Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Sie warfen das Klavier einfach aus dem zweiten Stock. Das Instrument zerschellte auf dem Asphalt der Bahnstraße. Danach haben Nazis die Witwe Eichengrün verprügelt. Vor 68 Jahren war das, während der Reichspogromnacht am 9. November 1938, mitten in Grevenbroich.
Auch in der Schloss-Stadt wüteteten die Nazi-Schergen, zerstörten Synagogen und Geschäfte, verprügelten Juden. Auf dem Synagogenplatz wollten gestern Schüler der Katholischen Hauptschule daran erinnern: mit einem Gebet, mit Liedern, Gedichten und mit Teelichten, die sie anzündeten.
Die Idee stammt aus einer AG der Hauptschule, die sich um die Pflege von Kriegsgräbern ehemaliger Gefangener kümmert: Max Brugger, Janine Hahn und Martin Küppers wissen über die Verbrechen der Nazis durch die AG inzwischen genauestens bescheid.
„Doch einige Mitschüler waren schon überrascht, als sie hörten, was hier in Grevenbroich passiert ist“, sagte Schülersprecher Max Kulitzscher. „Viele denken, die Verbrechen sind nur super weit weg passiert.“ Und so wurden die Blicke der meisten Schüler starr, als Ulrich Herlitz vom Geschichtsverein erzählte, welche Grausamkeiten in Grevenbroich passiert sind, wie sich der Pogrom von München ausgehend in Deutschland fortpflanzte und der SA-Sturm Grevenbroich-Neuss durch die Nacht marodierte.
„Die Nachbarn haben damals verhindert, dass die Synagoge in der Grevenbroicher Innenstadt verbrannt wird“, erklärte Herlitz. Der Grund war jedoch nicht Hilfsbereitschaft. Vielmehr hätten die Anwohner sich geängstigt, dass das Feuer auf ihr Haus überspringt.
Das NS-Kraftfahrerkorps, das zunächst mit Benzinkanistern angefahren war, sah schließlich davon ab, die Synagoge zu verbrennen. Doch sie demolierten in dem Gotteshaus, zerstörten die Decke und warfen die heilige Thora auf die Straße, um darauf zu urinieren. Als die Schüler die Namen der 120 betroffenen Grevenbroicher Juden im Kanon verlasen, schien das Drama vielen erst präsent zu werden. Kleine Kiesel wurden auf dem Gedenkstein für die ehemalige Synagoge abgelegt, es wurde „Schalom melechem“ gesungen.
Von einem „Mahnmal für die Zukunft“ sprach Axel Prümm. Es ginge darum, das Geschehene geschichtlich einzusortieren. Der Bürgermeister und andere Politiker hatten den Hauptausschuss für einen Besuch unterbrochen.
Der damalige Bürgermeister war immerhin von den Nazis instrumentalisiert worden. Aus München hatte er - in seiner Funktion als Polizeichef - die Order bekommen, alle männlichen Juden mittleren Alters festzunehmen. Sie wurden schließlich in ein Gefängnis in Mönchengladbach geschafft. Einige von ihnen schließlich ins KZ deportiert.
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