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Grevenbroich: Mit Handicap zur Medaille

VON MARVIN NIX - zuletzt aktualisiert: 21.03.2012
Felicitas Merker aus Grevenbroich hat bei der Leichtathletik-Hallen-Europameisterschaft der Gehörlosen den dritten Platz belegt.  Foto:  Hans Jazyk
Felicitas Merker aus Grevenbroich hat bei der Leichtathletik-Hallen-Europameisterschaft der Gehörlosen den dritten Platz belegt. Foto: Hans Jazyk

Grevenbroich (NGZ). Bei der Leichtathletik-Hallen-Europameisterschaft der Gehörlosen hat Felicitas Merker aus Grevenbroich den dritten Platz belegt. Trotz ihres Handicaps führt die 20 Jahre alte Schülerin ein ganz normales Leben.

Die Feier hatte sich Felicitas Merker verdient. Bei der Hallen-Europameisterschaft der Gehörlosen holte sie Bronze im Fünfkampf, dafür gab es am Samstagabend eine Party mit der Nationalmannschaft. "Zu Hause habe ich dann noch mal mit meiner Familie und einem Glas Sekt angestoßen", erzählt die Grevenbroicherin.

Lange Zeit zu feiern und sich auf den Lorbeeren des Erfolgs auszuruhen bleibt allerdings nicht. Die 20-Jährige hat bereits die nächsten Ziele vor Augen. "Im Sommer möchte ich bei der Weltmeisterschaft in Kanada eine Medaille holen, außerdem träume ich schon lange von einer Teilnahme an den Deaflympics, den Olympischen Spielen der Gehörlosen", berichtet die Sportlerin vom TSV Bayer Dormagen. Die Ziele sind hochgesteckt, außer beim Hochsprung hebt die Athletin aber nicht ab: "Wichtiger als eine Top-Ten-Platzierung ist mir, mich selbst zu steigern. Dann sehe ich, dass sich das harte Training auch wirklich gelohnt hat."

Info

Europameisterschaft

Fünfkampf Er besteht aus den Disziplinen 60-Meter-Hürdenlauf, Hochsprung, Kugelstoßen, Weitsprung und dem abschließenden 800-Meter-Lauf. Felicitas Merker verbesserte mit 2927 Punkten den deutschen Rekord.

Wettkämpfe Die Gehörlosen-Europameisterschaft fand in der estnischen Hauptstadt Tallinn statt.

Auf ihre große Leidenschaft ist Felicitas durch ihre Eltern gestoßen, die das Talent ihrer Tochter bei den Bundesjugendspielen in der Grundschule entdeckten. Mittlerweile trainiert die Athletin fünf bis sechs Mal die Woche. Neben den regelmäßigen Trainingseinheiten steckt die Fünfkämpferin zurzeit mitten im Abiturstress am Norbert-Gymnasium Knechtsteden in Dormagen. Wenn im Terminplaner dann noch Platz bleibt, trifft sich Felicitas mit Freunden "auf eine Tasse Kaffee, zum Shopping oder zum Feiern". Trotz ihres Handicaps führt Felicitas Merker einen normalen Alltag. "Ich wünsche mir keine Sonderbehandlung", betont sie. "In Dormagen trainiere ich auch ausschließlich mit Normalhörenden zusammen."

Dank ihrer sogenannten Cochlea-Implantate ist die Sportlerin in der Lage zu hören und zu sprechen. Bei den Implantaten handelt es sich um eine Prothese für Gehörlose, deren Hörnerv noch funktioniert. Sie besteht aus einem Mikrofon, einem digitalen Sprachprozessor, einer Sendespule mit Magnet und dem eigentlichen Implantat. Wenn Felicitas sich in einer lauten Umgebung befindet, nutzt sie zudem die Fähigkeit, von den Lippen abzulesen. Mit der Kommunikation klappt es so hervorragend.

Die Fünfkämpferin ist froh, nur begrenzt eingeschränkt zu sein. Trotzdem ist es für sie wichtig, auch gehörlose Freunde zu haben. "Sie verstehen mich, weil sie das gleiche Problem wie ich haben", erzählt Felicitas. Ihre Lieblingsdisziplinen sind Kugelstoßen und der 60-Meter-Hürdenlauf. Auch abseits des Sports lässt sich Felicitas Merker von keinen Hürden stoppen. Fleißig und emsig arbeitet sie daran, ihre nächsten Ziele zu erreichen – und an der nächsten Medaille.

Quelle: NGZ


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