Grevenbroich (NGZ). Stück für Stück sollen die Straßen für Radfahrer sicherer werden. Dafür sorgt der Arbeitskreis Radverkehr. Doch es gibt noch viel zu tun. Laut dem Fahrrad-Club ist der separate Radweg längst nicht immer die beste Lösung.
Zu einer Radtour besonderer Art verabreden sich regelmäßig Politiker, Polizisten, Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und der Stadtverwaltung: Dann ist der Arbeitskreis Radverkehr zum Ortstermin unterwegs, nimmt Kreuzungen und Radwege unter die Lupe, debattiert Verbesserungsmöglichkeiten. Jetzt legte die Stadt eine Auflistung der Stellen vor, an denen Radwege verbessert, Markierungen aufgemalt und Einbahnstraßen für Radler in beide Richtungen frei gegeben wurden. "Wir haben zusammen viel bewirkt und etliche Stellen optimiert", zieht im Rathaus Verkehrsingenieurin Ursula Hauguth Bilanz. Heiko Fiegl vom Sprecherrat des ADFC, Mitglied im Arbeitskreis, sieht noch einen anderen Erfolg: "Dass es den Arbeitskreis überhaupt gibt – und dass alle Fraktionen die Bedeutung des Radverkehrs erkannt haben und mitmachen."
Weitere Lösungen
Einbahnstraßen Viele Einbahnstraßen dürfen von Radfahrern in beiden Richtungen befahren werden. Der ADFC wünscht sich diese Lösung auch für die Bahnstraße zwischen Kreisel und Bahnhof.
Sackgassen An acht Sackgassen finden Radler am Anfang Hinweise, dass sich am Ende der Straße ein Rad- oder Wirtschaftsweg anschließt.
Der ADFC hatte erhebliche Vorarbeit geleistet. Fiegl und andere hatten etliche Mängel im Stadtgebiet mit der Kamera dokumentiert. Er weiß daher: "Es gibt noch viel zu tun." Einige Beispiele: "In Neukirchen sind die Radwege an der Roseller und Hülchrather Straße zu eng und oft zugeparkt." Gefährliche Stellen gebe es auch in Wevelinghoven. "An der Langwadener Straße müssen Radler auf der linken Straßenseite auf dem Radweg fahren, und dann endet er auch noch jäh."
Radwege seien längst nicht immer die sicherste Lösung: "Häufig bieten sie nur eine Scheinsicherheit, an den Einmündungen wird es oft gefährlich", erklärt Heiko Fiegl. "Die Zukunft geht dahin, dass Radfahrer auf der Straße fahren und für sie ein Schutzstreifen markiert wird. Das ist preiswerter – und der Radfahrer ist mehr im Blick der Autofahrer. Aber diese Erkenntnis fällt nicht allen leicht, da jahrelang anders argumentiert wurde."
Weitere Pläne: "Unzumutbare Radwege möchten wir aufheben. Und auf vielen Straßen würden wir Radlern gern frei stellen, ob sie den Radweg oder lieber die Fahrbahn nutzen." Die Novelle der Straßenverkehrsordnung machte dies laut Fiegl möglich, "doch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat sie für nichtig erklärt" – sonst hätten etliche alte Verkehrsschilder in Deutschland ihre Gültigkeit verloren. Doch mit der Novelle ist zugleich die Möglichkeit der "Wahlfreiheit" für Radler wieder entfallen. Aber es stehen ja noch viele andere Projekte an. An der Ecke Neuenhausener Straße/Kolpingstraße in der Südstadt – dort wurden seit 2008 fünf Radler verletzt – wird jetzt die Radfurt aufgepflastert. Autofahrer sollen dadurch an dieser Stelle aufmerksamer werden. Und am Bahnhof und an der Park-and-Ride-Anlage sollen Piktogramme deutlicher auf den Radverkehr hinweisen. "Die Wege dort werden leider häufig zugeparkt", weiß Ursula Hauguth.
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