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Grevenbroich: Mallorca-Hit im Krieg gedichtet

VON WILJO PIEL - zuletzt aktualisiert: 19.02.2010 - 21:30

Grevenbroich (NGZ). Herbert Beer schrieb 1945 in der Kriegsgefangenschaft ein Lied. Er nannte es "Ferdinand". Was der heute 83-Jährige aus der Südstadt nicht wusste: Der Titel sollte einmal ein Mallorca-Hit werden.

Herbert Beer war Zeit seines Lebens ein begeisterter Akkordeonspieler. Heute nimmt der 83-Jährige nur noch selten sein Instrument in die Hand.   Foto:  L. Berns
Herbert Beer war Zeit seines Lebens ein begeisterter Akkordeonspieler. Heute nimmt der 83-Jährige nur noch selten sein Instrument in die Hand. Foto: L. Berns

Nach den stressigen Karnevalstagen gibt's für die kölsche Stimmungsband "Rabaue" immer noch keine Pause. Die Musiker bringen seit Mitte der Woche das "Aprés Ski"-Partyvolk auf dem Hintertuxer Gletscher in Wallung. Einen Song hat die Band immer im Gepäck: "Den ,Ferdinand' – klar, das ist ein Muss bei jedem unserer Konzerte", sagt Keyboarder Peter "Funny" van den Brock. Vor einigen Jahren landeten die "Rabaue" mit diesem Titel sogar einen Hit in den Mallorca-Charts. Getextet wurde der Song von einem Mann aus der Südstadt: Herbert Beer (83). Er schrieb ihn 1945 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

Info

"Ferdinand" auf CD

Das Lied "Ferdinand" haben die Rabaue auf ihr Album "Quattro Stazioni" gepresst. Das enthält auch ihren Nummer-1-Hit "Pizza Hut". Um diesen Titel gab es 2003 einen heftigen Streit. DJ Ötzi hatte das Lied von der Stimmungsband "geklaut". Mittlerweile verstehen sich beide Parteien wieder.

Beer wurde im schlesischen Goldberg geboren. Seine Eltern betrieben dort eine Gaststätte, das "Deutsche Haus". Zum Restaurant gehörte ein Tanzsaal, und der zog den kleinen Herbert magisch an – denn dort stand ein Klavier. "Sobald ich aus der Schule kam, habe ich mich vor die Tasten gesetzt und drauf los geklimpert", erinnert er sich an seine Jugendzeit.

Dann kam der Zweite Weltkrieg. Herbert Beer geriet in Gefangenschaft, saß zweieinhalb Jahre lang in einem Lager in Norditalien, musste im Bergbau arbeiten. Zerstreuung fand er in der Musik, er spielte in einem Lager-Orchester mit. "Irgendwann habe ich mit zwei Kumpels den ,Ferdinand' geschrieben, ein Lied über einen Klavierspieler." Der fröhliche Song begleitete Herbert Beer durchs Leben. Er wurde gespielt, als er 1949 seine Frau Marianne heiratete und in die Südstadt zog. Wenn er von seiner Arbeit im Kreis-Katasteramt nach Hause kam, griff Beer zum Akkordeon oder setzte sich ans Klavier, er spielte in der legendären "Rentnerband" und sorgte in vielen Sälen für Stimmung. Herbert Beer war gern gesehener Gast auf Geburtstags-, Sommer- und Weihnachtsfeiern – natürlich immer mit dem "Ferdinand" im Gepäck.

Das Potenzial des Liedes blieb den "Rabaue" nicht verborgen, sie interpretierten den Schunkel-Hit neu und landeten damit 2003 sogar einen Sommerhit auf Mallorca. Darauf ist Herbert Beer heute noch stolz: "Der ,Ferdinand' war plötzlich im Radio zu hören, das hat mich richtig gefreut."

Heute greift der 83-Jährige jedoch nur noch selten zu seinem Lieblingsinstrument. "Das Alter", sagt er. Und wenn, dann spielt er noch einen Song: den "Ferdinand".

Quelle: NGZ


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