21:30

Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Er ist 300 Meter breit, fast einen Kilometer lang, birgt 600 000 Tonnen Rohstoff und gehört laut Aktionsplan mit zu den Feinstaub-Quellen Nummer eins: der Kohlebunker des Tagebaus Garzweiler.

Der Kohlebunker wird rund um die Uhr berieselt - nur eine der Maßnahmen, die im Tagebau Garzweiler gegen den Feinstaub eingesetzt werden.  Foto: Michael Reuter
Der Kohlebunker wird rund um die Uhr berieselt - nur eine der Maßnahmen, die im Tagebau Garzweiler gegen den Feinstaub eingesetzt werden. Foto: Michael Reuter

Die Krux: Obwohl RWE Power seit Januar gut zwei Millionen Euro in Feinstaub-Gegenmaßnahmen investiert, haben sich die an der Luftmess-Station in Gindorf ermittelten Daten nicht sonderlich verändert.

Allein in diesem Jahr wurden schon 46 Grenzwert-Überschreitungen ermittelt, in 2006 waren es ebenso viele. Sind Bunker und Tagebau die einzig Schuldigen am Feinstaub-Problem? Diese Frage stellte sich gestern der Umweltausschuss.

Siebzig Prozent der im Aktionsplan festgelegten Feinstaub-Gegenmaßnahmen sind von RWE Power umgesetzt worden. Davon konnten sich die Politiker am Nachmittag bei einer Vor-Ort-Besichtigung überzeugen.

Info
Sechster Platz

Das Landesamt für Umweltschutz hat zurzeit 68 Luftmess-Stationen in NRW im Einsatz. Was die Überschreitung des Feinstaub-Tagesgrenzwertes betrifft, steht Gindorf zurzeit an sechster Stelle - vor Städten wie Dortmund, Bottrop, Essen und Gelsenkirchen.


Große Teile der Bandanlagen wurden eingehaust und mit Beregnungsanlagen versehen, ehemalige Schotterpisten mit Asphalt belegt - nur einige von vielen Punkten gegen den Flug des krebserregenden Staubs. „Anfang Februar werden wir die Maßnahme abschließen“, erklärte Heinz Michael Erken von der RWE-Tagebauplanung.

Doch es sei angesichts der ermittelten Werte fraglich, ob damit die gewünschte Entlastung erreicht werde: „Denn laut Aktionsplan ist der Tagebau nur für 17 Prozent der Feinstäube verantwortlich. Wer die übrigen 83 Prozent verursacht, weiß niemand.“

Um hier Licht ins Dunkle zu bringen, müsse ein Luftreinhalteplan erstellt werden, der über die Vorgaben eines Aktionsplanes weit hinaus reiche, unterstrich Erkens: „Denn er zielt nicht nur auf eine bestimmte, sondern auf alle Feinstaub-Quellen ab.“

Nach seinen Informationen werde die Bezirksregierung Düsseldorf - sobald die Messdaten von 2007 vorliegen - in die Erstellung eines solchen Planes einsteigen: „Das wird Anfang 2008 der Fall sein“, meinte der RWE-Mann. Er geht davon aus, dass bis Oktober nächsten Jahres ein Luftreinhalteplan aufgestellt werden müsse.

Dass RWE Power mehr getan hat, als der Aktionsplan verlangt, machte Dr. Bernhard Goymann, Leiter der Stabsleitung des Tagebaus Garzweiler, deutlich. Der Konzern hat bereits Anfang Januar Professor Stephan Weinbruch vom Institut für Mineralogie der Technischen Universität Darmstadt mit einem Gutachten beauftragt.

Er wertet per Rasterelektronen-Mikroskopie und Röntgen-Mikroanalyse 120 Feinstaub-Einzelproben aus, die innerhalb eines Jahres im Bereich des Kohlebunkers gezogen werden.

RWE will dem Problem damit auf den Grund gehen: „Wir wollen wissen, wie sich dieser Staub zusammensetzt und wo das Zeug herkommt.“ Die Erkenntnisse aus dieser Studie, die voraussichtlich im Mai vorliegt, sollen in den Luftreinhalteplan einfließen.

Dass dieser Plan notwendig ist, machte auch der Technische Beigeordnete Werner Hoffmann deutlich: „Fordern Sie die Verwaltung weiter auf, dass wir weiterhin hart an diesem Thema arbeiten und dass wir die zuständigen Stellen dazu bringen, den Luftreinhalteplan aufzustellen“, appellierte er an den Umweltausschuss. Die Politiker folgten diesem Aufruf per Resolution.

Nicht folgen wollten sie allerdings dem Antrag der UWG-Fraktion, die sich für eine Verlegung des Kohlebunkers stark gemacht hatte.

Holger Holzgräber und Hans-Georg Schiffer (SPD) werteten diesen Vorschlag vor dem Hintergrund einer „83-prozentigen Unbekannten“ als „populistisch und fernab jeglicher Realität“. Und da waren sich die Sozialdemokraten ausnahmsweise mit der CDU auch einmal einig: „Völlig utopisch“, wertete Ratsherr Willi Reisepatt.

Quelle: NGZ


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