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Grevenbroich: Mit Blindenhund auf Drehleiter

VON SEBASTIAN DRAXL - zuletzt aktualisiert: 16.01.2012

Grevenbroich (NGZ). Neun Sehbehinderte und Blinde trainierten erstmals in der Feuerwache Grevenbroich, wie sie sich bei einem Brand richtig verhalten. Eine echte Herausforderung für Blindenhunde wie Enny: die Fahrt in der Drehleiter.

Andrea Eberl und Hund Enny werden per Drehleiter gerettet – Feuerwehrmann Jürgen Rosemann trainiert mit beiden für den Ernstfall. Foto: M. Reuter

Was tun, wenn im eigenen Heim ein Brand ausbricht? Eine Situation, die für Blinde besonders gefährlich ist. Auch wenn Andrea Eberl und ihr Hund Enny im Alltag ein eingespieltes Team sind, nutzte die 47-Jährige jetzt die Chance, mit der Feuerwehr für den Ernstfall zu trainieren.

Laut der Weltgesundheitsorganisation leben in Deutschland 1,06 Millionen Sehbehinderte. Grevenbroichern Sehbehinderte konnten jetzt zum ersten Mal ihr Verhalten beim Ausbruch eines Feuers und bei der Rettung üben.

Jürgen Rosemann (48) und Jürgen Burchartz (50) organisierten das erste Projekt und stellten den Blinden die Feuerwehr aus einer ganz anderen Perspektive vor. Vor über einem halben Jahr kam in der Gruppe für sehbehinderte Menschen das Thema "Feuer in der eigenen Wohnung" auf. Nach Gesprächen wurde klar: Sehbehinderte stehen einem Feuer beinahe hilflos gegenüber.

Info

Sehbehinderung

Definition In Deutschland gilt ein Mensch als blind, wenn die Sehschärfe auf dem besseren Auge mit Brille nur einen Sehrest von zwei Prozent oder weniger bringt. Eine Sehleistung von 30 Prozent stellt eine Behinderung dar.

Alter 17 Prozent der Sehbebinderten sind seit Geburt oder Kindheit blind, 50 Prozent erst im Alter.

Auch Andrea Rosemann gehört zu der Gruppe. Sie fragte ihren Mann Jürgen, der seit vielen Jahren in der Einheit Stadtmitte der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, um Unterstützung. Er erkannte den Handlungsbedarf und organisierte das Projekt mit der Gruppe für Brandschutzerziehung: "Ich habe Informationen über ein Blindentraining gesucht und nichts gefunden. Also mussten wir uns selbst etwas überlegen. Diesen Missstand wollten wir ändern", so Rosemann.

Nach sechs Monaten Planung war es jetzt soweit: Neun Sehbehinderte und blinde Menschen besuchten die Feuerwache. Zunächst erfuhren sie, wie sie die Feuerwehr richtig alarmieren. "Wichtig für die Feuerwehr ist, dass sie bei einem Notfall über die Behinderung des in Not Geratenen Bescheid weiß. Für uns ist es auch eine besondere Situation, wenn man an einer Einsatzstelle auf einen Blinden trifft", sagt Rosemann.

Eine weitere Herausforderung für die Feuerwehr stellen Blindenhunde da. Andrea Eberl kam mit ihrem Hund Enny zum Training. Auch für Enny eine Herausforderung, plötzlich mit dem Feuerwehrmann, der Maske und Schutzanzug trug, konfrontiert zu werden: Daran musste sich der Hund erst einmal gewöhnen.

Doch bei der Fahrt mit der Drehleiter bewies Enny ihre Belastbarkeit. Ein wenig ängstlich, aber ruhig begleitet der Hund seine Schutzbefohlene in den Korb der Drehleiter. "Das klappt wunderbar. Bleibt nur zu hoffen, dass alle Hunde so reagieren", so Rosemann.

Am Ende des Trainings waren alle Teilnehmer begeistert. "Es war ein gegenseitiges Lernen. Wir haben viel von den Feuerwehrleuten erfahren und diese auch ein wenig über den Umgang mit uns", sagt Teilnehmer Peter Gabor (58).

Quelle: NGZ

 
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